Liebe Gemeinde,
mit die glanzvollsten und tiefsten Erkenntnisse über die Menschheit werden im Römerbrief Paragraph für Paragraph entfaltet. Und hier einer der schönsten Verse: die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. (Vgl. Musik von Johan Ernst Bach: Die Liebe Gottes)
Die Liebe Gottes kann man von verschiedenen Seiten beleuchten und sie glitzert und leuchtet wie ein geschliffener Diamant in dem Lichte der göttlichen Herrlichkeit. Von der Liebe Gottes sprudelt es auch im ersten Johannesbrief, wo es ausdrücklich heißt: Gott ist Liebe! Eine Aussage, die kein Jude und kein Moslem nachsprechen kann. Gott ist Ordnung und Gesetz – das könnten sie nach nachvollziehen, ja. Der Wille Gottes in den Geboten, den können auch sie nachempfinden: Gott ist heilig und du sollst auch heilig sein! Jawohl! Aber: Gott ist Liebe – das ist ja unglaublich … in dem Sinne von: das kann man gar nicht glauben.
Da hilft es, mal die gegensätzlichen Wörter zu nennen: was ist das Gegenteil von „Liebe“? Meistens denken wir gleich an „Hass“, Feindschaft. Korrekt, behaltet dieses Wort; wir listen noch ein paar Wörter. Das Gegenübergesetzte von „Liebe“ ist Trennung, Abstand. Weiter nennen wir Misstrauen, Verdacht, immer Zweifeln; da mischt sich die Lüge auch mit hinein.
Und noch ein Wort, dass hier passt, ist Eigenliebe, Egoismus; also das Begehren des Menschen ist auf sich selbst konzentriert – ich tue gerne was für mich, was zu meinem Vorteil dient, was mich gut fühlen lässt; jedenfalls für so einen kleinen Augenblick. Danach kommt wieder das Gefühl der Leere. Sofort wird in mir die Gier wach, diese Sinnlosigkeit in mir wieder auszufüllen mit neuen Lustgefühlen, mit Sachen, mit Eigenlob. Das reicht erst mal. Wir wissen, wovon gesprochen wird, denn wir alle erfahren es in uns selbst.
Für alle diese Wörter hat die Bibel einen Sammelbegriff. Die Bibel nennt diesen Zustand und diese Eigenschaft in dem einen Wort zusammengefasst: Sünde. Ach, und viele dachten, „Sünde“ sei doch die Übertretung von den 10 Geboten. Ja, das auch, aber die Übertretung ist ja nur die Folge von meinem Zustand als sündiger Mensch.
Alle diese Begriffe, die wir genannt hatten, kommen im Römerbrief vor als typische Beschreibung: So ist der Mensch. Schon im Paradies: Zuerst wollte der Mensch die verbotene Frucht essen, dann wurden ihm die Augen aufgetan, und nun muss der Mensch in diesem Zustand weiter leben – getrennt von Gott, in Feindschaft gegen einander, im Egoismus, in seinen Lustgefühlen, Eigenlob und Sinnlosigkeit.
Paulus beschreibt das in den ersten beiden Kapitel des Römerbriefes: Zuerst wollte der Mensch nach seiner Lust und Gier leben, und dann hat Gott ihn „dahingegeben“. Nun muss der Mensch in seinen falschen Begehren leben. Und er wird an seiner eigenen Lust zugrunde gehen. Er wird scheitern müssen. Denn das Gesetz Gottes ist heilig, gerecht und gut; es verurteilt den Sünder. Der sündige Mensch kann nicht in Gottes Gegenwart bestehen; es ist Feindschaft zwischen Gott und Mensch.
Und dann in Kapitel 3 – die große Wende. Wie ein Gongschlag in der Weltgeschichte: Röm 3:21f Nun aber ist außerhalb vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes geoffenbart worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes, die durch den Glauben an Jesus Christus kommt, für alle, die da glauben.
Noch einmal in Kapitel 4:7f «Selig sind die, welchen die Übertretungen vergeben und deren Sünden zugedeckt sind; selig ist der Mensch, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnet!»
Und diesen Gongschlag hören wir nun noch einmal in Röm 5:1 Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus.
