Predigt – Wer ist Gott für dich? 06. Sonntag nach Trinitatis 2026

Liebe Gemeinde.
Wenn zwei Menschen sich lieben, beschreibt einer manchmal den anderen als: Das ist der Auserwählte; es ist mein Geliebter / meine Geliebte. Diese Beschreibung ist eine der passenden Möglichkeiten, die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk zu definieren. Aber anders als bei der Entscheidungsfreiheit zweier Menschen bei einer Verlobung oder Hochzeit entschied in diesem Fall allein Gott, einen Bund zu schließen – ohne Israel überhaupt zu fragen. Reine Liebe sprach aus diesen Versen. Auch wenn ein geliebter Mensch immer noch würdig sein kann, geliebt zu werden – vielleicht gab es bestimmte Eigenschaften, die besonders geschätzt werden – hatte Israel nichts vorzuweisen. Durch reine Gnade hatte Gott ein Volk aus allen Nationen auserwählt, um ihnen seine Gnade zu zeigen. Ja, vielleicht gerade weil sie so schwach und bedeutungslos waren, strahlte Gottes Gnade noch heller hervor. Israel, das versklavte Volk unter den Ägyptern (später die Aramäer und Babylonier und dann die Römer) wurde ausgewählt. Tatsächlich eines der am wenigsten geachteten Völker unter allen Nationen. Gott hat ein bestimmtes Volk auserwählt und es zu seinem eigenen gemacht.

Und so wie Gott Israel segnete, so sollte Israel ein Vorbild sein für alle anderen, damit auch sie endlich zum Gott der Gnade und Liebe gelangen. Würden sie kommen? Würde Israel für andere Völker vorbildlich leben? Würde Israel die Gnade vergeuden? War Israel also das ideale Volk für die Welt?

Heute denken wir bei diesem Gottesdienst speziell an die Taufe. Bei jeder Taufe in einem Gottesdienst geschieht etwas Besonderes: Die Gemeinde bekennt gemeinsam, aus einem Mund das Apostolische Glaubensbekenntnis – der Glaube, in dem wir getauft wurden und hoffen, eines Tages zu sterben.
Und heute wird jemand in der Taufe bestätigt / konfirmiert. Nein, wir wiederholen die Taufe nicht; zu der Taufe wird auch nichts hinzugefügt, aber Gottes Verheißungen werden wiederholt – sozusagen ein Deutero-Taufe. Es wird erneut betont, was Gott bereits getan hat, und es wird bestätigt.
Und wieder spricht die Gemeinde das Apostolische Glaubensbekenntnis, als würde es aus einem Mund gehen. Das Apostolische Glaubensbekenntnis an sich ist DAS Bekenntnis, in dem wir getauft werden, wie wenn wir ein Haus betreten – wenn wir hineingegangen sind, sind wir darin. So werden wir auch durch die Taufe in den Drei-einigen Gott aufgenommen – jetzt sind wir darin in IHM. Das ist es, was wir glauben, und das ist das Glaubensbekenntnis des Christentums. Es ist das Merkmal, das Banner, das Fundament und die Hoffnung aller, die sich Christ nennen. Das Apostolische Glaubensbekenntnis drückt treffend aus, was wir an den dreieinigen Gott glauben: Er ist unser Schöpfer, Retter und Vollender.

Wir glauben weiter: Er ist Alpha und Omega, der Anfang und das Ende aller Dinge.
Wir als Menschen sind nicht der Anfang und wir werden nicht das Ende sein. Tatsächlich haben wir Menschen kein Recht, zu Gott zu kommen. Wenn die Bibel uns die Paradiesgeschichte beschreibt, leben wir “jenseits von Eden”. Wir wurden uns selbst überlassen; unsere sündhafte Natur beherrscht unsere Gedanken und Handlungen. Wir sprechen von der Erbsünde, oder besser gesagt von der Ursünde.
Das Taufthema wird als Predigt-Thema besonders hervorgehoben, um das Wunder des dreieinigen Gottes zu unterstreichen. Durch die Taufe wurden wir wieder unter Gottes Herrschaft gebracht. Wir werden in den neuen Bund hineingezogen, den Gott geschlossen hat. Die Taufe ist Gottes Akt der Wiedererschaffung für ein neues Gottesvolk; es ist die Wiedergeburt.
Ohne Taufe müssen wir feststellen: Alles, was wir im Allgemeinen als Geschöpfe Gottes leben, ist das alte Leben, der alte Gedanke, die alten Gewohnheiten; aber alles, was wir seit der Taufe erleben, kommt aus der neuen Geburt, ist die neue Lebensweise, der erneuerte Geist, die neue Kirche. Und heute wird uns eine weitere Erklärung präsentiert: Die Taufe ist der neue Bund.

