Wow, wow, wow ist die Überschrift in drei Teile dieser Predigt.
Das erste Wort, wenn man diesen Tempel erblickte, müsste sein: “Wow!” Bezaubernd, fantastisch, atemberaubend. Wahrlich ein Weltwunder der antiken Baukunst zusammen mit den Pyramiden von Ägypten, die hängenden Gärten der Semiramis zu Babylon und sonstige Meisterwerke der Antike. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass dem Salomo 30.000 Schichtarbeiter zur Verfügung standen, 150.000 andere Arbeiter aus anderen Völker, dazu noch Künstler, Handwerker und Aufseher. 100 Tonnen Gold, die David schon angesammelt hatte plus 150 Tonnen Gold die Salomo dazu gesammelt hatte, im Ganzen 540 Tonnen Silber und 3000 Tonnen Eisen, dazu eine Unmenge von Bronze, Edelsteinen, Marmor und Mosaiksteine, Edelholz ohne Maße. Usw.
Wenn wir den biblischen Angaben Glauben schenken, übertrifft dieses Haus des Herrn auch alle anderen Gebäude der heutigen Zeit was Kosten und Kunst betrifft. Jemand hat mal nachgerechnet – heutiger Baupreis beträgt weit über $ 2½ – 3 Milliarden Dollar – kein Vergleich auch zu heutigen Superwolkenkratzer.
Nach 7 Jahren Bauarbeit wurden am Tag der Einweihung des Tempels nach dem Buch der Könige 22.000 Ochsen und 120.000 Schafe geschlachtet; hier im Buch Chroniker ein unzählbar große Schar. Die Bundeslade wurde hergebracht in Prunk und Pracht und über 14 Tage lange feierte man Einweihungsfest.
Ich glaube das reicht, um uns einfach zu sagen: hier passierte was ganz besonderes, wovon die damalige Welt Notiz nahm. Wow.
Das zweite “Wow” entstammt aus der Geschichte. Dieser Tempel entstand nicht nur einfach so, dass jemand mal einen netten Gedanken hatte, sondern wurde schon lange in Gedanken Gottes vorhergesehen und der Zukunftsschau. Erlaubt mir hier einfach als Bibelkundeinformation diese Linie aufzuzeigen.
Architektenplan hat Vergleiche mit dem Garten Eden und den Kosmos – was ich leider nicht weiter beschreiben kann. Nach jüdischer Tradition waren die beiden Bäume das Zentrum der Welt. Als Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben wurden, standen die beiden Cherubs vor dem Garten – auch hier beim Tempel und der Bundeslade finden wir wiederholt das Motiv der beiden Cherubs.
Da haben wir weiter den Ort Moria, wo man sagt Abraham habe seinen Sohn Isaak opfern sollen. Der Ort, wo später die Stadt des Friedens gebaut wurde, Jeru-shalom und 2000 Jahre später in der Nähe Gott selbst das Opfer des Jesus Christus auf Golgatha bereit stellte.
Aber auch schon während des Auszug aus Ägypten hatte Gott Befehl gegeben, dass ein Zelt gemacht werden sollte, wo sein Name wohnt. Mose hatte in einer Vision diese Anweisungen, Maße und Bauplan bekommen. Aus den Schriften kennen wir die genauen Belehrungen, wie lang und breit und hoch jedes einzelne Element in und um dieses Zelt sein musste.
Es war die sichtbare Gegenwart Gottes, das heilige Zelt, die Bundeslade. Alles wurde so angefertigt, dass man ss tragen konnte durch die Wüste hin zum gelobten Land Israel. Salomo in seiner Weisheit nahm diese Anweisungen als Vorlage für diesen Tempel: den Vorhof, das Heilige und das Allerheiligste. Während der Wüstenwanderung hatte Gott an 6 Stellen schon gesagt, dass ER selbst einmal einen Ort anzeigen würde, wo die Bundeslade stehen soll.
Deuteronomium 12:10 Wenn ihr aber den Jordan überschritten habt und in dem Land wohnt, das Jahwe, euer Gott, euch als Erbbesitz zuteilt, wenn er euch Ruhe verschafft hat vor allen Feinden ringsum und ihr sicher wohnt, sollt ihr alle eure Brand- und Schlachtopfer, eure Zehnten, eure Hebopfer und die auserlesenen Gaben, die ihr Jahwe feierlich versprochen habt, ausschließlich an den Ort bringen, den Jahwe, euer Gott, auswählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen.
Deu 12:12 Dort, in der Gegenwart des Herrn, sollt ihr mit euren Söhnen und Töchtern zusammen fröhlich feiern, mit euren Sklaven und Sklavinnen und dem Leviten aus eurem Ort, denn er hat ja keinen Erbbesitz unter euch.
