Diese Predigt beleuchtet Prediger 7:15–18, wo der alttestamentliche „Weisheitslehrer“ erkennt, dass alle irdischen Bestrebungen letztlich in Vergänglichkeit enden. Er warnt vor Extremen – weder zu „gerecht“ noch zu „gottlos“ zu sein – und stellt fest, dass menschliche Bemühungen allein nicht genügen, um dauerhafte Erfüllung zu finden. Als Christen Lutherischer Prägung lernen wir aus dem Neuen Testament, dass nur in Christus ein letztgültiger Sinn besteht. Die Bergpredigt, das Kreuz von Golgatha und Christi Himmelfahrt eröffnen uns eine neue Perspektive: Gott selbst bietet wahre Weisheit und ewiges Heil, jenseits von allem, was „unter der Sonne“ vergeht.
15Dies alles habe ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens: Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit. 16Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest. 17Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor deiner Zeit. 18Es ist gut, wenn du dich an das eine hältst und auch jenes nicht aus der Hand lässt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.
Prediger 7 v 15-18
Luther 2017
Liebe Gemeinde,
ich war schon um Jahre 2010 fasziniert von der Bibelübersetzung in Afrikaans, wie man bei der Bibelgesellschaft in Kempton Park Computer zur Hilfe einsetzte, um den Gebrauch von bestimmten Wörtern herauszufinden. Da wurden sämtliche Zeitungen und Bücher durchsucht und untersucht, wie einzelne Wörter verwendet wurden, um dann auch die passenden Ausdrücke in die Bibelübersetzung hineinzuarbeiten, die ungefähr genau den Effekt haben sollten, wie in der ursprünglichen Griechischen oder Hebräischen Sprache. Ich habe nur gestaunt, wie haben die Zugang zu allen Zeitungen und Publikationen?
Heutzutage haben wir ChatGTP oder Meta auf dem Handy, Google oder DeepSeek aus China. Bald soll das sogenannte „TruthGTP“ Programm bekannt gegeben werden. Diese Programme sollen das ganze Internett, alle digitalen Bibliotheken, alles was es gibt, durchsuchen können (soweit der Zugang erlaubt ist), um dir alle Fragen unter der Sonne beantworten zu können. Da erklärt mir jemand vor zwei Jahren, ein Ingenieur und Architekt, der mit der Entwicklung von Flughäfen zu tun hatte, dass innerhalb von wenigen Minuten, eine Unmenge von Daten verarbeitet werden, woran die Ingenieure 3 Monate lang gerungen haben. Es ist klar: wir bewegen in das Zeitalter der KI = Künstliche Intelligenz.
Können diese Supercomputer dir auch die schwierigsten Fragen des Lebens beantworten? Nur sehr begrenzt, denn jeder Mensch wird seine eigenen Erlebnisse haben; jedem einzelnen Menschen wird die Suche nach Beständigkeit in die Wiege gelegt
Das Buch Prediger erhebt den Anspruch, alles unter der Sonne untersucht zu haben, um die Frage zu beantworten: Wie bekomme ich ein erfolgreiches, gutes Leben? Der Autor nennt sich König von Jerusalem, Sohn des berühmten König David – also wohl Salomo, der weiseste und reichste und bekannteste Mensch seiner Zeit. Und nachdem er alle menschlichen Erfahrungen durchprobiert hat, alle Weisheiten aller Menschen untersuchte, tief und lange drüber nachgedacht hatte, beginnt er sein Buch mit dem Resultat seiner Untersuchung: Es ist alles eitel und ein Haschen nach Wind. Es ist alles sinnlos, endet im Nichts.
Das kling zunächst zwar pessimistisch, ist jedoch realistisch. Er kommt nicht zu dem Ergebnis: weil alles sinnlos ist, mache ich mal gleich Schluss mit meinem Leben. Sondern das ist zunächst eine Feststellung: Da liegt kein wirklicher, bleibender Sinn in irgendetwas unter der Sonne. Am Ende steht für alle Menschen die Realität des Todes. Wir müssen alle sterben. Oder, wie ich letztes Mal das italienische Sprichwort nannte: Nachdem wir so schön Schach gespielt haben, kommen alle Figuren wieder in die Box. Alle werden in die Leichenkiste kommen: da liegen Könige wie Bauern nebeneinander, Schwarz und Weiß, Damen wie Ritter und Pferd. Ja, wie das Vieh sterben wir alle. Und was wird dann aus DEM, was du dir erwirtschaftet hast? Was soll das Leben, wenn doch alles vergänglich ist?
