Liebe Gemeinde,
oder heute spricht uns der Apostel Paulus auf dreierlei Weise an: Lieber Tempel Gottes, liebes Ackerfeld Gottes, liebe Mitarbeiter Gottes. Drei Bilder als Ideal und als reale Wirklichkeit. Nochmal 3 Bilder als Ideal, die unsere Wirklichkeit sind. Ich erkläre.
Für Morgen, Montag 24. Aug. 18:00 Uhr im Bläserraum, ist eine Gemeindeversammlung einberufen worden. Zur Besprechung sind 2 Bauprojekte. Der eine ist der Schuppen, der zurzeit gebaut wird – da hinter Schülerheim & Schwimmbad. Wer dort mal reinschaut, wird sich mit Staunen mitsingen können: Wer will fleißige Handwerker seh’n … Stein auf Stein, Stein auf Stein, der Schuppen wird bald fertig sein. Naja, so schnell noch nicht; wir hoffen nächstes Jahr.
Das andere Bauprojekt wird noch geplant – die neue Halle. Da werden uns Baupläne vorgelegt, die der Architekt angefertigt hat nach den Vorgaben, die wir als Gemeinde dem Team mitgegeben haben. Alle können sehen: Aha, so sieht der Plan aus; und bald machen wir uns an die Arbeit. So ist der Plan, der Realität werden soll. Wie bei dem Schuppen – da war zuerst das Bedürfnis (wir brauchen das), dann der Architektenplan (das machen wir: Vision & Mission), dann die Realität (endlich steht das Gebäude).
Diesen Vergleich gebraucht Paulus, uns etwas zu erklären. (1) Zuerst hat Gott ein Bedürfnis gesehen. Er sieht eine gottlose, heillose, chaotische Welt. Sie war einmal eine perfekte, harmonische gute Schöpfung, die nun mit der Sünde durcheinander geraten ist. Da sind Menschen, die suchen nach den Sinn des Lebens – und finden nichts, was wirklich bleibenden Wert hat. Da ist Korruption, Ausbeutung und Leiden. Da sind Krankheit, Krieg und Katastrophen. Die Menschen brauchen eine Lösung; sie brauchen einen Erlöser.
(2) So hat zweitens Gott einen Plan gemacht: ER sendet Jesus Christus als die Antwort auf den tiefen Seelenschaden in den Menschen und den Schaden im ganzen Kosmos. Und nun ist die Frage: wie bringt Gott dieses Heil in die Welt? Da hat Gott seinen Architektenplan vorgelegt: Ich, Gott, ich sende die Gemeinde. Gott könnte Engel gesandt haben – dienstbare Geister, die die Befehle Gottes ausführen. Er könnte direkt Jesus als sichtbaren Weltenherrscher angestellt haben – wie ein Diktator über alle Völker regieren. Er hat viel tausend Weisen; an Mitteln fehlt IHM nichts. Aber Gott hat in seiner Weisheit DIE GEMEINDE gesandt. Du und ich, wir sind gerufen und berufen, um Jesus Christus als Heiland in die Welt zu bringen. Das ist das höchste und beste Werk im Kosmos.
Früher war es ein Volk – das Volk Israel. Und es war tatsächlich ein Gebäude – der Tempel in Jerusalem. Dort hin sollten alle Nationen hinströmen, um den Gott des Himmels und der Erde zu finden und IHN anzubeten. Nun aber trat Jesus auf und proklamiert: Brecht diesen Tempel ab und ich will ihn in drei Tagen wieder aufbauen. ER, Jesus Christus, ist nun der Ort, wo man Gott begegnen und anbeten kann. Und dieser Jesus lebt nun in seine Gemeinde: Ihr geht hin in aller Welt und macht zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie tauft und alles lehrt, was ich, Jesus, euch befohlen habe!
Wie nun die Gemeinde aussieht, wie Gottes Architektenplan für seine Gemeinde aussieht, das lesen wir Kapitel um Kapitel in der Bibel. Darüber sprechen wir Sonntag für Sonntag in Predigten, Bibelstunden und Gemeindeversammlung. Wir erklären den Gemeindeplan, wie sie uns in der Bibel vorgegeben ist.
(3) So haben wir drittens die Realität. Die Gemeinde Jesu Christi gibt es ja schon, aber sie wird ständig weiter gebaut. Und das ist der Unterschied mit diesem Vergleich eines Bauprojekts. Irgendwann wird der Schuppen fertig sein. Irgendwann, so Gott will und wir noch leben, wird die neue Halle fertig sein. Aber Gottes Gemeinde wird niemals fertig sein; sie wird erst in der letzten Zeit offenbar werden, wenn sie vollendet wird im Himmel.
