Predigt – Wohin bist du unterwegs? 15. Sonntag nach Trinitatis 2026

Liebe Gemeinde, lieber Adam, liebe Eva,

Wer bist du? Was bist du denn? Wo gehörst du hin? Und wohin bist du unterwegs? – das sind Lebensfragen, die jeder Mensch beantwortet haben möchte. Darauf gibt die Bibel, Gottes Wort, klare Antworten.

Wer bist du? Du bist Mensch, Ebenbild Gottes, die Krone der Schöpfung, herrlich gemacht.

Was bist du denn? Du bist Erde, Staub – „Adamah“ – und später wird es heißen: … und zu Staub wirst du wieder werden, wovon du genommen bist. Vergiss das nicht, du Mensch: du bist dieses nichtige Material, Staub, und nur durch Gottes Atem ein biologisches Meisterwerk. In diesem Erdenklos, in diesem Kunstwerk blies Gott seinem Lebensatem hinein > und so wurde der Mensch belebt mit Gottes Hauch, eine lebendige Seele. Das hat Gott mit keiner Pflanze und mit keinem Tier gemacht. Tiere können zwar auch atmen, aber der Mensch hat noch etwas Besonderes Göttliches bekommen.

Wo gehörst du hin? Darauf gibt 1.Mose 2 eine dreifache geheimnisvolle Antwort:

(1) Du gehörst zu Gott – als Ebenbild, als Gegenüber, als Gemeinschaftswesen im vollkommenen Gottesverhältnis. Mit dir redet Gott und du kannst mit IHM kommunizieren wie kein anderes Geschöpf im Kosmos. Du kannst denken, reden, lachen, weinen, lieben, dich freuen, usw. wie kein anders Wesen im Universum. Du bist wahrlich Mensch im Dasein vor Gott.

(2) Du gehörst als Geschöpf in die Schöpfung. Wie die Landtiere wurde der Mensch aus der Erde geschaffen, aber der Schöpfungsbestimmung lautet: herrsche über sie! „Herrschen“ – nicht als „ausnutzen“, sondern ordnen, beschützen, kontrollieren. Und die Erde sollte der Mensch „bebauen“ und „bewahren“. Also von DEM, wovon er genommen wurde (die Erde) wird der Mensch sich auch ernähren. Da ist eine Erd-Verbundenheit, eine heilige Arbeit, die den Menschen als Mensch kennzeichnet.

Und noch etwas schenkt Gott. Er setzte ihn in den Garten, den Gott gemacht hatte. Und hier müssen wir „Garten“ als etwas ganz Wunderbares erleben. Das ist nicht unser kleiner Gemüsegarten oder Blumengarten, sondern prachtvolle Pflanzen mit Bäumen und Früchten. Jede Person aus dem Mittelosten wird aufhorchen. Man kennt eigentlich kaum Gärten im Alten Testament; erst die Superreichen und Könige legten sich Gärten an. Hier aber schon vier Flüsse, die das ganze Land bewässerten. Und die Früchte der Bäume ließen schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammenlaufen – verlockend anzusehen und wohlschmeckend. Damit ist der Reitz, die schöne Lust, das freudige Genießen gemeint.

Da hinein setzte Gott den Menschen – und gibt ihm ein Zuhause, eine Heimat. Hier darfst du sein, du Mensch. Adam. Das persische Wort heißt „pairi“ = abgegrenzter Park. Und das griechische Wort für „Garten“, ist „paradeisos“. Alles hatte Gott gut vorbereitet, und den Menschen einen Aufenthaltsort geschenkt.

(3) Und dritte Antwort auf die Frage: wo gehörst du hin? Du gehörst als Mensch zu Menschen. Denn, so beschreibt uns die Bibel: es war unter allen Tieren niemand gefunden, der zu Adam passte … bis Gott aus dem Adam einen Mitmenschen schaffte, der zuerst „Männin“ und später „Eva“ genannt wird, die um ihn sein. Sie ist eine Hilfe, wie nur Gott sie schafft, die ihm entspricht. Welch eine Freude und Wonne, als Adam sie sah: wow, das ist doch Bein von meinem Bein, Fleisch von meinem Fleisch!. Wir gehören zusammen: Mann und Frau – zu-einander-hin geschaffen. Umbuntu = das Zulu-Wort für miteinander Menschsein.

Und wir dürfen annehmen, dass ebenso die Frau freudig, verlangend zu Adam blickte, denn Frauen können sich ja auch verlieben, nicht wahr? So ist das, solche liebende Kräfte hat Gott in den Menschen geschaffen.

Allerdings, so sagen die schlauen Leute mit den dicken Brillen, die Sprachwissenschaftler, ist hier am Ende doch wohl bisschen Humor eingebaut. Hier lesen wir: darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau anhangen. In einer patriarchalen Gesellschaft wird doch die Frau ihre Eltern verlassen und zum Mann ziehen. Hier aber, wenn der „starke“ Mann die Frau sieht, wird er ganz schwach. Er wird ganz durcheinander und tut was ganz Verrücktes: Er verlässt sein Vaterhaus und hängt sich an diese Frau. Und nun vollzieht sich das Geheimnis der Liebe noch einmal: die beiden werden ein Fleisch sein, ein Mensch – wie im ersten Schöpfungsbericht gesagt wurde: Gott schuf den einen Menschen als Mann und Frau; als Ebenbild Gottes schuf er sie. So wird Gott sein Schöpfungswerk fortsetzen, indem aus dieser Einheit wiederum neue Menschen geboren werden. So hat sich Gott das gedacht. Das ist seine gute Schöpfungsordnung. Und siehe, es war sehr gut!

