Predigt | Göttliche Kraft erfahren: Wie erfüllt Christus unser Herz? Exaudi 2025

Im Epheserbrief 3:14–21 offenbart Paulus ein leidenschaftliches Gebet für die Gemeinde: Er bittet Gott, dass Christus im Herzen der Gläubigen wohne, sie innerlich gestärkt werden und in der Liebe verwurzelt bleiben. Diese Liebe übersteigt alles Wissen und führt zur göttlichen Fülle. Die Gemeinde ist als Leib Christi berufen, Gottes Kraft sichtbar zu machen – nicht durch Macht, sondern durch Dienst und Hingabe. Als Christen vertrauen wir darauf, dass Christus in uns lebt und durch uns wirkt.

Liebe Gemeinde,

hier können wir wie mit Martin Luthers Vorrede zu den Psalmen sagen: „Wo findet man feiner Worte von Freuden, denn die Lobpsalmen oder Dankpsalmen haben? Da siehst du allen Heiligen ins Herze, wie in schöne lustige Gärten, ja wie in den Himmel selbst, wie feine, herzliche, lustige Blumen drinnen aufgehen von allerlei schönen, fröhlichen Gedanken gegen Gott und seine Wohltat. Wiederum, wo findest du tiefere, kläglicher, jämmerlicher Wort von Traurigkeit, denn die Klagepsalmen haben? Da siehst du abermals allen Heiligen ins Herz … wo sie von Furcht und Hoffnung reden, brauchen sie solche Worte, wie sie dir kein Maler also könnte Furcht oder Hoffnung abmalen und kein Redekundiger dir könnte vorreden.“

Paulus, als ehemaliger Pharisäer, war gewiss vertraut mit den Psalmen. Er kannte die Herzen der Heiligen. Und nun er selbst in der Begegnung mit Christus ein Heiliger geworden ist, und inspiriert vom Heiligen Geist, nun sprudeln auch aus seinem Herzen Gebete der Heiligen. Wir bekommen hier nicht nur das Vorrecht in das Herz eines Heiligen zu schauen, sondern unsere Gedanken und Sinne werden hinaufgenommen in das Herz Gottes selbst, oder wie Luther sagte, wie in den Himmel selbst.

Der Anlauf waren die vorangehenden Verse. Vers 14 beginnt ja mit „Darum beuge ich meine Knie …“. Warum – darum. So muss man diesen einen langen Satz von V 3-13 voraus lesen, um zu verstehen, warum. In dem Paragraphen beschreibt uns Paulus, was ihm offenbart wurde: Gott ist dabei, die Weltgeschichte neu zu schreiben. Er schreibt ja schon zwei Kapitel lang von Jesus Christus, den gekreuzigten und erhöhten Herren, den Kyrios, den Weltenherrscher. Und dieser Weltenherrscher herrscht nun auf Erden auch durch die Gemeinde.

Lasst mich zu, euch diese erste super tiefe Erkenntnis mit euch zu teilen aus Epheser 1: 20Mit überschwänglicher großer Kraft und Stärke hat Gott an Christus gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt hat und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel 21über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. 22Und alles hat er unter seine Füße getan …

Darum haben wir letzten Donnerstag Himmelfahrt gefeiert – Jesus Christus herrscht als König! Aber jetzt geht es weiter: … und hat ihn (Christus) gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 23welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Nochmal, habe ich das recht gehört? Die Herrlichkeit und die Kraft Gottes ist in Christus. Und Christus hat einen Leib auf Erden, und dieser Leib ist die Gemeinde. Und dieser Leib Christi ist auf Erden. Und natürlich ist Christus auch im Himmel; also die Gemeinde hat schon Anteil an dem Himmel, aber noch ist sie auf Erden. Das ist umwerfend, welchen einen Status und Ehre die Gemeinde hat.

Nun könnten einige Gemeindeglieder meinen: Ok, dann lasst uns mit Macht und Gewalt herrschen. Lasst uns noch prächtiger mit Prunk und Glorie unseren göttlichen Status demonstrieren – sicherlich wie damals der Salomonische Tempel. Nein, nein, würde Paulus uns alle erinnern. Die Gemeinde herrscht in dieser Welt, indem sie die Gestalt Christi annimmt. Und Christus herrschte durch sein Wort. Und Christus herrschte, indem ER den Menschen diente! Christus herrscht, indem ER sich selbst aufopferte.

Ich wiederhole: In dem Wort Gottes, dass der Gemeinde geschenkt wurde, regiert Christus selbst. Und indem wir einander und der Welt dienen in Knechtsgestallt – so regiert die Gemeinde. Das sieht zunächst gar nicht attraktiv aus, aber in der Gemeinde ist die Kraft Gottes, die selig macht, alle die daran glauben.

Und dann im dritten Kapitel staunt Paulus darüber, wie er sieht was Gott eigentlich schon immer wollte: Gott wollte schon immer aus allen Sprachen, Nationen und Kulturen ein neues Gottesvolk zusammenstellen. Behaltet ihr, so hatten wir letzte Woche auch im Gebet des Salomo diese Andeutungen gehört; und die Propheten haben diese Hoffnung betont. Jetzt ist es soweit: Da ist die Gemeinde Jesu Christi, die Zusammenstellung von Juden und Heiden und allen sozialen Ständen – Reiche und Arme, Kluge und Einfältige, und alle Menschen. Jetzt passiert es.