Wo war dieser Ort, wo sein Name wohnen wird? 400 Jahre lang wurde das Zelt mit der Bundeslade hin und hergeschoben. Es war lange nicht klar, wo dieser Ort sein sollte – bis zu der Zeit, als David Jerusalem zur Hauptstadt erklärt hatte und David zu Gott sagte: hier will ich dir ein Haus bauen. Gott sagte: Ja, dies ist der Ort! Aber noch nicht die Zeit; dein Sohn wird mir ein Haus bauen. So trat Salomo mit einer klaren Aufgabe sein Amt an. Und nahm die Vorlage des Zeltes, um diesen ersten Tempel zu bauen. Etwa 400 Jahre diente der erste Tempel als Begegnungsstelle zwischen Gott und Menschen bis Nebukadnezar aus Babylon den Tempel niederreißen ließ und alle Schätze wegtragen ließ.
Nach 70-jähriger babylonischer Gefangenschaft kam das Volk zurück und wurde der zweite Tempel gebaut schlichter und einfacher natürlich. Und der zweite Tempel hatte keine Bundeslade und keine Wolke erschien. Und so übernahm der Gedanke, dass der Tempel als Ganzes schon die Gegenwart Gottes repräsentiere, aber es sei dahingestellt. Es gibt gute Argumente, dass in der Tat Gott auch den 2.Tempel mit seiner Gegenwart erfüllte. Andererseits, es fehlte die Bundeslade. Nicht umsonst sagte Jesus zu den Volksführern später: “Ihr habt eine Räuberhöhle draus gemacht.” Ihr habt den Tempel entheiligt mit eurer Geldgier, Handeltreiben und politischen Motiven.
Ja, es war dieser Jesus, der mit dem Namen “Emanuel” bezeichnet war, der diese provokative Aussage machte: “Brecht diesen Tempel ab und ich werde ihn in 3 Tagen aufbauen.” Er stellt sich mitten in den Tempel und sagt: Ich bin das lebendige Wasser. Von mir aus fließen Ströme lebendigen Wassers. Sein Leib soll von nun an die neue Begegnungsstelle zwischen Gott und Mensch. Wo im Alten Testament der Begegnungsort ein geographischer Ort war, so ist aber im Neuen Testament eine Person.
Nach der Himmelfahrt Jesu waren die Jünger verwirrt: Wo werden wir Gott begegnen? Jesus sagt: ich werde euch den Heiligen Geist, den Tröster senden, der wird in euch wohnen und wir euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Pfingsten kam der Heilige Geist mit Zeichen des Alten Testament mit Wind und Flammen, zwar keine Wolke aber mit Gebeten und Verkündigung, mit Wundern und eine neue Glaubensgemeinschaft.
Der zweite Tempel wurde von den Römern 70 n.Chr. zerstört. Da sagen wir Christen: Wir brauchen keinen äußerlichen Tempel mehr, denn so sagt Paulus: ihr seid der Tempel des Heiligen Geistes; in euch wohnt die Herrlichkeit des Herrn. Mehrmals im Neuen Testament wird das Bild des Tempels wieder aufgenommen: Ihr seid wie die lebendigen Steine in diesem Tempel, schreibt Petrus. Und die Leiden, die ihr erfahrt, sind wie die Meiselschläge um diesen Stein genau so zu formen, dass er ohne Probleme perfekt in den himmlischen Tempel eingebaut werden kann.
Und eines Tages wird der himmlische Tempel erbaut sein – wenn er man nicht schon in die unsichtbaren Sphären erbaut worden ist. So hat es der Prophet Hesekiel schon die Vision des neuen Tempels gehabt. Der Hebräerbrief spricht von einem Tempel im Himmel nicht mit Händen gemacht. Der Seher Johannes im Buch der Offenbarung allerdings sagt Pertinens: in dem neuen himmlischen Jerusalem wird es keinen Tempel geben, denn der Herr, der Gott ist ihr Tempel und das Lamm. Wie ja auch im Garten Eden das Gottesverhältnis perfekt was, so wird es wieder sein.
Das, so eine Vogelflug-übersicht, dass die Begegnungsstätten für Gott immer wichtig sind.
Schon beim Einweihungsfest sagte König Salomo in seinem Gebet, es sei eigentlich unsinnig, den Gott des Himmels und der Erde ein Haus zu bauen. Der ganze Universum ist viel zu klein, Gott eine Wohnung zu schaffen.
Und mit dieser Übersicht bekommen wir Einsicht: die Initiative geht von Gott aus. Gott sagt: ICH will bei den Menschen sein; ich will in ihrer Mitte sein; ich will in einem lebendigen Verhältnis mit meinen Menschen sein; sie sollen mich anbeten und ich will sie segnen. Auf Anweisungen Gottes wird das erste Zelt gebaut und der erste Tempel und später der zweite Tempel und eines Tages der dritte Tempel im Himmel. Und in dieser Zeit bist du, dein Leib – sein Tempel.
Und das bringt uns zu dem Dritten Wow: Wie begegne ich diesem Gott des Himmels und der Erde?
