Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!
Wie wunderbar, ermutigend klingt dieser Ausruf … hier in der Kirche zusammen mit Glaubensgeschwistern. Laut und fest rufen wir diese Sätze aus. Auch noch vielleicht in der Familie sagen wir es gegenseitig als Gruß am Ostermorgen. Aber dann ist mein Eindruck wird es schon bald leiser, und in der Woche verblasst die Osterfreude schnell wieder im Getümmel des Alltagsstress. Überhaupt ist mein Eindruck, dass weniger und weniger von der „Auferstehung des Leibes“ gesprochen wird – auch bei anderen Christen. Warum?
Nun, von den vielen Gründen nenne ich mal nur zwei.
Erstens meine ich, hat das mit Beerdigungen zu tun, wo man weniger und weniger über den Tod und den Ursachen des Todes spricht. Oft findet man die Ankündigung einer Beerdigung als eine „Feier des Lebens“ (celebration of the life of so-and-so). Also, wir reden nicht gerne über Tod und Trauer, sondern wir freuen uns in Dankbarkeit über das irdische Leben eines Menschen. Bei solch einer Feier werden dann gute Geschichten erzählt, was der verstorbene alles geleistet hatte und wie viel er /sie den Hinterbliebenen bedeutet hat. Wir vermissen ihn / sie. Die verstorbenen leben in unseren Gedächtnis weiter.
Doch, solche Gelegenheiten soll es auch geben, wo wir dankbar zurück schauen, trauern und uns an gute Zeiten erinnern. Aber wir Christen sind besonders zukunftsorientiert. Wir blicken auf das Kreuz und den Auferstandenen! Wir bekennen: Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige, christliche Kirche … Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben! Wir sagen bewusst: Auferstehung des Fleisches – weil die Bibel mit „Fleisch“ meint: dieser Körper, den wir wie ein Saat in die Erde pflanzen, dieser zerbrochene Leib mit allen Fehlern und Gebrechen wird auferstehen. Es wird auferstehen und herauskommen ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Heilig vor Gott lebe ewiglich. Das ist eine radikal andere Betonung als „celebration of the deceased“.
Der andere Grund, warum immer weniger von der Auferstehung geredet wird, ist, dass man sich das so schwer vorstellen kann. Wir hören ja meistens nur Stimmen von Menschen, die ein naturalistisches Weltbild folgen = es gibt nur diese Natur. Was wir nicht in der Natur sehen, messen oder erfahren können, wir automatisch von seriösen, wissenschaftlichen Weltbild ausgeschlossen. Man sagt: was es nicht gibt, kann es nicht geben. Man sagt: es ist noch nie jemand vom Tod auferstanden; sowas kann es nicht geben. Und außerdem: Wie soll ein toter, verwester Leib je wieder zu Fleisch und Blut werden, mit Herzklopfen, Haut und Haren. Und was soll das auch, dass man wieder als Mensch wieder so weiter lebt, wie bisher?
Da antworten wir Christen: Nein, die heilige Schrift bezeugt uns: Es wird ein verherrlichter Leib sein, eben nicht biologisch. Sonst wäre es ja wieder ein sündlicher, gebrechlicher Leib. Nein, die Auferstehung des Leibes wird ein transformierter, neuer Leib sein, So hat es auch Paulus in diesem Kapitel erklärt. Es wird gesät ein irdischer Leib, und wird auferstehen ein verherrlichter Leib, der die Fähigkeit hat, in die Ewigkeit einzugehen. Ihr seht doch, die Saat, die gepflanzt wird, wird keimen und heraus kommt eine neue Pflanze, eine neue Art, eine neue Gestalt. Und die neue Art kommt von Gott. Aber weil die Naturwissenschaft nicht mit Gott rechnet – es gibt nur die Natur – darum wird Gott, das Übernatürliche gleich verdrängt.
Tja, und weil das so schwer vorstellbar ist, darum schweigen viele Christen immer mehr.
Wir wollen nun weiter dieses Auferstehungsleben besser kennenlernen und brauchen dazu viel Zeit. Paulus hat sich viel Zeit genommen und ist in 1.Kor 15 mal bissen tiefer drauf eingegangen. Fast 60 Verse lang; wir könnten einige Wochen lang damit verbringen.
Zunächst erklärt Paulus, dass die Auferstehung Jesu eine historische Tatsache / Wahrheit ist. Es ist wirklich dann und dort geschehen, wie wir’s in den Evangelien lesen. Das Grab ist leer! Wir haben vorhin von den Frauen gelesen, die ihn gesehen haben; und die Apostel haben mit den Auferstandenen Herrn gegessen. Noch 40 Tage lang zwischen Auferstehung und Himmelfahrt ist Jesus noch mehrmals den Jüngern erschienen, mal für längere Zeit, mal nur kurz. Was muss das für eine faszinierende Zeit gewesen sein – diese 40 Tage lang. Paulus gibt uns eine Liste von Augenzeugen; bei einer Gelegenheit waren 500 Menschen zusammen und haben Jesus gesehen und gehört. Ja, es waren mehr als diese, die er hier nennt, aber immerhin macht Paulus den Korinthern klar: viele dieser Augenzeugen leben noch. Ihr könnt hingehen und sie fragen.
