Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Amen.
Liebe Gemeinde, wir wissen, manche Dinge gehören einfach zusammen, um eine Einheit zu formen wie z.B. Feuer und Hitze, Leib und Seele (Leben), Licht und Schatten, Berg und Tal, Haus und Hof, mit Rat und Tat. und für heute: Glaube und Werke. Da wir heute keinen Lehrgottesdienst haben, ist dieses unsere Lehrpredigt heute. Wir lesen eine Brief dem Leiter der Gemeinde zu Jerusalem, Jakobus, wie er sich vorstellt: ein Knecht Gottes und ein Knecht des Herrn Jesus Christus. Er schreibt an Judenchristen in der Zerstreuung, also an Gemeindeglieder, die von Jerusalem in aller Welt weggezogen waren. Und er beginnt sofort nach dem Gruß mit der Sache des Glaubens:
Jak 1:2 Meine Brüder und Schwestern, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, weil ihr ja wisset, dass die Bewährungsproben eures Glaubens Geduld wirkt. Die Geduld aber soll bringt dieses vollkommene Werk des Glaubens zu ihrem Ziel – nämlich, damit ihr vollkommen und ganzheitlich seid und es euch an nichts mehr fehlt.
Und dann spricht er vom rechten Hören – ein Vers, den ihr hoffentlich alle kennt: 22 Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein, sonst würdet ihr euch selbst betrügen. Und ein bisschen weiter nun dieser Paragraph, Jakobus 2:14-26
14Was hilft’s, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen?
15Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung 16und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat – was hilft ihnen das? 17So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber.
18Aber es könnte jemand sagen: Du hast Glauben, und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken. 19Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben’s auch und zittern. 20Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?
21Ist nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerecht geworden, als er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte? 22Da siehst du, dass der Glaube zusammengewirkt hat mit seinen Werken, und durch die Werke ist der Glaube vollkommen geworden. 23So ist die Schrift erfüllt, die da spricht 1. Mose 15,6: »Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden«, und er wurde »ein Freund Gottes« genannt Jes 41,8. 24So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.
25Desgleichen die Hure Rahab: Ist sie nicht durch Werke gerecht geworden, als sie die Boten aufnahm und sie auf einem andern Weg hinausließ? 26Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
Gebet: Herr, segne auch dieses Wort an unser Herz, und lass dein Wort gute Früchte des Glaubens bewirken. Amen.
Liebe Gemeinde,
nächste Woche feiern wir Reformationsfest zusammen mit der Gemeinde Panbult. Und so hilft es schon mal, sich wieder die vier Säulen der Reformationszeit in Erinnerung zu rufen. Diese sind: Die Schrift allein (sola skriptura), der Glaube allein (sola fide), die Gnade allein (sola gracia), und solus Christus (Christus allein).
(Von der reformierten, calvinistischen Bewegung kam noch ein fünftes hinzu: soli Deo gloria, Gott allein die Ehre, aber das hatte Calvin zu seinem Lebensmotto gemacht, während Luther das Kreuz ins Zentrum seiner Theologie stellte).
Gemeindeglieder an die Jakobus schreibt würden einigen dieser Punkte sicherlich sofort zustimmen: Jawohl, der Glaube allein, und allein aus Gnaden sind wir gerettet. Komm wir reduzieren das nur auf einen Aspekt: der Glaube allein – das reicht. Und da würde Jakobus bemerken: da mangelt es noch an Einsicht, denn das alles ist ein Paket, ein Kuchen. Du kannst nicht meinen, nur eine Zutat reicht, um einen seligmachenden Glauben zu haben.
Und auch bei uns fehlt oft die Einsicht, was ist denn Glaube? Wie gesagt: als gute Lutheraner halten wir uns an Paulus mit mehreren Versen wie: Eph 2:8 Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. Oder Titus 3: Gott macht uns selig … nicht wegen irgendwelcher Werke, die wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit.
Also, keine Werke bringen uns in den Himmel, nicht wahr? Wie kommt Jakobus denn dazu, nun zu schreiben: 24So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.