Von dem Blickwinkel des Ende, vom Tode her nun, beurteilt er dennoch dieses kurze, begrenzte, irdische Leben: Es ist gut, wenn wir hier-und-da doch auch Genuss erleben. Feier die Feste, wie sie fallen. Die Eheleute sollen ihren Scherze haben; die Kinder sollen spielen und die jungen Leute ihren Spaß haben. Denn die Lebenstage sind schnell dahin. Prediger ist dem Leben durchaus positiv zugewandt. Doch, für dieses „eitle“, kurze Leben gibt es viele Lebensrichtlinien: Es ist besser dies zu tun als jenes …
Und zwischendrin verwebt der Prediger noch ein durchgehendes Motiv: … und bleibe gottesfürchtig. Diese Ehrfurcht vor Gott verhindert, dass du in Ausschweifungen und extremen Genuss verfällst, denn Gott wird dein Leben beurteilen.
Hier, in unserem kurzem Abschnitt, den wir gelesen haben, wird ausdrücklich ermahnt, nicht in zwei extremen Richtungen zu gehen. Bitte höre auf diese Weisheit. Diese Einsicht sagt dir, wie dir das Leben gelingen kann. Prediger sagt einerseits: sei nicht zu fromm / gerecht. Und anderseits: sei nicht böse. Und viele von uns kratzen sich am Kopf, was damit wohl gemeint sei.
Ok, das mit dem „böse sein“ verstehen wir – wer Böses tut, wird Böses ernten. Ein Krimineller muss ständig in Angst leben. Und die Chance, dass ein „Frevler“ bald begraben wird, ist ziemlich hoch. Also, lass das mit dem Bösen.
Aber was meint: sei nicht zu fromm? Das widerspricht doch eigentlich genau, was wir sonst in der Schrift lesen: Gott ist heilig, und wir sollen auch heilig sein. Oder wie in Psalm 1: Wohl dem Gerechten, der Tag und Nacht über Gottes Gebote nachsinnt, und Gottes Ordnungen untersucht – der wird wie ein Baum sein, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und was er tut, gerät wohl und seine Blätter verwelken nicht. Immer wieder ruft Gott doch auf: sei heilig, gerecht und gut! Und nun ruft Prediger auf: sei nicht zu gerecht, sonst machst du dich selbst kaputt – wie ist das gemeint?
Hier stoßen wir auf eine ungeschriebene geistliche Gesetzmäßigkeit, wie Jesus (und Paulus in seinen Briefen) wiederholt hervorgehoben hat. Es gab zur Zeit Jesu ein Gruppe von Menschen, die wollten wirklich gut, gerecht und heilig leben. Sie nannten sich die Pharisäer, die wirklich Superfrommen. Sie achteten millimetergenau auf Gottes Gebote, jedenfalls auf einige. Sie gaben sich schrecklich große Mühe, ihren Zehnten in die Kollekte zu geben, genau die richtigen Speisen zu essen, ihre Gebetsstunden einzuhalten und alles Böse zu vermeiden. Aus den 10 Geboten wurden 613 Gebote und dazu noch tausende andere kleine und größere Verordnungen. Sie dachten, sie wären jetzt wirklich gut dran bei Gott. Für síé hätte Gott doch einen ganz besonderen Segen bereit.
Und dann kommt Jesus und sagt ihnen: Ihr getünchten Gräber, ihr Heuchler, dieses Gebot haltet ihr und jenes, aber wo ist Barmherzigkeit und Liebe? Eure Gerechtigkeit ist ein selbstgebasteltes Sandhaus, dass niemals in Gottes Gericht bestehen kann. Ihr liebt nur euch selbst und verachtet Gottes Gnade. Ihr seid auf den direkten Weg in die Hölle!
Wir erschrecken. Wie kommt es zu solch einem Fehlgriff? Nun, es ist den Pharisäern klar: niemand kann immer alle Gebote Gottes halten; aber wir halten wenigsten einige Gebote – das müsste doch reichen, oder? Ja, ich möchte hier mal diese ungeschriebene geistliche Gesetzmäßigkeit hinzufügen und wie folgt formulieren: Wenn du zielstrebig, konsequent, mit allem Ernst gut sein willst, musst du böse werden. Nochmal: Wer nur gut sein will, erreicht das Gegenteil.