Die Auferstehung Jesu kann kein Traumgesicht, keine Vison oder Einbildung von einer Einzelperson gewesen sein, denn viele haben zu verschiedenen Zeit an verschiedenen Orten Jesus gesehen, gehört, ihn sogar angefasst.
Es kann auch keine Verschwörung von den Jüngern gewesen sein, die unter sich beschlossen hätten, sie wollen eine neue Religion anfangen. So ein Blödsinn, die Kritiker immer noch uns Christen entgegenhalten. Paulus geht darum über in die negative Seite, die wir ja heute auch zu gut kennen.
Leute sind auch heutzutage festgefangen in einem geschlossenen Weltbild. Sie sagen logischerweise kann es keine Totenauferstehung geben, denn ist doch klar: was tot ist, ist tot. In dieser Welt gab es noch nie eine Auferstehung. Solche Leute anerkennen nicht die andere göttliche Wirklichkeit, verstehen nichts von Ewigkeit und wollen auch nichts von geistlicher Realität hören.
Paulus argumentiert mal umgekehrt: Gibt es keine Auferstehung, dann kann logischerweise Jesus ja auch nicht auferstanden sein. Ist aber Christus nicht auferstanden, dann werden auch wir auch nicht auferstehen, dann würde mit unserem Sterben ebenfalls alles aus, Schluss, vorbei sein. Dann gibt es nichts zu hoffen. Mehr noch, dann seid auch ihr, sagt Paulus, immer noch in euren Sünden. Warum das?
Weil der Kreuzestod Jesu die Vergebung der Sünden bedeutet. Gott gibt Anerkennung an diesen Kreuzestod Jesu, indem er Jesus von den Toten auferweckt hat. Wenn aber Jesus nicht auferweckt wurde, dann wäre das Kreuz sinnlos, gibt es keine Sündenvergebung, dann bleibt ihr in euren Sünden.
Und dann fügt Paulus noch ein Argument dazu: dann sind wir, die wir die Auferstehung verkündigen, Lügner. Dann sind wir ja selbst in einer Phantsiewelt gefangen und man muss uns Verrückten schon bemitleiden.
Und dann unser Textabschnitt: Nun aber ist Christus auferstanden. Er lebt! Das macht alles, alles anders. Eine neue Welt tut sich uns auf. Die Horizonte werden geöffnet und der Himmel kommt zu uns. Halleluja.
Und nun geht Paulus positiv darauf ein, WAS denn nun alles anders ist, seit dem Christus auferweckt wurde. Er sagt: der Tod ist nicht mehr der Tod. Und das Ende ist nicht mehr das Ende wie wir es vorher dachten. Und unser Körper ist gar nicht nur biologisch, sondern auch geistlich und er wird ein verklärter Leib werden, wie Christus jetzt schon ist in seinem perfekten Körper. Und noch vieles mehr – alles sieht auf einmal anders aus im Lichte der Auferstehung und der Ewigkeit.
Wie ist das denn mit dem Tod und der Auferstehung? Paulus sagt: vielleicht können wir dem Geheimnis etwas näher kommen, indem wir Jesu Auferstehung mit der ersten Ernte vergleichen. Jesus war der “Erstling” – da steht im Griechischen nicht “Erstling” sondern “die erste Frucht”, die erste Ernte. Paulus beginnt, indem er die Hoffnung weckt.
Seht, in der damaligen Welt gab es das Fest der ersten Früchte. Zur Erntezeit wurden die ersten paar Früchte – was immer es auch war: Korn oder Oliven oder Trauben – die wurden als Erntedankfest zum Tempel gebracht oder sonst wo, wo Kollekten eingesammelt wurden. Die erste Ernte bedeutet ja, es folgt die ganze Ernte, es geht los, halleluja, wir können wieder unsere Scheunen füllen, wir haben zu essen, wir dürfen leben.
Jesus Christus ist wie die erste Ernte, die Gott in seine Himmelscheune eingebracht hat. Jesus ist der erste Mensch von Gott auferweckt und nie mehr stirbt – und das ist die Garantie dafür, dass der Rest der Ernte eingesammelt wird. Die Auferstehung Christi ist unsere Garantie, dass wir ebenfalls auferweckt werden. Darauf kannst du dich verlassen! Es wird geschehen!
Auch im Kolosserbrief und im Buch der Offenbarung wird Jesus beschrieben als der Erste, der mit uns entschlafen ist und der Erste, der zur Ewigkeit auferweckt wurde.
