Liebe Gemeinde,
Jemand sagte mal: mich beunruhigen nicht so sehr die Dinge, die ich in der Bibel nicht verstehe, sondern mich beunruhigen die Dinge, die ich doch verstehe. Was ist denn eine „prophetischen Berufung“?
Wie oft habe ich von Predigern gehört: “Wir alle sind gesandt, wie Jesaja oder Jeremia, oder wie in unserem Text Hesekiel berufen worden ist.” Nein, sind wir nicht. Ich selbst habe kein ekstatisches Erlebnis gehabt. Ich wurde nicht vom Geist hin-und-her getragen wie Hezekiel; ich muss schon selbst beschließen, ins Auto zu steigen, um jemanden zu besuchen.
Und dennoch: Ja, das stimmt doch ein bisschen – wir sind ja die Apostolische Kirche, gegründet auf die Lehre der Apostel und Propheten, gesandt in die Welt. Aber irgendwie ist auch klar, ich gehöre nicht hier hin zu denen, die direkt Gottes Stimme vernommen haben. Oder bräuchten wir vielleicht jemanden für die Gemeinde heute, der gradlinig mit Gott in Verbindung steht? – einen Propheten/in, der oder die klare Anweisungen gibt: „So spricht der Herr!“ Und das ganze Volk spricht “Amen!”
Darauf antworten wir zweierlei: Wir haben ja das Wort hier in der Schrift. Hier spricht der Herr! Und dieses Wort, die Bibel, sagt uns auch, dass die direkten Offenbarungen zum Abschluss gekommen sind mit Jesus Christus – Er ist das Wort in Person. Er ist das höchste Wort, die absolute Autorität. Hebräer 1:1 Nachdem vorzeiten Gott manchmal und mancherlei weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns geredet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles.
Alles was Christen sind und was sie sagen, sind Auswirkungen dieses einen Wortes – die Bibel. Was wir sagen, sind Wiederholungen, sind Anwendungen. Ich finde es ausgezeichnet, wie Luther es in der Erklärung des 3. Artikels vom Heiligen Geist formuliert:
Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu Ihm kommen kann, sondern Er hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, geheiligt und erhalten. Gleich wie er die ganze Christenheit, beruft, sammelt, erleuchtet und bei Jesus Christus erhält im rechten einigen Glauben.
Dieses Rufen geschieht durch das Wort, die Verkündigung von Gesetz und Evangelium, die Predigt. Der Prediger ruft auch heute: Lasst euch versöhnen mit Gott! Und wenn jemand sich angesprochen weiß, wenn jemand bekehrt wird, einen Neuanfang macht, Vergebung empfängt und sich hinwendet zu Gott, geschieht das aufgrund von dem Ruf Gottes.
Und so wird klar, dass damals wie zur Zeit der alten Propheten und wie auch heute: niemand kann sich selbst berufen – jedenfalls nicht im jüdisch-christlichem Sinne. Niemand kann sich selbst berufen; man wird gerufen.
So dachte ich, vielleicht ist es gut, wenn ich mal doch bisschen die Regel übertrete und nicht nur exegetisch predige, als Auslegung, sondern als Thema: Berufung. Wir haben schon oft Berufungsgeschichten hier besprochen: Berufung von Mose, von Jesaja, die Jünger oder Paulus. Aber wie ist es denn mit meiner Berufungsgeschichte?
Schnell merken wir, dass es ein bisschen Klärung, denn das Wort Berufung ist vielseitig. Tatsächlich spricht die Bibel auch verschieden von Berufung.
Hier also 4 Seiten von diesem einem Wort: Berufung:
1. Berufung = allgemeine christliche Berufung zu Gott und Seligkeit (Frucht des Geistes)
2. Berufung = Ruf Aufgabe (- dazu bekommt man Geistesgaben für eine Aufgabe /) set-appart for a purpose
3. Berufung = Beruf , dein Job (Charakter) Commitment to a career, innerliche Überzeugung, deinen Stand in der Gesellschaft, äußerliche Überzeugung durch einen Ruf, Alter und Jahreszeiten im Leben (Kind, Jüngling, Eltern, Großeltern). Deine Position.