Liebe Gemeinde: das ist die Liebe Gottes, dass ER selbst die Feindschaft zwischen Gott und Mensch beendet hat, indem ER das wegnimmt, was dazwischen stand. Er, Gott, hat seinen Sohn Jesus Christus, in diese Sünde „dahingegeben“, IHN am Kreuz verbluten lassen. So hat ER für alle Schuld bezahlt. Die Sünde ist vergeben! Nun ist da Frieden. Das geschah auf Golgatha und Ostern. Das war Sinn und Zweck des Kommens Jesu; darum hat ER gelitten, ist gekreuzigt, gestorben, ist begraben worden und auferstanden am 3. Tag. Nun ist da Freundschaft; Gott steht zu den Menschen. Da ist wieder Einheit. Der Mensch steht wieder im rechten Verhältnis. Das Gewissen ist gereinigt. Wir sind frei vom Fluch des Gesetzes. Das Gericht Gottes ist wegen Christi Erlösung zur Ruhe gekommen.
Jetzt aber noch zusätzlich geschieht noch eine unfassbare Veränderung in dem Menschen. In der Einheit mit Christus wird auch unser Menschsein erneuert. Du und ich, wir, die wir mit Christus verbunden sind, bekommen einen neuen Geist, ein neues Denken. Wir betrachten nun die Welt mit völlig neuen Augen. Der Geist Gottes befähigt uns, die Umstände neu zu beurteilen.
Insbesondere nennt Paulus hier die Leiden, die über uns kommen / Beschwerden / Bedrängnisse / Strapazen / Stresssituationen. Früher, ohne Christus, dachten ich, Gott straft mich, Gott ist gegen mich, Gott verwehrt mir mein Glück, ER ist mein Feind. Nun aber mit Christus erkenne ich: Nein, hier im Leiden entdecke ich die Gegenwart meines Herrn. Hier, in den Bekümmernissen, bewährt sich mein Glaube an Christus. Es ist nicht Verlust des Lebens, sondern Gewinn.
Im Philipperbrief spricht Paulus: gerade dort, wo ich die Leiden Christi an meinen eigenen Köper erlebe, genau dort ereignet sich auch das Auferstehungsleben Christi. Und ich erkenne: wenn ich schwach bin, dann bin ich stark – denn ER ist stark in mir!
Wenn ich von mir aus selbst stark sein will, ja dann brauche ich auch keinen Herrn, der mir hilf, denn ich schaffe ja schon selbst, im Leben zurecht zu kommen. Dann rühme ich meiner eigenen Leistungen, dann bin ich mein eigener großer Held. Aber wenn ich schwach bin, und ich bin mit Christus verbunden, dann ereignen sich die Wunder Gottes, dann erkenne ich seine Auferstehungskraft in mir. Und das wird mein Ruhm und meine Ehre und mein Stolz: Christus in mir!
Mit diesem Anlauf verstehen wir nun, wie Paulus eine Reihe von Dingen nennt: Wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit, die Gott geben wird. 3 Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, 5 Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Das ist revolutionär, ein ganz neuer Blick auf die Welt und meine Umstände. Das ist die Liebe Gottes, die alles in einem anderen Licht rückt.
Nochmal: wie passt die Liebe Gottes zu meinem Leiden?
Paulus spricht hier nicht von irgendeinem Leiden. Wir dürfen und sollen allgemeine Leiden verhindern und lindern. Wenn ich Zahnschmerzen habe, darf ich zum Zahnarzt gehen. Oder wenn da ein komisches Gewächs ist, dann darf ich selbstverständlich operieren lassen – und erfahre auch auf diese Weise Gottes Hilfe. Aber manche Leiden gehen nicht weg. Und dann beginnt der innerliche Kampf. Warum nicht, lieber Gott? Was geschieht hier? Und Paulus denkt besonders an solche Leiden, die entstehen, weil ich Christ bin. Da erleidet Paulus Verwerfung – Menschen wollen ihn steinigen; er wird ins Gefängnis geworfen, unrechtmäßig beschuldigt; er leidet Hunger und Kälte und Einsamkeit, usw.