Schauen wir uns den alten Bund an, wie wir ihn aus Deuteronomium 7 lesen. Es gibt einen Vers, der heraussticht: Du musst wissen, dass der Herr, dein Gott, tatsächlich Gott ist. Warum? Denn wie du dir Gott vorstellst, das bestimmt dein ganzes Wesen und deinen Lebensweg.
Schließlich ist der Hauptzweck der Bibel, uns zu offenbaren, wer Gott ist. Durch das Lesen dieses Buches (die Bibel) wirst du erfahren: Wer ist dieser Gott und was tut ER für mich? Natürlich sagt dieses Buch nicht alles, denn Gott ist allumfassend, in sichtbarer Realität und übernatürlich, viel größer, als wir Menschen je begreifen können. Aber dieses Buch liefert wesentliche und ausreichende Informationen, damit du und ich ein wahres, erfülltes Leben für Zeit und Ewigkeit empfangen.

Das Wunder des Wortes ist dreifach: Es schafft die Offenbarung, es erschafft Realität, und es erhebt Anspruch.

(1) Der erste Punkt ist ziemlich offensichtlich: Gott spricht, und jetzt können wir etwas über Gott wissen. Ohne Gottes Sprechen hätten die Menschen für immer nur ein Gefühl göttlicher Macht. Ja, zugegeben, Gott offenbart sich auch in der Schöpfung – alle Nationen und Religionen können etwas von Gott sehen und seine Werke bewundern. Aber: Wer Gott ist und was Er tut – das wird offenbart. Gott spricht durch sein Wort, die Bibel – da hast du es.

(2) Der zweite Punkt ist jedoch noch wichtiger zu verstehen: Wenn Gott spricht, dann geschieht etwas. Wie Gott am Anfang der Schöpfung sagte: Es werde Licht, und es war Licht! – so spricht Gott durch alle Zeiten … und es geschieht!

Heute beschäftigen wir uns mit einem solchen Wort. Dort sagt Gott: Ihr seid mein Volk! Und dann gibt es ein Gottes Volk.
Gott spricht klar und unmissverständlich durch sein Wort im Gott-Mensch Jesus Christus. Dieses Wort gibt der Welt, dir und mir, das wahre, rettende Leben. Wie schenkt Jesus Leben? Er sagt es!
Wenn z.B. Jesus zu dem gelähmten Mann sagt, der von vier Freunden durch das Dach zu seinen Füßen gelegt wird: Deine Sünden sind dir vergeben! – dann werden sie sofort vergeben. Wenn Jesus nach seiner Auferstehung mitten unter den Jüngern steht und sagt: Friede mit euch! – dann ist der Frieden Gottes gegenwärtig – dort und dann. Gottes Wort schafft Realität, schenkt Leben und schafft Beziehungen, wie es nur Sein Wort tun kann.

Und weil uns dieses Wort in der Bibel gegeben ist, sagen wir daher: Nur die Schrift ist Gottes Wort. Das lebendige Wort Gottes wurde für uns niedergeschrieben. Aber wir behalten im Hinterkopf: Es ist Gottes Wort, das ausgesprochen wird, sodass es auch heute, hier und jetzt seine lebenserschaffende Kraft verleiht.
Als Jünger können wir also gleichermaßen das Wort Gottes in den Mund nehmen und zueinander sprechen, wie heute Morgen im Gottesdienst. Dort sagte der Pfarrer: Der Herr sei mit euch! Und ihr als Gemeinde antwortet: ” Und mit deinem Geist.” Dann ist dieser Gruß nicht nur ein Gruß, wie wir sagen: “Guten Morgen” oder “Hallo”, sondern das Wort erschafft die Realität: Gott ist jetzt wirklich unter uns.
[Corl-Bee, wenn du heute niederknist und dir die Hand auf deinen Kopf gelegt wird und du gesegnet wirst, dann bist du gesegnet!]

(3) Das führt uns zum dritten Punkt: Wenn das WORT gesprochen wird, geschehen nicht nur Dinge, nicht nur wird Realität erschaffen, sondern das Wort erhebt auch den Anspruch: Jetzt lebe in meinem Bund!

Ich wiederhole:
Das Wort soll nicht nur eine psychologische, emotionale Wirkung haben; wir sagten: Das Wort erschafft die Realität. Egal wie ich mich fühle, meine Situation ändert sich also. Wenn ein Richter ein Gerichtsurteil fällt – unabhängig davon, wie sich die Angeklagte fühlt, gilt das Urteil des Richters. Oder wie wenn ein rechtlich Dokument unterschrieben wird – dann gibt es Konsequenzen. Eine abgeschlossene Transaktion hat nur dann Sinn, wenn der Inhalt auch durchgeführt wird– sonst hilft die Unterschrift auf dem Papier gar nichts, wenn niemand darauf achtet.

