Predigt | Was meinen wir eigentlich, wenn wir das Wort „Gott“ sagen? | Trinitatis 2025

Am Trinitatisfest betrachtet die Predigt den einzigartigen dreieinigen Gott: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Paulus ruft die Gemeinde auf, sich mahnen zu lassen, einmütig zu sein und den Frieden zu suchen, damit der Gott der Liebe und des Friedens bei ihnen ist. Die Predigt zeigt den Anspruch Gottes, der den Menschen zu sich ruft, den Auftrag, als geheiligte Menschen in der Welt zu wirken, und den Aufblick zur himmlischen Gemeinschaft. Der Segen Gottes begleitet die Gläubigen in ihrem Leben und ruft sie zur Einheit, zur gegenseitigen Liebe und zur Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat.


Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinen Wegen. Paulus schreibt:

11Zuletzt, Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. 12Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. 13Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

(Luther 2017)

Wir beten: Herr Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, wie gar unbeschreiblich sind deine Wege und unergründlich ist dein Wesen. Und dennoch willst du, dass wir die Wahrheit erkennen, denn die Wahrheit wird uns frei machen. Öffne uns Ohren und Verstand, dass wir dein Wort richtig verstehen, denn ohne dich können wir nichts tun. Verherrliche DU dich selbst in uns, denn dein Wort ist Leben und Seligkeit. Amen.


Liebe Gemeinde,

welche ein gewaltiger, überwältigender Gott! Immer wieder unterbricht Paulus seine Schreiben an die Gemeinden mit Lobpreis und Gebeten. Wir haben ja so kaum eine Ahnung, wer uns hier begegnet: Der Gott des Himmels und der Erde; der Gott, der alle Macht hat in der sichtbaren und unsichtbaren Welt; der Gott der auch mich jede Millisekunde durchschaut und mich unendlich liebt mit einer grenzenlosen Liebe.

Oder müssen wir uns selbst erst mal unterbrechen und fragen: Was meinen wir eigentlich, wenn wir das Wort „Gott“ sagen? Da gibt es ein Heer von Menschen, die zucken nur die Schultern und behaupten: Gott? – das ist eine ausgedachte Idee von Menschen; sowas unsichtbares, allumfassendes gibt es nicht.

Andere wiederum behaupten: Einen Gott, den man beschreiben kann (wie wir Christen in den 3 altkirchlichen Bekenntnissen tun), kann es nicht geben, denn Gott ist unbeschreiblich; ER ist eine Macht oder etwas. Und was man nicht sehen oder messen kann, ist eben unbegreiflich – und damit betrifft es mich auch nicht weiter.

Noch andere betonen: Wenn man so etwas wie „Gott“ kennenlernen wolle, müsse man in sich selbst gehen, meditieren; oder die Kräfte in der Natur genaustens beobachten – daraus könne man auch ethische Lebensweisen ableiten und auch Techniken entwickeln, wie diese Mächte kontrolliert werden können. … so kann die Liste fortgesetzt werden.

Jedes Mal, wenn ich mir mal Zeit nehme, andere Gottesvorstellungen anzuhören, dann entstehen komische Gefühle in mir. Da empfinde ich tiefe Demut – wieso darf ich Einblick bekommen in DEN Gott, den mir die Bibel beschreibt? Da antwortete Petrus: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Und Jesus reagiert sofort: Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. / Also mit anderen Worten: das kann kein Mensch von sich aus entdecken, sondern das ist Offenbarung durch den Heiligen Gott für dich persönlich. (Matt 16:16f) Und dann sage ich stille (manchmal laut singend): danke, danke, danke!

Wiederum werde ich erinnert an den großen Auftrag Jesu nach der Auferstehung: Darum, darum weil mir Jesus, alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist, darum geht hin in aller Welt. Macht zu Jüngern alle Völker, indem ihr sie tauft in den Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes; und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe; und siehe, ich Jesus, ich gebe euch den Heiligen Geist, denn ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matt 28:28 & Joh.14)

Seht, liebe Gemeinde, das nenne ich mal das trippelt AAA – Anspruch, Auftrag und Aufblick. Das ist es, was einen Christen ausmacht, wenn wir von „Gott“ reden. Und jeden dieser Stichwörter können wir jeweils in zwei Teilen.