Paulus ist erstaunt, wie schnell das Evangelium gewirkt hat, trotz aller Widerstände und Verfolgung und Leiden. DARUM … weil ich das erkenne, beuge ich meine Knie.

Ich kann nur anbeten, loben und danken, was Gott auch bei euch tut, liebe Gemeinde Lüneburg. Auch bei euch ist das Wort Gottes kräftig am Wirken, und ihr seid berufen zu diesem großen Werk Gottes in dieser Welt.

In Gedanken sehe ich zwei Drei-Ecken aufeinander liegen. Das erste Drei-Eck ist der Drei-einige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, die in ständigem, dynamischem Austausch sind. Es sind drei einzelne Gottheiten und doch ist es der eine Gott – darüber werden wir am Trinitatisfest nochmal eingehen.

Und das zweite Drei-Eck ist Christus die Gemeinde und die Welt. Und hier ziehen wir einen Zirkel von Christus, der durch die Gemeinde in die Welt wirkt, um alle und alles zu sich zu holen. An anderer Stelle sagt Paulus, denn alles ist von Christus, ist in Christus und ist zu IHM hin geschaffen.

Damit die Gemeinde nun ihren Auftrag weiterhin erfüllen kann, brauch es Erkenntnis, wer Gott ist und was Gott tut. Darum brauchen wir den Katechismus, der uns von Kindesbeinen an ins Herz geprägt wird. Darum wiederholen wir das Apostolische Glaubensbekenntnis, das uns sagt, wer Gott ist, und was ER tut. Und nun werden wir noch einen Schritt weiter geführt. Und zwar durch das Gebet.

Seht, den Kleinen Katechismus lernen wir – oft als Befehl: das sollst du jetzt lernen! Das Apostolische Glaubensbekenntnis sagen wir oft als Ritual auf – man tut das ebenso. Aber wir begreifen, dass diese Erkenntnis wirklich ein Geschenk Gottes ist. Darum fleht Paulus zu Gott im Gebet und schüttet sein Herz vor Gott aus: 14Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, 15von dem alles und jeder im Himmel und auf Erden her kommen, 16dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, 17dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne.

Wir haben also einen äußerlichen Menschen – das ist unser Aussehen, unsere Biologie und physisches Dasein, unser Körper, unsere Stimme, Kleidung und Bewegung. Und wir haben einen innerlichen Menschen – unsere Gedanken und Gefühle, unsere Willenskraft und unser Wesen. Darauf hin zielt das Wort Gottes, auf den inneren Menschen.

Und dort, im inneren Menschen, dort hat die transformierende Kraft Gottes schon angesetzt. Denn wie lesen wir 2. Kor 5:17 Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur, eine Neuschöpfung. Das geschieht, wie wir bezeugen, in der Taufe, die Wiedergeburt durch den Drei-einigen Gott. Noch aber ist, solange wir in diesem Körper leben, der Alte Adam auch in uns. Noch sind da Sünde und böse Lüste. Aber es soll Christus mehr und mehr Gestalt in uns gewinnen – und dafür betet Paulus, dass Christus in eurem Herzen wohne. Also, nicht nur am Sonntag fromm und fröhlich aussehen, das Christus uns mal besucht, und dann wieder abreist, sondern Christus wohnt in unseren Gedanken und Gefühlen, allezeit, 24/7 an allen Orten.

Jetzt geht das Gebet weiter: Und ihr seid in der Liebe eingewurzelt und gegründet, 18damit ihr mit allen Heiligen begreifen könnt, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, 19auch die Liebe Christi erkennen könnt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt.

Zwei Aspekte der Christusgegenwart werden hier betont: Erkenntnis und Liebe. „… damit ihr erkennen könnt mit Erkenntnis!“ Um etwas zu erkennen, müssen wir’s zunächst kennen. Du musst was wissen, Information sammeln, Erfahrungen kriegen. Dann wollen wir es in Gedanken einordnen. So stellen wir uns ein Weltbild zusammen. Wir sagen uns selbst: aha, so und so funktioniert unsere Welt.

Und genau hier sollen wir die Gedanken Gottes bekommen. Wir sehen, wie Welt von Gott aus funktioniert, was ER tut, und was unser Platz in dieser Welt ist. Jetzt können wir auch die richtige Deutung geben, und wir können die richtigen Beschlüsse fassen.