4. Berufung = Zeit und Ort, als einmaliger Auftrag.
1. Erstens also: die allgemeine, christliche Berufung, von der wir alle Teil sind.
Die geschieht durch Taufe und Verkündigung. Menschen werden in das Königreich Gottes gestellt, nicht aus eigener Vernunft noch Kraft, sondern durch das Evangelium. Gott will das allen Menschen geholfen werden und sie zu der Erkenntnis der Wahrheit kommen. Hier sprechen wir auch von „Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist“ in der einen, heiligen, christlichen Kirche. Wir werden alle zur Jüngerschaft in die Nachfolge Christi Berufen. Wir werden alle mit dem Heiligen Geist gefüllt und die Frucht des Geist bei allen ist: Liebe, Freundlichkeit, Gütigkeit, Disziplin, gute Werke, usw. So kann auch Paulus an die ganze Gemeinde schreiben: Wandelt würdig in Übereinstimmung mit der Berufung mit die ihr alle berufen seid. In dieser Berufung hoffen wir alle auf den gleichen Himmel in der Auferstehung von den Toten. In dieser Hinsicht rufen wir alle Gemeindeglieder auf: Lest die Bibel, sei eins mit Gott, wandele mit Gott.
2. Mit dieser allgemeinen Berufung folgen wir auch einen Ruf um einander zu dienen; dazu hat uns Gott verschieden begabt mit verschiedenen Geistesgaben. Mit der Gabe kommt auch die Aufgabe. Hier haben wir unterschiedliche Begabungen: einige hat Gott gesetzt, ausgesondert zu Propheten, Hirten, Lehrer und Missionare. In andere Begabungslisten nennen: Heilung, Ermahnung, Prediger, Gebet, Zungenreden. Im Alten Testament lesen wir von Handwerkern und Künstler. Wir könnten hinzufügen Musiker, Finanzen, Organisation, Gastfreundschaft, usw.
In dieser Hinsicht rufen wir die Gemeindeglieder auf: Entdecke und entwickle deine Gabe. Wozu hat Gott dich begabt und damit auch eine Aufgabe gegeben in dem einen Leib zu wirken, damit alle erbaut werden.
3. Drittens reden wir auch von einer Berufung hinsichtlich deiner Tätigkeit in der Welt. Das ist deine innerliche Überzeugung, was du in dieser Welt machen sollst – dein Beruf, dein Stand in der Gesellschaft. Das können mehrere Berufungen gleichzeitig sein oder nacheinander.
Als Kind bist du gerufen, den Eltern untertan zu sein und in der Schule ordentlich zu lernen. Als junger Erwachsener bist du gerufen, Kinder in die Welt zu bringen – Eltern sein ist eine göttliche Berufung. Es kann aber auch sein, dass jemand zu Ehelosigkeit berufen worden ist. So zwischen 20 – 35 Jahre alt ringt ein Mensch, um diese Berufung herauszufinden. Später kommt eine Berufung als Großeltern. Also es geht um deine Beziehungen in der Gemeinschaft. Du kannst auch als Freund/in berufen sein, dass ich weiß, ich bin committed, ich bin gerufen, für jemanden da zu sein.
Wenn wir eine Berufswahl treffen, einen Job suche, Kariere – dann betonen wir in der Seelsorge immer den innerlichen Ruf und den äußerlichen Ruf. Ich kann mich z.B. als Mechaniker berufen fühlen, aber niemand stellt mich an. Also z.B. ich, Klaus Damaske, habe einen Traum gehabt, dass Gott mich als Automechaniker gebrauchen will. Bislang habe ich immerhin schon die Motorhaube aufmachen können, aber dann wusste ich auch nicht weiter (stimmt nicht ganz, ich habe schon mal einen ganzen Motor von einem kleinen Nissan 1200 in Einzelteile verlegt und mit Anweisungen anderer wieder zusammen-gebaut).
Also sagen wir mal: ich spüre Gott will, dass ich Automechaniker werde … aber keiner stellt mich an. Ich gehe zu Anesco (Autowerkstatt) und sage: „Gott hat mich gerufen, hier Mechaniker zu werden.“ Dann werden dich mich fragend anschauen und wahrscheinlich sagen: „Nun, wir warten noch ein wenig, bis Gott dann auch mit uns spricht.“ Ihr versteht, der innerliche Ruf und der äußerliche Ruf gehen meistens Hand in Hand. Das, was ich gerne tue und wo mein Herz schlägt, meine Ausbildung und Fähigkeiten – sollten zusammengehen mit dem, was Gott auch in der Welt bewegt, damit ich meine Berufung ausleben kann.