Der Anspruch – das bedeutet zuerst Gott ist Gott! So ist das. Wie Jesus hier deklariert: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (Da gibt es ähnliche Aussagen durch die ganze Bibel.) So ist das – ob wir das wahr haben wollen oder nicht; ob wir was dabei fühlen oder nicht; das ist eine Tatsache.

Aber wenn Gott das beansprucht, zu sein, bedeutet zugleich auch: Ich bin ein Gott, der dich anspricht. Ich, der Gott, der in allem ist und durch allem wirke, ICH spreche zu dir. Du bist Mensch, mein Ebenbild. Dich habe ich geschaffen, erlöst und geheiligt. Du stehst jetzt vor mir. Und im Gegenüber gehörst du zu mir. Und indem ICH, Gott, dich anspreche, bist du wahrlich Mensch. Das Wort macht dich zum Menschen. Das Gespräch macht deutlich, dass wir zueinander gehören. Und ich Gott sage dir jetzt: Ich, Gott, bin heilig, und du sollst auch heilige sein.

Das bringt uns zum zweiten: Der Auftrag. Wiederum teilen wir das in zwei Punkte. Zunächst erkennen wir: Wenn Gott uns heiligt – wie ER das tut? Nämlich durch seinen Sohn, Jesus Christus, für uns Mensch geworden, gelebt, gekreuzigt, auferstanden und aufgefahren gen Himmel. Dieses Heil, dass Christus nun erworben hat, transportiert der Heilige Geist nun zu uns, in dir und mir, damit auch wir heil werden. Sind wir aber heil geworden von Sünde, Tod und Gericht, dann sind wir wie Christus: heilig.

Sind wir aber heilig, so auch befähigt nun DAS zu tun, was Christus tun: wir gehen in aller Welt und leben, wie Christus lebt in der Kraft des Heiligen Geistes in dem Willen des Vaters. Das ist der Auftrag. Es drängt uns der Geist, unser Leben und diese Welt zu gestalten, wie Gott es schon immer wollte.

Und das bringt uns zum dritten: Der Aufblick. Unser Dasein zentriert nicht mehr um „ich, meiner, mir, mich“, was ich will, individualistisch, sondern was Gott will. Da ist die Gemeinschaft zwischen mir und Gott. Und (ganz wichtig) da ist die Gemeinschaft zwischen mir und meinen Mitchristen – die Einheit in der Gemeinde. Zusammen blicken wir auf zu DEM, der da war und der da ist und der da kommt.

Der Anspruch Gottes – du gehörst zu MIR, führt zu dem Auftrag: macht alle Menschen zu Jüngern!, führt zu der einen heiligen, christlichen Kirche, wo alle Gläubigen aller Zeiten aus allen Orten vor dem Thron des Lammes aufblicken und IHM Ehre, Preis und Anbetung geben.

Jetzt lasst uns nochmal den Text hören, wie Paulus das beschreibt: 11Zuletzt, Brüder und Schwestern, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. 12Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. 13Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

Spüren wie, wie diese Worte anfangen zu leben?

Heute feiern wir Trinitatisfest. Es ist das Fest, das sozusagen zusammen fast, was wir in der ganzen ersten Hälfte des Kirchenjahres jeweils einzeln betont haben: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wir bekennen uns jeden Sonntag als Menschen, die zu diesem Gott gehören mit Worten des Apostolischen Glaubenskenntnis. Er ist der Schöpfer, Erlöser und Heiligmacher.

Dazu an Festtagen sprechen wir zusammen mit der ganzen Christenheit auf Erden das Nizänische Glaubensbekenntnis. Gerade in diesem Jahr, in diesem Monat Juni feiern wir 1700 Jahre Nizäa. Da möchte ich gerne eine Ankündigung machen: Machen wir noch einen Lehrgottesdienst, um das hervorzuheben und ins Bewusstsein zu rufen, womit die Kirche 4 Jahrhunderte gerungen hat: Wie ist das denn nun mit dem Vater, Sohn und Heiligen Geist? Welche Natur haben jeweils diese drei Gottheiten und sind doch der eine Gott?