Lasst mich mal ein typisches Beispiel geben wie „weltliche“ und „geistliche“ Beurteilung gegenüber stehen. Da hatten wir die Aids-Pandemie, eine schreckliche Krankheit, Aids. Und dann schlagen die Regierungsprogramme vor, wir sollen besser Aufklärungsunterricht in der Schule machen und Kondome verteilen und wenn jemand dann doch infiziert ist, nur Medizin zur Verfügung stellen. Dem gegenüber würden geistlich gesonnene Christen sagen: wir predigen das 6.Gebot in den Schulen; wir predigen Treue zum Ehepartner und wie Gott sich das vorgestellt hat, Mann und Frau mit ihrem Körper umgehen sollen. Und wenn dann doch jemand infiziert ist, sich versündigt hat, bieten wir das Evangelium an, Vergebung der Sünden, und wir beten um Heilung, damit zuerst der „innere Mensch“ geheilt wird. Und natürlich danken wir Gott auch für Medizin und alle äußerlichen Hilfen. Klar weiß ich auch, dass es kompliziert werden kann, aber im Ansatz denken Christen anders als nicht-Christen. Wir denken anders über Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und soziales Leben. Möge Gott uns da in aller Weisheit den Weg zeigen.

Das zweite, worum Paulus bittet, ist die Liebe. Möget ihr in der Liebe eingewurzelt sein, wie Christus die Welt geliebt hat, und sich selbst aufgeopfert hat, damit er die Welt wieder für sich gewinne. Und wer die Liebe in sich aufnehmen möchte, der lerne ruhig 1. Kor 13 auswendig: 1. Kor. 13:4 Die Liebe hat Geduld. Liebe ist freundlich. Sie kennt keinen Neid. Sie macht sich nicht wichtig und bläst sich nicht auf; sie ist nicht taktlos und sucht nicht sich selbst; sie lässt sich nicht reizen und trägt Böses nicht nach; sie freut sich nicht, wenn Unrecht geschieht, sie freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Sie erträgt alles; sie glaubt und hofft immer. Sie hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf.

Warum nicht? Weil Christus niemals aufhört. Wissen und Erkenntnisse hören irgendwann auf, aber Christus bleibt in Ewigkeit. Wenn du spürst, dir fehlt diese Liebe, so lädt dich dein Herr und Heiland, Jesus Christus heute wieder ein: Komm, lass dich mit meiner Liebe füllen, komm zum Abendmahl, komm zum Kreuz, komm zu mir. Öffne dein Gemüt und deine Gedanken. Wir leben in dieser Spannung zwischen Sünde und Heiligkeit, zwischen Vergänglichkeit und Perfekt-sein, zwischen Zeit und Ewigkeit. Dazu brauchen wir den Heiligen Geist … damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt.

Und zuletzt schließ Paulus ab mit Lobpreis, eine Doxologie, wie wir sie an Festgottesdiensten singen:

20Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, 21dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Nein, nicht nur im privaten Gebetskämmerlein – das auch ja – sondern in der Gemeinde, zusammen mit allen Auserwählten. Dieses Kosmos-Christus wird gepriesen zuerst hier in der Versammlung der Gläubigen, dann auch mit der ganzen Schöpfung, ja, wie Salomo in seinem Gebet erkannt hat: der aller Himmel Himmel erfüllt mit seiner Herrlichkeit.

Darum, weil das so ist, weil Christus sein Heilswerk getan hat und seinen Thron im Himmel bestiegen hat, darum hat auch der ganze Kosmos ein Ziel. Die ganze Menschheitsgeschichte hat ein Ziel. Die Gemeinde, du und ich, haben ein Ziel – das ist ER selbst, der uns schon einen Platz in seiner Wohnung vorbereitet hat.

So bleibt die Frage: Kennst du ihn, deinen Herrn und Heiland? Dann lasst uns ihn auch anbeten und loben, hier in dieser Gemeinde. Amen.

Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, bewahre und halte eure Gedanken und Sinne in Christus Jesus, unseren Kyrios, unseren Herrn. Amen.


Exaudi (Die wartende Gemeinde)

Wochenspruch

Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. Johannes 12, 32

Introitus – Nr. 38 (Psalm 27, 7a. 8 u 9a. 1a)

Epistel

Ich beuge meine Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne und ihr in der Liebe eingewurzelt und gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist, auch die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der ganzen Gottesfülle. Dem aber, der überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Epheser 3, 14 – 21

Hauptlied
Wir danken dir, Herr Jesus Christ 197
Höchster Tröster, komm hernieder 224

Evangelium

Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wenn der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir. Und auch ihr seid meine Zeugen, denn ihr seid von Anfang an bei mir gewesen. Das habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht abfallt. Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen. Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit. Und das werden sie darum tun, weil sie weder meinen Vater noch mich erkennen. Aber dies habe ich zu euch geredet, damit, wenn ihre Stunde kommen wird, ihr daran denkt, dass ich’s euch gesagt habe. Zu Anfang aber habe ich es euch nicht gesagt, denn ich war bei euch.

Johannes 15, 26 – 16, 4


liturgische Farbe: weiß

Festzeit: Österliche Freudenzeit

Wochenspruch: Joh 12,32

Wochenpsalm: Ps 27

Eingangspsalm: Ps 47

Epistel: Eph 3,14-21

Evangelium: Joh 15,26-16,4

Predigttext: Joh 7,37-39

Wochenlied: 128

Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).

I(Evangelium): Joh 15,26-16,4

II: Eph 3,14-21

III: Joh 7,37-39

IV: Jer 31,31-34

V: Joh 14,15-19

VI: Röm 8,26-30