Und da schimpft Paulus nicht gegen die Regierung, gegen den Klimawandel, gegen die Umstände, usw. Er beschuldigt sich auch nicht selbst: ach hätte ich mal Dinge anders gemacht. Sondern Paulus sieht sich selbst in der Schule Gottes. Und Paulus sieht sich geborgen in der Liebe Gottes. Es geschieht nichts, wovon sein himmlischer Vater nicht was wüste. Dein Wille geschehe an mir! Und DEIN Wille, Herr, ist gut für mich. In einer solchen Haltung des Vertrauens erkennt Paulus die Liebe Gottes – auch trotz der schweren Umständen.
Ja mehr noch: wegen der schweren Umstände, wird er im Vertrauen weiter erzogen: In der Bedrängnis lerne ich Geduld, Ausdauer. Wie z.B. ein Marathon-Athlet. Sie sagen, wenn man für lange Abstände trainiert, dann erfährt ein Athlet irgendwann, wie man an einem Punkt kommt, einfach aufzuhören, total erschöpft, kann nicht mehr. Und dann weiter machen. Dann kommt auch das Erlebnis, dass man tatsächlich weiter machen kann; dann wird der Körper sozusagen umprogrammiert, dass die Muskeln tatsächlich etwas erreichen können, was vorher unmöglich schien. Ob das so ist? – fragen wir unsere langabstand Athleten unter uns.
Unser Herr nimmt einen jeden von uns in seine Schule. Jeder erfährt Leiden auf verschiedenster Art – und darüber muss ich nachdenken. Da muss ich fragen: Wie passt Christus hinein in diese meine Situation?
Nach der Geduld folgt die Bewährung. Und die Bewährung bewirkt eine Hoffnung. Wenn ich erlebt habe, wie Gott hilft in so manchen Umständen, dann werde ich mehr und mehr gewiss, dass wenn einmal die größte Bewährungsprobe kommt – und das wird die Sterbestunde sein – dass ich auch dann in voller Zuversicht gewiss sein darf: Nichts kann mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus für mich da ist! Er wird mich hindurchtragen zu seiner himmlischen Herrlichkeit.
So schreibt Paulus noch ein bisschen weiter: Wir rühmen uns auf Gott, der das hingekriegt hat. Nicht nur hat ER uns mit sich selbst versöhnt in Christus, sondern schenkt uns seinen Heiligen Geist. ER gibt mir das Wort der Wahrheit. Und Gott hält, was ER verspricht.
Wir Christen haben etwas, was die Welt nicht kennt. Wir haben Einsicht, in den wirklichen Schaden der Menschheit. Und wir haben Durchblick in die Lösung, die Gott gegeben hat in Christus Jesus. DAS glauben wir IHM, dass ER uns hält in seiner Liebe durch alle Höhen und Tiefen des Lebens. In aller Schwachheit und Angst und Not, die wir schon durchgemacht haben und noch durchmachen müssen, trägt uns seine Liebe – durch die Zeit hin zur Ewigkeit. Im sei Lob und Ehre und Anbetung. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre und halte unsere Gedanken und Gefühle in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.
Wochenspruch
Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns
gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Römer 5, 8
Introitus
Nr. 22 (Psalm 25, 6; Psalm 25, 1, 2a. 4)
Epistel
Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. [Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.]
Römer 5, 1 – 5 [6 – 11]
Hauptlied
Wenn wir in höchsten Nöten sein 342
Evangelium
Jesus fing an, zu den Hohenpriestern und Schriftgelehrten in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole. Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie. Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als Letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen?” Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.
Markus 12, 1 – 12
Reminiszere (Der Knecht Gottes)
liturgische Farbe: violett
Festzeit: Fastenzeit
Wochenspruch: Röm 5,8
Wochenpsalm: Ps 10
Eingangspsalm: Ps 34
Epistel: Röm 5,1-5 (6-11)
Evangelium: Mk 12,1-12
Predigttext: Mt 12,38-42
Wochenlied: 366
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mk 12,1-12
II: Röm 5,1-5 (6-11)
III: Mt 12,38-42
IV: Jes 5,1-7
V: Joh 8,(21-26a) 26b-30
VI: Hebr 11,8-10