Ganz selten geht der innerliche und äußerliche Ruf nicht Hand in Hand – wie bei den Propheten deutlich wird. Propheten wurden gerufen und die Gesellschaft hat sie verworfen. Trotzdem hat Gott gesagt: geh wieder hin, denn ICH habe dich gesandt. Das ist deine Aufgabe im Leben. Das passt gar nicht in die Gesellschaft und trotzdem musst du es tun!
Und so nebenbei erwähnt, das ist dann auch der Sinn hinter der Bemühung, ob wir auch als Gemeinde einen besonderen Ruf hören, auf welche Aufgaben wir weiterhin konzentrieren sollen als Gerufene in dieser Welt, hier in Lüneburg, unser Zielsetzung. Innerhalb der Gemeinde gibt es viele Aufgabenbereiche, aber sie alle wirken mit in dem Ganzen, als Gemeinde, gerufen und gesandt in die Welt.
4. Die vierte Ebene von Berufung ist an Zeit und Ort verbunden, ist einmalig kurzfristig. Es gibt bestimmte Situationen, wo man hier und jetzt gerufen ist, eine Aufgabe zu erfüllen.
Nehmen wir den Apostel Paulus als Beispiel. Er hatte die 1. Allgemeinde Berufen in Christus; er ist Christ geworden. Er hatte die 2. Berufung erkannt: er ist ausgesondert als Apostel um den Heiden das Evangelium zu bringen. Die 3. Berufung in seinem Stand hat er gesehen als Ehelosigkeit; er kann nicht Heiraten und eine biologische Familie gründen, sondern er baut die geistliche Familie. Auch hat er als Zeltmacher seinen Unterhalt verdient und die Leute haben seine Ware gekauft.
Dann aber gab es Ausnahmesituation, wo er erkannt hat, wo Gott ihn (nicht) hinsendete. So lesen wir in Apostelgeschichte 16:5ff. Paulus hatte sich vorgenommen, zum Norden zu Reisen, nach Asien. Aber es klappte einfach nicht; immer wieder waren da Hindernisse – wie er später sagte: der Heilige Geist wehrte uns…
Dann hörte Paulus im Gebet wie in einem Traum, wie jemand aus Griechenland in gerufen hat: „Komm herüber und hilf uns!“ Den nächsten Tag packten sie ihre Koffer, überzeugt, dass Gott sie dorthin sendete. Er wollte zum Norden gehen aber nein, er sollten zum Westen gehen.
Und so kaufte er ein Schiff-ticket und segelte nach Griechenland. Aber lange blieb Paulus auch nicht dort, sondern wanderte weiter, denn das war seine größere Aufgabe war es, um zu allen Heiden zu gehen.
In dieser Hinsicht rufen wir Gemeindeglieder auf, im Gebet sensitiv zu sein. Bewähre dich in den kleinen Aufgaben und Gott hat Größeres mit dir vor. Wachse in den kleinen Schritten und Gott führt dich auf den langen Weg.
Zusammengefasst: 1. Wir alle sind berufen zu Christus, zu Jüngerschaft, zur Seligkeit.
2. Wir sind berufen zu bestimmten Aufgabenbereiche, mit bestimmten Gaben begabt, um zu dienen.
3. Wir sind berufen zu einem bestimmten Stand in der Gesellschaft in Beziehungen zu anderen; dazu kommt auch die Berufung durch einen Beruf
4. Manchmal für einen bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort sind wir berufen, eine Aufgabe zu erfüllen.
Diese vier Punkte sind nur als Hilfe gemeint, die Gedanken bisschen zu ordnen.
Alle vier Ebenen fordern von uns, dass wir in Gottes Wort leben und uns im Gebet üben. Alle vier Ebenen sind verbunden mit Freude und Leid, mit Erfüllung und Misslingen, mit Höhen und Tiefen. Das Ringen und das ständige Gebet mit Gott werden nicht ausbleiben. Ja zugegeben, es ist nicht immer leicht, den Willen Gottes zu identifizieren, denn der Wille Gottes kann sehr tief verborgen liegen unter vielen sich anbietenden Möglichkeiten. Aber über Allem steht die Verheißung Gottes, wie sie immer wieder lautet: Siehe, ich habe dich bei deinem Namen gerufen: du bist mein. Oder wie es hier bei Hesekiel heißt: 10 Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, alle meine Worte, die ich dir sage, die fasse mit dem Herzen und nimm sie zu Ohren! Und geh hin…
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