Das Wort sprich uns an. Und nun erhebt es den Anspruch, beansprucht zu werden. Da ist eine Erwartung der Auswirkung des Wortes. Gott spricht zu mir – und deshalb beansprucht auch Gott mich. In unserer Passage spricht Gott: “Ihr, Israel, ihr seid heilig. Deshalb… (Nun gibt es Konsequenzen:) Hört auf meine Gebote, denn sie helfen euch, heilig zu sein.”
Und umgekehrt: Weil der Herr mir die Treue geschworen hat, kann auch ich beanpsruchen, dass der Herr tun wird, was er gesagt hat. Deshalb ruft der Psalm unaufhörlich zum Herrn: Komm in meinem Leid zu meiner Rettung um deines Namens willen.

Du erinnerst dich an den Vers, den jeder auswendig kennen sollte: Ps. 50,15 Rufe mich an in der Not: Ich werde dich erlösen, und du sollst mich preisen. Ähnlich sagt derselbe Psalm:
Sei Gott dankbar und leiste dein Gelübde dem Allerhöchsten; und Gott sagt:
Derjenige, der Dankopfer darbringt, ehrt Mich; und derjenige, der meinen Wegen folgt, den werde ich mein Heil genießen lassen.

Ist das nicht dasselbe, was der Herr hier bereits in 5. Mose 7 sagt? Der Abschnitt beginnt in Kapitel 6, tatsächlich aber viel früher – mit Abraham, dem Herr Gott ein gelobtes Land versprochen hat. Während des Exodus aus Ägypten wurde das Wort erfüllt. Und Gott versucht jetzt, ein ganzes Volk erkennen zu lassen, dass es Er ist, und niemand sonst, der Anspruch erhebt, das sein Volk tatsächlich auserwählt ist, dass die Menschen tatsächlich ANDERS leben sollen, als alle Völker um sie herum.

Dasselbe Prinzip gilt für den Neuen Bund, die Taufe. Gott gibt Seine Versprechen: Ich habe dich erlöst! Du gehörst mir. Ich, der Herr, dein Gott, übernehme auch Verantwortung für dein Leben und deinen Sterben. Ich gebe dir das Heil für Zeit und Ewigkeit.
Und nun folgt der Anspruch in der Form eines Befehl: Lebe jetzt in meinem Bundes!

Am Anfang sagte ich: Aus diesen Worten sprudeln Liebe und Gnade. Gott zeigt uns seine Liebe durch die Tatsache, dass Jesus für uns starb, als wir noch Sünder waren, als wir nichts wussten. Aber jetzt, wo wir es wissen: Wir sind sein auserwählter Geliebter, sein Volk, sein heiliges Eigentum – jetzt wächst auch die Liebe zu Gott und seinem Sohn Jesus und zum Heiligen Geist. Dieser Jesus erinnert uns auch in Johannes 14,15: Wenn du mich liebst, halte meine Gebote. 21 Der, der meine Gebote hat und hält, er ist es, der mich liebt; und wer mich liebt, den wird mein Vater lieben, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Möge der Herr uns seine Gnade schenken. Amen.
Und möge der Frieden Gottes, der alles Verständnis übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren in Christus Jesus, unserem Herrn, Amen.

Wochenspruch
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Jesaja 43, 1

Introitus – Nr. 47 (Jesaja 43, 1; Psalm 100, 1 – 3a)

Epistel
Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn  wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleichgeworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein. Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, so dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod kann hinfort über ihn nicht herrschen. Denn was er gestorben ist, das  ist er der Sünde gestorben ein für allemal; was er aber lebt, das lebt er Gott. So auch ihr, haltet dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebt Gott in Christus Jesus.

Römer 6, 3 – 11

Hauptlied
Ich bin getauft auf deinen Namen 47
Durch Adams Fall ist ganz verderbt 244

Evangelium
Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu  Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matthäus 28, 16 – 20


Liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: Jes 43,1

Wochenpsalm: Ps 139

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: Röm 6,(3-8) 9-11

Evangelium: Mt 28,16-20

Predigttext: 5. Mose 7,6-12

Wochenlied: 200


06. Sonntag nach Trinitatis (Taufsgedächtnis)

Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).

I(Evangelium): Mt 28,16-20

II: Röm 6,(3-8) 9-11

III: 5. Mose 7,6-12

IV: Apg 8,26-39

V: Jes 43,1-7

VI: 1. Petr 2,2-10