Wir haben also immer auch mit einer Spannung zu tun. Die eine, heilige christliche Kirche gibt es ja schon: Alle, die getauft sind und glauben, sind schon gerettet, gehören zur Gemeinde Jesu Christi – das ist die Realität. Und dennoch sind wir als Menschen noch nicht vollkommen; die Welt ist noch nicht fertig gerettet; der Auftrag geht weiter. Die Gemeinde ist ein kontinuierliches Bauprojekt Gottes.
Deswegen müssen wir den Architektenplan vor Augen behalten. Wir prüfen uns selbst immer wieder: Sind wir noch Gemeinde, wie Gott es sich gedacht hat? Und die Antwort wird immer eine doppelte Antwort sein: Ja, wir sind Gemeinde Gottes – heilig, gerecht und gut, weil Christus bei uns und in uns lebt. Und: Nein, wir sind noch im Werden; durch tägliche Reue und Buße werden wir täglich gestaltet. Durch Gemeindeversammlungen, Gespräche und Projekte usw. sind wir immer dabei, den Architektenplan Gottes zu realisieren. In dieser Spannung von dem Schon-und-noch-nicht werden bleiben bis ans Ende der Zeiten. Ja, wir sind Gottes Kirche: Hier ist Wort und Sakrament; hier ist Lobpreis und Gebet; hier im Gottesdienst, in der Gemeinde kann man Gott begegnen; hier ist Christus als das Fundament des Lebens; hier ist uns schon der Himmel geschenkt worden. Und: Nein, wir werden ständig erneuert; wir sind noch Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten.
Und nun der Aufruf des Apostel Paulus: Wir sind alle Gottes Mitarbeiter in Gottes Bauprojekt. Da ist nicht einer, der müßig herumsteht und nichts zu tun hätte.
Gut, hier im Korintherbrief schreibt Paulus: Wir Apostel sind die Mitarbeiter, und ihr als Gemeindeglieder seid das Bauprojekt. Aber das schreibt Paulus hinsichtlich der Anfänge der Gemeinde und hinsichtlich der Spaltungen, die in der Gemeinde entstanden.
Hinsichtlich den Anfängen in der Gemeinde war es klar: Ich Paulus habe euch das Evangelium gepredigt und ihr seid zum Glauben gekommen. Ich habe das Fundament gelebt – und das ist Christus. Und nun kamen andere Apostel, die haben weiter gebaut, weiter gepredigt. Hinsichtlich den Spaltungen in der Gemeinde sagt Paulus: es ist unsinnig, wenn einige unter euch sagen: Ich gehöre Paulus. Und wieder andere behaupten: ich gehöre zu Apollus oder ich gehöre zu Petrus oder welche Prediger auch immer. Wir Apostel (Prediger) sind nur einfach Mitarbeiter; und ihr als Gemeinde seid Gottes Bauprojekt.
Allerdings, so warnt Paulus, achtet darauf, WAS gepredigt wird. Es gibt Prediger, die euch Heu und Stroh verkündigen. Und da sind Prediger, die Gold und Silber verkündigen. Mit allen diesen Materialen kann man zwar Gemeinde bauen, aber es wird sich mit der Zeit zeigen, welches Material sich bewährt hat, wenn es mit Feuer geprüft wird. Das sind Krisen, wo sich das wahre Evangelium bewähren muss – Zeiten der Verfolgung oder Streitereien oder Pest oder Wirtschaftskrise oder sonst was. Wird die Gemeinde noch weiterhin bestehen können oder wird die Gemeinde auseinanderfallen? Spätestens im Endgericht wird Gott eines jeden Werk beurteilen. Paulus deutet auf einen Trost: selbst wenn das Werk eines Predigers nicht besteht, so wird er doch selbst gerettet werden. Das lassen wir erst mal so stehen, denn das finale Urteil überlassen wir Gott.
Zurück zu den Mitarbeiter in Gottes Bauprojekt. Da packt jedes Gemeindeglied zu. Ein jeder diene dem anderen mit den Gaben, die Gott dir geschenkt hat. Drei Beispiele darf ich hier nennen.
Zum Beispiel: Alle Eltern bauen ihre Kinder im Reich Gottes. Bitte, ihr lieben Eltern, achtet darauf, dass eure Kinder nicht nur lieb und artig und fleißig sind, sondern sie werden für Gottes Dienst in der Welt erzogen. Bittet achtet nicht nur auf Familie und Freunde, sondern sie sind in Gottes Familie integriert. Bittet achtet nicht nur auf Schule und Sport und Spiel, auf Medaillen und Auszeichnungen, sondern unsere Kinder werden zugerüstet, um einmal die Ehre Gottes zu bekommen, um Licht der Welt und Salz der Erde zu sein.