Das hat mit unserer sündlichen Natur als Menschen zu tun. Ich nenne mal ein Beispiel: Ich will nur gute, gesunde Speise essen. So, jetzt muss ich nicht nur aussuchen, was ich denke, gut ist, sondern ich muss auch gleichzeitig beurteilen, was schlecht ist. Nicht nur wird mein Körper hypersensitiv werden für Krankheiten, sondern ich fange auch an, die Menschen zu verachten, die das nicht tun. Ich kann in kein Restaurant gehen, weil sie nicht mein Menu folgen; keinen Besuch machen, weil alle anderen es nicht so machen wie ich. Alle Perfektionisten leiden darunter, dass andere Menschen es nicht sò machen, wie sie es sich vorstellen.
Das Gebot Gottes sagt: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst! Wenn ich nun konsequent und mit allem Ernst diesem Gebot nachfolge, dann muss ich nicht nur eine ellenlange Liste aufstellen, was DAS meint, meinen Nächsten zu lieben, sondern ich werde niemals fertig sein. Ich kann zwar 10 Menschen versuchen, zu lieben, zu helfen, aber da warten 1000 auf mich. Ich gehe an allen Anforderungen zu Grunde – und genau davon spricht Prediger.
Die Pharisäer haben es sich leicht gemacht: sie haben eine ganz kurze Liste aufgestellt, wer denn nun mein Nächster sei; und sie haben alle anderen Menschen entweder ignoriert oder zu Feinden erklärt. In dieser Hinsicht sagt Jesus: Ihr Heuchler, ihr verdreht und ändert Gottes Gesetze wie es euch passt.
Paulus bleibt ehrlich. In seinem Brief an die Römer, Kapitel 7, erkennt Paulus, was in ihm selbst vorgeht: Das Gute, das ich tun will, DAS tue ich nicht, sondern ich tue das Böse. Immer wieder erkenne ich diesen Widerspruch in mir: ich will das Gute, aber ich lande am Ende im Böse. Paulus ruft aus: Ich elendiger Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem totverfallenen Leib?
Genau zu dieser Erkenntnis ist schon Prediger gekommen: Es ist alles eitel, nutzlos, ein Haschen nach Wind. Soll ich deswegen einfach aufgeben, ein guter Mensch sein zu wollen? Bloß nicht!, warnt er. Die Weisheit hilft dir, einigermaßen sicher durchs Leben zu kommen. Aber die Weisheit kann dir niemals eine Garantie geben, dass du immer ein erfolgreiches, glückliches Leben haben wirst. Gott macht das mal so, mal anders. Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit.
Warum ist das so? Jetzt hätten wir eine Plauderpause nötig, damit wir uns mal gegenseitig austauschen könnten. Ich möchte drei kurze Antworten anbieten.
(1) Erstens gibt Prediger zu: Ich durchschau das alles nicht. Gott sitzt im Regiment und hat die Weltgeschichte in seiner Hand. Wir könnten auch hinzufügen: alle KI, alle Künstliche Intelligenz wird niemals Gottes große und weite Wirklichkeit durchschauen können. In aller seinem höchsten Stand der Erkenntnis darf auch mal ein Prediger zugeben: Ich weiß es nicht; nur Gott weiß alle Dinge.
(2) Zweitens können wir aus anderen alttestamentlichen Texten hinzufügen: Noch gibt Gott Gnadenzeit. Eigentlich fallen wir alle in die Kategorie des „Bösen“, denn niemand hält alle Gebote Gottes. Schon mit der ersten Übertretung Adam und Evas im Paradies müsste Gott Schluss gemacht haben, aber Gott ist geduldig, barmherzig und von großer Güte und Treue. ER gönnt uns Menschen noch eine Lebensfrist.
(3) Aber die dritte Antwort ist die wichtigste. Prediger kann nur feststellen, was es „unter der Sonne“ gibt. Alle menschlichen Leistungen enden im Tod, im Nichts, sind eitel. Das lässt uns als Leser sehr ungemütlich allein. Und diese Feststellung unterstreicht, dass wir unbedingt MEHR brauchen als unsere menschlichen Leistungen.