Diesen Vers aus dem Jakobusbrief hatte und hat noch immer die Röm-Kath. Kirche zentral in ihrer Heilslehre. Da steht es ja geschrieben: Es müssen die Werke des Menschen zusammenwirken mit der Gnade, die Gott schenkt, um einen vollkommenen Glauben dazustellen. Die Röm-Kath. Tradition hat sofort die Lutheraner beschuldigt, sie legen keinen Wert auf die guten Werke des Gläubigen. Im Gegenteil, sagten die Lutheraner, wir werten die guten Werke noch mehr auf als ihr.
Und seht, liebe Gemeinde, da muss man schon etwas genauer hinschauen. Wir wollen ja im Gespräch bleiben mit unseren christlichen Brüdern und Schwestern.
Zunächst beachtet: Jakobus schreibt an Judenchristen, die das Gesetz schon kennen. Wenn sie nun lernen, dass wir allein aus Gnaden selig werden, und nicht aus des Gesetzes Werke, dann passierte es, dass einige meinten: Ok, wir brauchen gar keine Werke; vergesst sie; wenn ich nur an Gott glaube, dann reicht das.
Gegenüber solchen schreibt Jakobus: nein, der richtige Glaube bringt gute Werke hervor. Denn der Glaube ist die Einheit mit Christus. Bitte vergesst nicht, was Christus getan hat. Und wenn Christus in mir lebt, dann ist Christus auch in mir. Und Christus ist keine nette Idee, nur eine Theorie, sondern Christus ging hin und diente den Menschen. So auch ihr: geht hin und lasst den Glauben in der Liebe tätig werden.
Paulus schreibt an Heidenchristen, wo einige Juden in der Gemeinde noch die Bedingung stellten: Doch, wir müssen noch z.B. die Beschneidung durchführen. So hatte Gott das im AT geboten, und das müssen wir tun – sonst können wir nicht selig werden.
Gegenüber solchen schreibt Paulus: nein, aus Gnaden allein hat uns Gott selig gemacht, weil Christus schon für uns das ganze Gesetz erfüllt hat. Da brauchen wir von uns nichts mehr hinzuzufügen. Kein Werk unsererseits macht uns selig vor Gott sondern allein aus Gnade.
So halten auch wir Lutheraner fest gegenüber der Röm-Kath. Kirche, dass unsere menschlichen Werke keinen Beitrag liefern zur unserer Seligkeit.
Aber – und nun kommt der springende Punkt – der Glaube, den Christus schenkt, macht uns nicht nur selig, sondern aktiviert uns auch in der Kraft des Heiligen Geistes, das Werk Gottes zu tun. Weil wir selig sind, darum tun wir auch gute Werke. Nicht: damit wir selig werden, tun wir gute Werke. Jakobus setzt voraus: Unsere Seligkeit ist garantiert in Christus. Du bist schon Teil der Auserwählten – darum gilt der Aufruf: nun lebe deinen Glauben auch praktisch! Gebe dir Mühe, um zu überlegen, auf welche Weise du den Nächsten dienen kann, so wie Christus in mir den Nächsten dienen würde.
Jakobus sagt wiederholt: Ein Glaube ohne gute Werke ist tot, ist nutzlos, bringt nichts.
Jeder Mensch glaubt ja etwas. Und was du glaubst, wirst du auch tun – das ist immer so. Aber den Glauben selbst, kann man ja nicht sehen. Da sagt Jesus auch: An den Früchten werdet ihr erkennen, was ist das für ein Baum.
Die Frucht, die ein weltlicher Mensch hervorbringt, schreibt Paulus im Galaterbrief, sind: Streitsucht und andere Süchte, Machtspiele, Stehlen, Lügen, Hass, sich selbst Götter machen, Feindschaft, usw.
Die Frucht, die ein vom-Geist-Gottes-getriebener Mensch hervorbringt, sind: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Selbstdisziplin, Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Dienstbarkeit, usw.