Ihr lieben, bei diesen beiden Erzählungen muss man lange stehen bleiben. Wir reden vom Anfang. Und der Anfang bestimmt unsere Identität, unser Lebensgefühl, unseren Überblick, wie wir die Dinge zuordnen und bewerten. So hat sich Gott das gedacht. Unsere eigene Lebensgeschichte wird hier mit hineinverwoben.

So manche fragen schon: was machen wir denn mit den naturwissenschaftlichen Theorien und Kosmos-Darstellungen, die uns heutzutage begegnen? Ist die Welt denn nun in 6 Tage geschaffen oder in Milliarden von Jahren? Da sagen wir Christen: Vorsicht! Ist ja ganz interessant, welche Daten uns die Wissenschaft vermittelt, aber wir beobachten auch: die Wissenschaft schafft Wissen. Sie sagen auch oft Dinge, die sie gar nicht wissen können, sondern spekulieren. Und wenn es um Lebensfragen geht, da ziehen wir Grenzen und bekennen ganz positiv: So hat sich Gott das gedacht – lies nochmal genau, was uns 1 Mose 1+2 sagen will und wo darf man auch mal spekulieren.

Allerdings, die Erzählung geht ja gleich weiter in Kapitel 3, wo die Schlange dann auch erscheint. Das Böse spricht durch die Gestalt einer Schlange (mit gespaltener Zunge) und verführt dann nun beide, Adam und Eva. Da werden die Dinge durcheinander gebracht. Wo der Mensch herrlich geschaffen war, will er nun selbstherrlich sein, wie Gott. Wo der Mensch alles bekommen hat und Gottes Führsorge in Hülle und Fülle zur Verfügung steht, bildet der Mensch sich ein: es ist nicht genug. Gott betrügt mich; Gott enthält mir noch größere Gaben, und die will ich auch haben. So greift der Mensch zur verbotenen Frucht – damals wie heute.

Der Mensch lässt sich verführen und bekommt Angst, versteckt sich und die Lügengeschichte fangen an. Und damit werden alle Verhältnisse gestört – das Gottesverhältnis ist kaputt; das Verhältnis zur Natur ist korrupt; die zwischenmenschlichen Verhältnisse sind gestört. Wir stehen vor unendliche vielen Fragen und suchen nach Lösungen. Wir mühen uns ab, und was zum Segen gedacht war, wird nun Mühe und Not.

Seht, darum sind die Anfangsgeschichten so entscheidend wichtig, weil: Wer eine falsche Analyse macht, kommt zu keiner wirklichen Lösung. Und die Bibel beschreibt uns später dann die Lösung Gottes – ER sendet den Erlöser, der den wirklichen Schaden löst. Aber noch bleiben wir beim Anfang.

Ihr lieben Konfirmanden, am liebsten hätte ich, dass ihr nochmal den 1 Artikel aufsagt mit Luthers Erklärung: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Was ist das? Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält: dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Frau und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohne mein Verdienst und Würdigkeit”.

Dieser Glaube wurde euch beigebracht. Anders gesagt: diese Glaubensperspektive schenkt uns der Heilige Geist. Menschen, die Gott nicht kennen, sehen die Welt anders. Sie werden auch anders mit der Schöpfung umgehen. Sie beurteilen auch Menschenverhältnisse, Liebe und Ehe anders. Sie machen die Dinge von Gott los und bringen alles durcheinander. Sie meinen, sie wären Gott los, aber Gott lässt uns Menschen nicht los.

Darum ist der zweite Artikel, von dem Erlöser, Jesus Christus, der wichtigste geworden, der auch im Katechismusunterricht, in Predigt und Bibelstunden die meiste Zeit einnimmt.

Aber zum Schluss noch etwas. Am Anfang hatte ich die Lebensfragen gestellt: Wer bist du? Was bist du denn? Wo gehörst du hin? Und da war noch eine Frage: Wohin bist du unterwegs?

Diese Fragen beantwortet schon der 2. Artikel von Jesus Christus: Auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes des Vaters. Von dort wird er wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten.

Noch persönlicher antwortet der 3. Artikel: Zusammen mit der ganzen Christenheit auf Erden sind wir unterwegs zu unserer himmlischen Heimat. Wir haben wir auf Erden keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Da heißt es dann ganz konkret: Auferstehung des Fleisches, und ein ewiges Leben – für dich, für mich!

Heute an diesem Konfirmationstag wollt ihr versprechen: Ja, mit diesem Drei-Einigen Gott will ich weiterhin durchs Leben gehen. Er hat mit biologisches Leben gegeben; ER schenkt mir auch ewiges Leben. ER hat sich in der heiligen Taufe in sich hineingenommen, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. Mit IHM will ich leben und sterben, denn nichts wird mich scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus für mich ist.
Dazu gebe Gott uns allen die Gnade, uns täglich in diesem Versprechen Gottes erneuern zu lassen. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir verstehen, der bewahre und halte unsere Gedanken und Herzen in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.


Wochenspruch Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch. 1. Petrus 5, 7

Introitus – Nr. 56 (1. Petrus 5, 7; Psalm 127, 1)

Epistel

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

1. Petrus 5, 5c – 11

Evangelium

Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Matthäus 6, 24 – 34