Da bringt uns das Neue Testament eine Hoffnung und ein Leben, das alle menschliche Vernunft übersteigt. Das Neue Testament nennt uns drei Hügel, die uns da heraushebt.
(a) Der erste Hügel ist am Meer Genezareth, als Jesus die Menschenmenge um sich sammelt und seine Predigt beginnt – nicht mit es ist alles eitel und sinnlos, sondern mit den gewaltigen Worten: Selig sind die geistlich Armen, die nichts vor Gott vorzuweisen haben, denn ihnen gehört das Reich Gottes. DIE Menschen sind gut dran bei Gott, die Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. IHR, die ihr hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, ihr sollt satt werden. (Matt 5-7) Das ist eine völlig neue Weisheit, die in die Welt verkündigt wird.
(b) Der zweite Hügel ist Golgatha – da werden die Werke Gottes allen Menschen offenbar. So geht Gott mit der Sünde um. Er vertuscht nicht, sondern Gott macht ernst mit seinem Gesetz. Da hat Jesus Christus das Gesetz in seiner letzten Konsequenz durchgehalten und ausgehalten. Und starb für dich und mich. Und als ER am dritten Tage auferstand von den Toten, sollte es für alle klar sein: In IHM, in Jesus Christus werden die tiefsten Lebensfragen beantwortet: ER ist die Auferstehung und das Leben. Das ist Gottes Werk für dich, für mich! So soll unser Streben nach dem Guten seine Erfüllung finden – in dem Guten, das ist ER selbst. ER ist die Auferstehung und das Leben.
(c) Und der dritte Hügel ist Jesu Himmelfahrt – da werden uns noch einmal die Horizonte geöffnet. Nicht mehr schauen wir nach DEM, was „unter der Sonne“ geschieht, sondern auch was „im Himmel“ geschieht. Nein, das irdische, vergängliche Leben endet nicht mit dem Tod, sondern uns werden die Tore zu Gottes neuen Wirklichkeit geöffnet. Ja, es ist richtig, was Prediger sagt: wir haben hier keine bleibende Stadt; in dieser Welt ist alles vergänglich. Aber wahr ist: wir haben eine Zukunft, die ist unvergänglich, ewig, bleibend.
Und Jesus Christus hat es versprochen: Da, wo ICH bin, da sollen auch die hinkommen, die zu mir gehören. Wer an Christus glaubt, dem gehört jetzt schon der Himmel. Das ist unsere christliche Hoffnung!
Als Paulus das erkannt hat: Christus für mich! Da konnte er nicht mehr stille sitzen in seinem Palast zu Jerusalem (wie der Autor von dem Buch Prediger), sondern geht los in aller Welt. Alle, die „unter der Sonne“ sind, müssen es hören: Jesus Christus ist uns zur Weisheit gemacht und zur Gerechtigkeit.
Und dann macht Paulus diese Unterscheidung: Ja, es gibt viele Weisheiten in dieser Welt. Aber im Gegensatz zu der Erkenntnis in Christus, verblassen alle anderen Erkenntnisse; sie müssen weichen wie die Sternenpunkte, wenn die Sonne aufgeht. Mehr noch, Paulus kontrastiert die Weisheit dieser Welt mit der Weisheit Gottes. Die Welt will ja so oft nur bei ihrer eigenen Weisheit bleiben; sie verachten die Weisheit Gottes in Christus Jesus.
Beichte
1.Kor 3:18-20 Niemand betrüge sich selbst. Denn dieser Welt Weisheit ist Torheit bei Gott. Denn es steht geschrieben: „Er fängt die Weisen in ihrer List.” Und abermals: “Der HERR kennt der Weisen Gedanken, dass sie eitel sind.”
Da finden wir wieder das Wort, mit dem das Buch Prediger seine Weisheitssprüche beginnt: es ist alles eitel, leer, sinnlos. Im starken Kontrast dazu schreibt Paulus in Kolosser 1:9 Wir bitten Gott, dass er euch erkennen lässt, was sein Wille ist, und dass er euch mit Weisheit und geistlichem Verständnis erfüllt. Denn ihr sollt den Herrn mit eurem Leben ehren und ihn erfreuen mit allem, was ihr tut. Euer Leben wird dann als Frucht alle Art von guten Werken hervorbringen, und ihr werdet Gott immer besser verstehen.