Also, wenn ich diese guten Taten sehe … bin ich dann ein Christ? Diese Frage war in der Zeit der Reformation ebenfalls ein kritischer Punkt. Da gab es nicht nur die Röm-Kath. Kirche, sondern auch die calvinistische Bewegung. Diese haben geantwortet auf die Frage: woher weiß ich gewiss, dass ich ein auserwählter Christ bin? Antwort: das siehst du an deinen Werken. Wenn du die Frucht des Glaubens hervorbringst, dann weißt du: aha, ich tue ja gute Werke – also bin ich ein guter Christ.
Und diese Beschreibung des Glaube, sagen wir Lutheraner, liegt schief. Nein, ich kann nicht von meinen Werken ableiten, ob ich selig werde. Denn „gute Werke“ tun auch Ungläubige und Heiden. Sie sehen zwar äußerlich „gut“ aus, aber kommen nicht aus dem Glauben an Christus. Ja, kein Werk von mir als sündiger Mensch kann „gut“ genannt werden, wo nicht Christus die Triebkraft ist.
Da verfallen wir wieder in Werkgerechtigkeit und müssen betonen: Allein aus Gnaden, allein weil Christus mir seine Gerechtigkeit schenkt, darum bin ich gewiss und fröhlich. Da lass es mit deinen Werken sein, wie sie sind. Gott wird sie beurteilen. Wichtig ist das Werk Christi für mich. Und wenn ich Christus in mir habe, so habe ich auch seine Werke in mir – und DIE tue ich automatisch im Glauben, in der Einheit und im vollen Vertrauen auf Christus.
Ein guter Baum wird gute Früchte hervorbringen. Da konzentriere ich nicht auf die Früchte, sondern auf meine Verbundenheit mit Christus. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird das alles zufallen, wird euch gegeben werden.
Zu beiden Seiten kann man einseitig sein: Man kann nur den Glauben betonen, oder nur die Werke. Aber sie gehören zusammen, wie Feuer und Hitze. Eine Flamme wird auch Hitze erzeugen – so ist das, oder es ist kein Feuer. Es ist vielleicht nur ein Bild von einer Flamme, ohne nutzen. Jakobus sagt: ein Glaube ohne Werke ist tot.
Und umgekehrt: es gibt keine wirklich guten Werke ohne den rechten Glauben. Gegenüber der Röm-Kath. Kirche sagen wir: Nein, die guten Werke gehen uns nicht voraus, öffnen uns nicht den Himmel – das tut nur Christus aus Gnade und Barmherzigkeit. Aber die guten Werke folgen uns nach. Es sind die Werke Christi, die durch die Liebe tätig werden.
Möge unser Herr uns Gnade und Freude schenken. Möge Christus uns erfüllen mit seiner Liebe und seinem Geist, damit wir fähig werden, anderen zu dienen, wie ER uns gedient hat.
Und möge der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, unsere Gedanken und Herzen bewahren in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.
Wochenspruch
Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
1. Johannes 4, 21
Introitus – Nr. 59 (Psalm 106, 3; Psalm 1, 1)
Epistel
Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem heiligen Geist. Wer darin Christus dient, der ist Gott wohlgefällig und bei den Menschen geachtet. Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.
Römer 14, 17 – 19
Hauptlied
Herzlich lieb hab ich dich, o Herr 301 In Gottes Namen fang ich an 454
Evangelium
Es trat zu Jesus einer von den Schriftgelehrten, der ihm zugehört hatte, und fragte ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften.” Das andre ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.” Es ist kein anderes Gebot größer als diese. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.
Markus 12, 28 – 34
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: 1. Joh 4,21
Wochenpsalm: Ps 1
Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113
Epistel: Röm 14,17-19
Evangelium: Mk 12,28-34
Predigttext: Mk 10,17-27
Wochenlied: 397 und 494
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mk 12,28-34
II: Mk 12,28-34
III: Mk 10,17-27
IV: Jak 2,1-13
V: 2. Mose 20,1-17
VI: Eph 5,15-21