Und heute haben einige Auszüge aus dem dritten großen, allgemeinen Athanasianischen Glaubensbekenntnis gehört aus dem 5. Jahrhundert. Ja, bis heute wird damit gerungen: Vater, Sohn und Geist – wie passt das zueinander? Denn in der Bibel haben wir keine Lehre der Drei-einigkeit. Wir finden viele trinitarische Aussagen wie diese, oder wie letzte Woche, wo Jesus sagte: Ich werde den Vater bitten, und ER wird euch den Geist senden, den Geist der Wahrheit, den Tröster oder Beistand. Und auch die Christenheit präsentiert zunächst kein Lehrsystem von einem Drei-einigen Gott, sondern ein Bekenntnis.

Die Christenheit bezeugt: SO, auf diese Weise hat sich Gott offenbart. Wir Christen sprechen von DEM, was Gott tut. Sein Wort ist seine Tat für mich. Wir Christen reden von der Gnade, die Jesus Christus uns schenkt. Wir Christen leben die Liebe, die uns Gott ins Herz gelegt hat. Und wir Christen leben in der Gemeinschaft, in der Einheit, zu der uns der Heilige Geist berufen hat. Unsere Taten sind unser Zeugnis, von DEM, was wir glauben. Und unser Glaube kommt aus dem Zeugnis der Heiligen Schrift. Und die Bibel kommt von Gott selbst – das ist’s was wir bezeugen.

Nun noch einen letzten Gedanken. Dieser Abschlussvers des 2. Korintherbrief war auch der Anfangsvers (oder sehr ähnlich formuliert) von vielen Briefen des Paulus. Es ist der Rahmen, in dem sich Christen bewegen. Es ist der Segen, in dem wir leben. Auch am Ende von jedem Gottesdienst erhebt der Pastor die Arme und spricht im Namen des Drei-einigen Gottes den Segen: Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir seinen Frieden!

Mit diesem Segen werden wir angesprochen. Es ist ein Zuspruch – so ist das jetzt! Du hast jetzt Gottes Versprechen; seine Gegenwart geht mit dir.

Und nun folgt der Auftrag: Geh nun auch in dieser Kraft und sei anderen zum Segen. Bei ist die Gnade – gönne sie anderen Menschen, indem du nun auch vergibst, wie dir vergeben worden ist. Sei barmherzig gegenüber denen, die es nicht verdient haben. Und die Liebe Gottes in dir – gebe sie auch weiter in deinen Taten der Liebe. Zeige auch anderen dein freundliches Angesicht.

Und die Einheit in Christus ist vorgegeben – nun lebt auch in dieser Gemeinschaft, die der Heilige Geist gibt. Und macht Frieden untereinander, soweit es möglich ist. Das heißt nicht, dass wir uns niemals streiten dürfen – selbstverständlich müssen manchmal auch harte Worte gesprochen werden, wie Paulus es auch in seinen Briefen tut. Aber Zurechtweisung hat gerade zum Ziel, dass wir wieder zum Frieden kommen, zu dem wir berufen sind. Alle von uns wissen das, dass manche Dinge kompliziert sind und es Zeit brauch, bis wir zu einem Entschluss kommen können. Aber hier ist keiner, der der Gemeinde den Rücken zuwendet und einfach schimpfend weggeht. Nein, wir gehören zusammen, in den einen Leib Christi, seine Gemeinde, zu der auch du und ich berufen worden sind in den einen Leib und ein Geist, eine Hoffnung, ein HERR, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch allen und durch euch alle und in euch allen. (Epheser 4:4-6).

Zusammen geben wir IHM Ehre, Lob und Anbetung jetzt und allezeit. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als aller Verstand, bewahre eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus, unseren Herrn. Amen.


Wochenspruch

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Römer 12, 21

Introitus – Nr. 62 (Jesaja 41, 10; Psalm 18, 31)

Epistel

Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und an den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

Epheser 6, 10 – 17

Hauptlied
O König Jesus Christus 267
Ach Gott vom Himmel sieh darein 246

Evangelium

Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.” Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. Ihr habt gehört, dass gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben” und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Matthäus 5, 38 – 48


liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: Röm 12,21

Wochenpsalm:

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: Eph 6,10-17

Evangelium: Mt 5,38-48

Predigttext: Mt 10,34-39

Wochenlied: 273 und 377


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).


I(Evangelium): Mt 5,38-48

II: Eph 6,1-10

III: Mt 10,34-39

IV: Jer 29,1.4-7.10-14

V: Joh 15, 9-12 (13-17)

VI: 1. Kor 12,12-14.26-27