Nun mögen sich die Leute in Korinth gedacht haben: ok, wir akzeptieren, dass Jesus auferweckt wurde, aber was hat das mit uns zu tun?
Paulus geht über zu seinem zweiten Argument. Er erklärt: was ein Mensch tut, hat einen Effekt auf andere, nicht wahr? Wenn meine Frau und ich uns verlieben und eins werden, dann wird ein Kind geboren. Und das Kind hat die DNA-Eigenschaften von Vater und Mutter, nicht wahr? (und alle Menschen, die vor uns gewesen sind – die gleiche Art)
So z.B. was Adam (und Eva) im Paradies getan haben, hatte einen Effekt auf die ganze Menschheit. Wir haben die gleichen Eigenschaften, wie Adram und Eva; wir leben nun alle “jenseits Eden”, außerhalb dem Paradies. Wir müssen in unseren Sünden sterben wie es schon seit Adam her immer so gewesen ist. Adam war nicht nur historisch der erste Mensch, sondern Adam steht hier für das menschliche, sündliche Wesen. Wir sind alle menschlich, sündlich – und werden darum in unserem Adam-dasein dás empfangen, was Adam bekommen hat – wir werden sterben müssen.
Im Gegensatz dazu hat die Auferstehung Jesu den Effekt, der ebenfalls zu allen Menschen durchdringt. In der Verbundenheit mit Christus bekommen wir sein Wesen, seine Heiligkeit und Gerechtigkeit. Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe Neues ist geworden 2.Kor.5:17 Somit bekommen wir in unserem Christus-dasein dás, was Christus bekommen hat – Ewiges Leben.
Wir sehen also die Reihenfolge, chronologisch und geistlich nacheinander: Adam als erster Mensch sündigte – danach alle Menschen. Jetzt aber zuerst Christus, der Gerechte – danach alle Menschen, die mit Christus verbunden sind. Logisch, wie sonst?
Und nun folgt eine kurze Andeutung von den Dingen, die am Ende alle passieren werden, worauf ich nun leider aus Zeitgründen nicht eingehen kann, denn: was alles am Ende passieren soll, wird in der Schrift immer nur andeutungsweise umschrieben, sodass wir uns nur schwierig ein ganzes Bild malen können. Wir lassen es dabei beruhen mit den einzelnen Sätzen, die Paulus uns hier gibt:
Wenn die Auferstehung geschieht, plötzlich und gewaltig, wird das Ende kommen. Christus war schon die ganze Zeit dabei, seine Feinde zu überwinden. Das tut Gott, indem ER Menschen sterben lässt. Der Tod steht im Dienste Gottes, alle Menschen gleich zu machen; alle haben gesündigt und werden alle sterben. Gott setzt auch den Tod ein, seine Feinde zum Schweigen zu bringen. Aber der Tod selbst ist auch ein Feind Gottes, denn wir wissen, dass Gott das Leben geben will. Am Ende wird auch der Tod zum Schweigen gebracht. Er, der Tod, der alles menschliche, sündliche verstummen lässt, wird selbst auch vernichtet werden. Und Christus wird alle Herrschaft an seinen himmlischen Vater übergeben, damit Gott sei alles in allem.
An anderen Stellen der Bibel wird von einem neuen Himmel und einer neuen Erde gesprochen. Wir, die wir uns versuchen vorzustellen, kommen nicht weit. Du und ich müssen auch nicht alles genau in Detail wissen, denn das Wichtigste ist dir klar und deutlich vor Augen: Verbunden mit Christus gilt auch dir das himmlische Ewige Leben.
Mit der Auferstehung Jesu wird alles anders. Du und ich, wir werden uns wiedersehen, in diesem oder in jedem Leben. Ist Christus mit mir im Leben und im Sterben, dann darf ich getrost auch loslassen, wenn es soweit ist. Noch sind wir aufgerufen, mit den uns anvertrauten Gaben zu wuchern, zu arbeiten, zu dienen, aber eines Tages dürfen wir Heimgehen. “Die Feinde” um uns, wie oft die Mächte beschrieben werden, müssen irgendwann schweigen und Gott wird seine Gerechtigkeit walten lassen. Wir brauchen nicht Rache und Vergeltung unbedingt in diesem Leben; es kommt der Tag des Gerichts. Und Gottes Herrlichkeit wird leuchten wir 1000 Sonnen und wir werden bei IHM sein, wir Luther im Glaubensbekenntnis sagt: in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit.
In diesem Sinne: gesegnetes Auferstehungsfest. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Wochenspruch
Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. Offenbarung 1, 18
Introitus – Nr. 29 (oder Nr. 30, oder 31) (Lukas 24, 6 u 34; Psalm 118,
Epistel
Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr’s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt. Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
1. Korinther 15, 1 – 11
Hauptlied
Christ lag in Todesbanden 181
Erschienen ist der herrlich Tag 183
Evangelium
Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und den Leichnam Jesu zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.
Markus 16, 1 – 8