Zweites Beispiel: Ihr lieben, da haben wir auch verschiedene Projekte innerhalb unserer Gemeinde. Wenn z.B. eine Beerdigung stattfindet, dann wird u.a. gebeten, dass Gazibos aufgestellt werden und bestimmte Leute Erfrischungen mitbringen oder der Chor wird singen, usw. Da sollst du nun nicht meinen, du tust nur deine Pflicht – jemand muss es ja tun. Sondern wir haben Gottes Bauplan vor Augen. Unsere Beerdigungen sind auch immer ein kleines Missionsfest. Wir verkündigen Gottes Heil durch Wort und Tat. Dein Dienst ist Gottes Dienst für die Gemeinde und für die Welt. Gottes Tempel wird gebaut.
Drittes Beispiel betrifft die Gemeinde als Ganzes: wir halten ja Gemeindeversammlungen und tun Instandhaltung, machen schöne Musik, usw. Wir streben mit einem Haushaltsplan und mit sonstiger Planung nicht danach, um uns selbst zu erhalten. Sondern wir sind da: Für die Welt. Die Gemeinde ist Gottes Idee, um sein Heil auf verschiedene Weise in unserer Umgebung zu tragen. Darum bringt euch auch ein; lasst euch Wählen auf Komitees in Politik und Wirtschaft, Schule oder soziale Klubs. Da seid ihr als Kinder Gottes und Mitarbeiter in Gottes Reich, welches ja die ganze Welt umspannt. Da musst du rechnen, wie viel Zeit und Geld wird spendiert auf deine Kirche, Familie und Welt. Nicht jeder soll alles tun, aber jeder ein bisschen. Da bitte Gott, um gute Haushalterschaft von deinem Leben.
Wenn dieser Vergleich mit einem Bauprojekt noch nicht reicht, so bringt Paulus noch einen Vergleich mit dem Ackerbau: ihr seid Gottes Ackerfeld. Aha, also Stadtleute sowie auch Landleute können sich gegenseitig gut ausgleichen, einander zu erklären, was passiert da in der Gemeinde. Der Vergleichspunkt ist die Mitarbeit von verschiedenen Stadien des Wachstum. Was nützt ein großes Feld, wenn man nichts damit tut? Der Acker soll bearbeitet werden, gut vorbereiten, Pflanzen und begießen und ernten.
Wir verstehen: aha, wir sind gerufen zu Gottes Ackerfeld – das ist die Welt, das sind Menschen und Aktionen. Wie schon gesagt: wir planen und wir halten Versammlungen. Wir haben einen Haushaltsplan, Planungskomitee, Frauenkreis und Finanzen usw. Das sind alles Aktionen, gut und richtig. Das sind alles Mitarbeiter, die von einander abhängig sind. Der eine Sät, der andere begießt und noch jemand erntet. Aber das Wachstum, was bei herauskommt? – das liegt in Gottes Hand. Ja, dann will Gott seinen Segen auch dazugeben. Niemand kann die Saat wachsen lassen als allein der Schöpfergott. Gott gibt Gedeihen und Frucht.
ERMUTIGUNG für MITARBEITER – so würde ich die Überschrift geben. Deine Arbeit zählt, sie wird von Gott anerkannt und belohnt. Welchen Lohn? … Paulus geht nicht weiter drauf ein. Aber es gibt viele andere Bibeltexte, die von diesem Lohn sprechen: Segen in dieser Zeit, und am Ende der Zeiten wie Jesus im Gleichnis aus Matt 25 erzählt, wo der Herr zu seinem Knecht sagt: Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem getreu gewesen, ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines Herrn Freude!
Nun, wo du weißt wer du bist: Gottes Ackerfeld und Gottes Bau, Gottes Mitarbeiter und Berufen zum Dienst in der Gemeinde und in der Welt. Nun weißt du, dass Gott einen Plan hat und dich mit in seiner Mission gerufen hat, nun tue deine Arbeit fröhlich und gewiss. Sei auch mal bereit, so manches Seufzen zu ertragen. Der Bauarbeiter kommt auch mal ins Schwitzen und der Farmer hat so manche Sorgen, was morgen passieren wird.
Aber welch eine Freude, wenn die Ernte eingebracht wird! Welch eine Freude, wenn ein Gebäude fertig steht und gebraucht werden kann. Welch eine Freude, wenn wir wieder Konfirmation feiern dürfen oder noch ein Sängerfest oder sonstige Feier. Gott gibt die Kraft, seinen Geist. Gott schenkt Wachstum und Gedeihen. Ihm sei Ehre allezeit. Amen.
Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, bewahre eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.
Wochenspruch
Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.
Jesaja 42, 3
Introitus – Nr. 53 (Jesaja 29, 18; Psalm 147, 1)
Epistel
Saulus schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe. Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht. [Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und die Hand auf ihn legte, damit er wieder sehend werde. Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wieviel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat, und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangenzunehmen, die deinen Namen anrufen. Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen. Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich. Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus. Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei.]
Apostelgeschichte 9, 1 – 9 [10 – 20]
Hauptlied
Nun lob, mein Seel, den Herren 368
Evangelium
Als Jesus fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata! das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.
Markus 7, 31 – 37