Ich sage nicht wo? Denn Gott ist Geist. Wo findest du Gott? Da sagen wir Christen: in seinem Wort, im Sakrament, in der Gemeinschaft der Gläubigen, im Gottesdienst, und im Bibellesen, in deiner Stillen Zeit. Aber wir betonen das Wie? Wie können wir Gott begegnen? Vom Text lernen wir 4 kurze Antworten:
Erstens durch die Haltung der Ehrfurcht, Anerkennung zu dem hin, wer Gott ist. Und Lobpreis dem großen Gott gegenüber. Weiter können wir hinzufügen die Haltung des Gebets und Dienstbarkeit, Danken und Klagen, Weinen und Lachen in seiner Gegenwart.
Daraus folgt der zweite Punkt, dass dieses Haus aus Stein gebaut werden sollte, deutet darauf hin: dieses Haus sollte für immer stehen. Lobpreis und Anbetung hören niemals auf. Israel lernte später hinzu, dass der Lobpreis nicht von einem Stein-, oder Goldpalast abhängig ist, sondern auch im weiten Babylon geschehen kann. Jesus sagt: die Gott anbeten, müssen IHN im Geist und in der Wahrheit anbeten. Und im Buch der Offenbarung lesen wir von den himmlischen Heerscharen, die immer, permanent, kontinuierlich Gott Lob und Ehre und Anbetung geben. Unser Gottesdienst geschieht schon seit 2000 Jahren und Gottesdienste werden in aller Ewigkeit weitergehen.
Dazu gehören als dritter Punkt die Kunstwerke von den besten Handwerker, Künstler und besten Musiker und alles, was einfach fantastisch ist. Es ist deswegen, dass viele Kirchen und Kathedralen mit Gold und Silber und Edelsteine geschmückt sind als einen würdigen Ort für den besten Gott von Himmel und Erde.
Wir lernen aus dem Neuen Testament, dass die Gemeinde, die Versammlung der Gläubigen der Ort ist, wo Gott wohnt. Die Gemeinde wird als wunderhübsche Braut beschrieben, exzellent geschmückt für ihren Bräutigam. Ja, in dieser Gemeinde sind Sünder und korrupte Leute (ich auch) aber in Christus sind sie geheiligt und gereinigt. Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit werde ich vor Gott bestehen, wenn ich zum Himmel werd’ eingehen. Wir merken unsere Haltung ist: das Beste für Gott ist die rechte Anbetung. Das Beste auch für die Gemeinde, die erste Ernte für Gott, der beste Dienst für seine Gemeinde.
Und Viertens: Anbetung ist Gemeinschaft. Und gerade, weil diese Gemeinde aus Sünder besteht, die jeder wie Schafe ihren eigenen Weg gingen, werden sie in Christus zu einer Einheit zusammengefügt. Es geht nicht ohne Christus – der ist unser Tempel! Aber dann gilt: in Christus sind wir eine Gemeinde, ein Leib, eine Taufe, ein Lobpreis.
Wir lesen hier von der Einheit: Die Trompeten bliesen wie eine Trompete. Die Sänger sangen wie eine Stimme. Alle Heiligen werden einmal vor dem Thron zusammen erscheinen und zusammen als eine Gemeinde.
Gottes Gegenwart macht Anbetung bedeutungsvoll. Da ist die Wolke, die seit 400 Jahren nicht erschien, nun plötzlich wieder den Tempel erfüllte. Die Priester konnten kaum mehr ihre Arbeit tun, so wurde der Tempel eingehüllt in Gottes Gegenwart. Was würde passieren, wenn da Lobpreisliede wären und alle Pracht und Glorie, aber Gott würde nicht erscheinen? Was soll das? Es wäre nur einfach ein schönes Konzert, verhallt in den leeren Raum. Aber Gottes Gegenwart macht jeden Lobpreis würdig und unsere Haltung gibt IHM die Anerkennung für immer.
Dieser Lobgesang des Einzelnen, der Gemeinde und aller himmlischen Heere vor dem Thron Gottes erfüllt dann auch nicht nur den Tempel, sondern die ganze Welt, ja aller Himmel Himmel. So sprechen wir von Herzen: Soli Deo Gloria! Gott allein die Ehre! Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Wochenspruch
Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.
Psalm 98, 1a
Epistel
Zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.
Kolosser 3, 12 – 17
Hauptlied
Lob Gott getrost mit Singen 248. Nun freut euch, lieben Christen gmein 240
Evangelium
Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Matthäus 11, 25 – 30
liturgische Farbe: weiß
Festzeit: Österliche Freudenzeit
Wochenspruch: Ps 98,1
Wochenpsalm: Ps 98
Eingangspsalm: Ps 118
Epistel: Kol 3,12-17
Evangelium: Mt 11,25-30
Predigttext: Mt 21,14-17 (18-20)
Wochenlied: 243 und 341
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mt 11,25-30
II: Kol 3,12-17
III: Mt 21,14-17 (18-20)
IV: Apg 16,23-34
V: Jes 12,1-6
VI: Offb 15,2-4