Kol 2:2 Denn ich möchte, dass die Gemeinde ermutigt werden und in Liebe zusammenhalten, um die tiefe und reiche Gewissheit zu erhalten, die mit der Erkenntnis von Christus zusammenhängt. Denn ER ist das Geheimnis Gottes, 3 und in IHM, in Christus sind verborgen alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis.
Liebe Gemeinde, wir haben MEHR als Prediger im Alten Testament. Prediger beschreibt uns den Weg „unter der Sonne“; in dieser Welt gibt es viele Wege und so manche nette, nützliche Weisheiten. Aber der Weg „unter dem Himmel“ ist der Weg in Christus, der uns sein erfülltes, sinnvolles Leben schenkt. ER ist DER Weg, die Wahrheit und das Leben!
Einen letzten Satz: Von diesem Standpunkt aus können wir auch die Jahreslosung 2025 einbringen: Prüfet alles, und das Gute behaltet! Ihr seid fähig, die Dinge dieser Welt zu beurteilen. Ihr seid gerufen, diese Weisheit in Christus in die Welt zu tragen. Überwindet das Böse mit Guten, denn ihr seid ja gewiss: euch gehört jetzt schon der Himmel. Amen.
Römer 11:33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind sein Gerichte und unerforschlich seine Wege! 34 Denn wer hat des HERRN Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? 35 Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass ihm werde wiedervergolten? 36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
15Beides habe ich beobachtet in meinem Leben, das rasch vorüberzieht: Da ist ein gerechter Mensch. Der kommt ums Leben, obwohl er die Gebote befolgte. Und da ist ein ungerechter Mensch. Der hat ein langes Leben, obwohl er Böses tat.
16Darum rate ich dir: Sei nicht übertrieben gerecht und bemühe dich nicht, überaus klug zu sein! Warum willst du dich selbst zerstören? 17Handle aber auch nicht allzu gottlos, und tu nicht so, als wärst du dumm! Warum willst du vor deiner Zeit sterben? 18Man sagt: »Gut ist es, wenn du das eine anpackst und auch von dem anderen deine Hand nicht lässt.« Denn wer Gott ernst nimmt, dem gelingt beides.
(BasisBibel 2020)
In der Lutherübersetzung liest der letzte Satz: Wer Gott fürchtet, dem gelingt das Leben. Und wiederholt betont das Alte Testament: Die Ehrfurcht vor Gott ist der Anfang der Weisheit! Und wir hatten vor einer Woche die Stillung des Sturms – ihr behaltet: als die Jünger auf dem Boot mitten in einen Mega-Sturm gerieten und sie vor Todesangst zu Jesus um Hilfe schrien, da stand Jesus auf, bedrohte den Wind und die Wellen, und es entstand eine Mega-Ruhe. Und die Jünger waren hin und weg, und es überfiel sie eine Mega-Furcht. Eine Ehrfurcht: Wer ist dieser, dass IHM auch Wind und Wellen gehorchen? Antwort: Es ist der Sohn Gottes selbst, Mensch geworden, der Schöpfer des Himmels und der Erden – hier in unserem Boot!
Nun hatte Jesus seine Jünger da, wo schon das Alte Testament es sagt: Die Ehrfurcht ist der Anfang aller Weisheit. Aber es ist nur der Anfang; jetzt geht es weiter. Noch mussten die Jünger viel lernen und erfahren. Und Weisheit ist ja, um die Erlebnisse recht beurteilen und einordnen zu können. Dummheit ist, wenn man nicht über Erlebnisse nachdenkt und wiederholt die gleichen Fehler macht. Und die Bibel nennt jemand, der bewusst das Böse tut, einen Frevler, ein Tor, ein Feind Gottes.
Die Weisheit der Bibel hat zum Ziel, dass Menschen das Leben gelingt – darauf werde ich in der Predigt nochmal eingehen. Hier möchte ich hervorheben, was das Buch Prediger ebenfalls wiederholt betont: wer Gott fürchtet – oder wie in der BasisBibel übersetzt: wer Gott ernst nimmt, dem gelingt es. Was gelingt? Antwort: dem gelingt es, die rechte Unterscheidung zu machen, was gut und was böse ist.
Wie nehmen wir denn Gott ernst? Wie bekommen wir die Ehrfurcht? Zwei kurze Antworten heute.
(1) Erstens: durch die Erlebnisse – wie bei den Jüngern. Oder wie das Buch Prediger uns beschreibt: da hat Prediger alles in der Welt durchprobiert – alle Lust und Freuden in dieser Welt hat er mal erlebt; allen Reichtum hat er gekostet; weltberühmte Gebäude errichtet; alle Macht und Ehre erlebt. Und am Ende musste er feststellen: es ist alles vergänglich, eitel, leer. Prediger stellt fest: Ich habe nur sehr begrenzte Kontrolle im Leben. Es geschehen immer wieder unerklärliche Dinge, und ich kann nichts daran tun.
Dieses Erlebnisse wecken bei ihm Ehrfurcht vor Gott, dem Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Dieser Schrecken treibt ihn zu Gott. Das ist so gedacht.
(2) Wie bekommen wir Ehrfurcht? Zweitens: durch Gottes Wort. Er sagt und befiehlt: dies sind meine Gebote. Ich bin heilig, und ihr Menschen sollt auch heilig sein. Die Natur spricht nicht, aber Gottes Wort spricht klare Worte. Erlebnisse können uns auf die Suche bringen, aber Gottes Ordnung gibt uns den Rahmen, in dem wir Gottes Handeln einigermaßen verstehen können.
(a) Da sagt uns Gottes Wort: Gottes Gericht geht über diese Welt – darum Krieg und Katastrophen; darum Not und Elend. Gott straft das Böse und hält die Welt in seinen Ordnungen. Das verursacht einen Schrecken, eine Ehrfurcht
(b) Aber das Wort Gottes kommt noch auf anderer Weise zu uns. Nochmal die Frage: Wie bekommen wir Ehrfurcht? Antwort: Durch die Gnade! Wenn Menschen die Gnade Gottes erkennen, dann verursacht das eine tiefe Ehrfurcht vor dem Allmächtigen. Gott hätte die Welt vernichten können, aber noch ist ER gnädig und barmherzig. Gott hätte mich Sünder vernichten können in die Hölle, aber ER lässt sein Angesicht leuchten über mir und ist mir gnädig. Er hätte mich in meinem Elend verhungern lassen können, aber ER reicht mir Brot und Wein und sagt mir: das ist mein Auferstehungsleben – für dich.
Die Erkenntnis der Güte Gottes in Jesus Christus für mich weckt in mir tiefe Ehrfurcht. So ist es gedacht. Sodass wir verstehen, was Martin Luther mit jeweils seinen Auslegungen zu den Geboten meint – wie z.B. das Dritte Gebot, das wir heute im Lehrgottesdienst durchnehmen werden:
Du sollst den Feiertag heiligen. Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern gerne hören und lernen. Je mehr wir aus der Quelle des Lebens schöpfen, je mehr werden wir erfüllt mit Liebe und Ehrfurcht.
Heute wird uns wieder sein gutes Wort zugesprochen: Dir sind deine Sünden vergeben! Das weckt in uns eine göttliche Ehrfurcht, die der Anfang ist aller weiteren Weisheiten. Ich bin begnadigt worden – darum darf ich fröhlich aufstehen und mutig in die Welt gehen, denn Gott ist für mich! – wer kann gegen mich sein?
Gebe Gott uns dazu seine Gnade. Amen.
Septuagesimä (Lohn und Gnade)
Wochenspruch
Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.
Daniel 9, 18
Introitus – Nr. 18 (Stücke zu Daniel 3, 2a. 3a; Psalm 18, 2 – 3)
Epistel
Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun, damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.
1. Korinther 9, 24 – 27
Evangelium
Jesus sprach: Das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem letzten dasselbe geben wie dir. Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.
Matthäus 20, 1 – 16a
Septuagesimä – Liturgische Farbe: grün
Festzeit: Vorfastenzeit
Wochenspruch: Dan 9,18
Wochenpsalm: Ps 31b
Eingangspsalm: Ps 31
Epistel: 1. Kor 9,24-27
Evangelium: Mt 20,1-16a
Predigttext: Lk 17,7-10
Wochenlied: 342 und 409
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 20,1-16a
II: 1. Kor 9,24-27
III: Lk 17,7-10
IV: Jer 9,22-23
V: Mt 9,9-13
VI: Röm 9,14-24
