20. Sonntag nach Trinitatis (Unter Gottes guter Ordnung)
Liebe Gemeinde,
„Sunday is funday“ – so lautet der Slogan vieler Werbekampagnen. Was sagst du dazu? Mmm…
Nun, wenn man tatsächlich dazu nimmt: Die Freude in dem Herren ist meine Stärke! (Nehemia) oder Jes. 29:18f Zu derselben Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen, und die Elenden werden wieder Freude haben am HERRN, und die Armen unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels … Dann ja. Lasst das Fest beginnen. Lasst die Königin der Instrumente (die Orgel) erklingen, die Chöre singen und Posaunen erschallen am Tag des Herrn. In der Tat ist der Sonntag ein Freudentag.
Aber wenn es heißt: Lasst uns tun, was wir wollen in unserer Freizeit, denn „Sunday is funday“. Lasst uns Fischen, oder Sport betreiben, Entertainment und Spaß haben– dann leuchten alle Warnlichter. Wie kommt es dahin, dass auch Christen in den Strom der Zeit mit hineingesogen werden und einfach mitmachen, wie die Welt es macht?
Nun, das ist ganz einfach zu erklären. Seht! Nicht so sehr hier auf dem Lande, aber besonders in der Stadt ist es nun mal so, dass man froh ist, man bekommt eine Arbeit. Und oft ist es so, dass die Firmen hohen Arbeitsleistung fordern, wofür man dann auch gut bezahlt wird. Aber du gehörst sozusagen dem Geschäft. Du musst nicht nur ein bisschen, sondern dich ganz einsetzen. Und dann gönnt dir das Unternehmen auch Freizeit. Also du richtest dich nach ihren Forderungen, und sie sagen dir dann, wann du dich erholen kannst.
Und in deiner Freizeit kannst du machen, was du willst: Wäsche waschen, Spazieren gehen, Freunde besuchen oder zur Kirche gehen. Und so passiert es, dass Gottesdienst in die Kategorie fällt von Freizeit. Und vielen ist diese bisschen Freizeit zu wertvoll, um dann noch auch am kostbaren Sonntag so viele Stunden bei der Kirche zu verweilen. Wenn du da nicht aufpasst, dann wirst du beschlagnahmst von der Firma. Es passiert, dass wir denken: 6 Tage sollst du arbeiten, und am 7. Tag alles einholen, was liegengeblieben ist.
Für uns Christen (wie auch den frommen Juden) ist der Tag des Herrn heilig. Ein Tag wird abgesondert – für den Herrn und der Glaubensgemeinschaft. Der Sinn des Sabbattags ist, dass wir uns aus der Arbeit bewusst entziehen. Wie Gott das am Anfang der Schöpfung gemacht hat: … und Gott sah an alles, was er gemacht hatte; und siehe, es war sehr gut. So ziehen wir aus dem Alltag in den Sonntag, schauen uns alles an, was wir da eigentlich tun, pflegen die Gottesgemeinschaft, werden regeneriert nach Leib und Seele, werden gesegnet und wieder in die Welt gesandt.
Gott ruhte am 7. Tag, und lädt seine Schöpfung ein, an seiner Ruhe teilzuhaben. Der Sabbattag ist das höchste. Und wir Christen, die wir den Sonntag, den Auferstehungstag feiern, ist es die Neuschöpfung. Die Auferstehung Jesu bestimmt unser ganzes Dasein. Am Sonntag werden in der Auferstehung regeneriert. Hier im Gottesdienst empfangen wir „Schalom“ = Frieden, Harmonie, ausgeglichen sein. Hier sind die Gottesgemeinschaft und die Glaubensgemeinschaft mit Mitchristen. Hier ist Lobpreis und Gebet. Hier ist Wort und Sakrament. Hier ist Gebet und Dienst und Sendung. Usw.
Und wer nicht kommt …? Da fällt kein Blitz vom Himmel und verzehrt dich. Aber du verpasst das Geschenk Gottes. Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Diesen Satz sagt unser Herr und Meister während es damals ein umgekehrtes Problem gab als heute. Während heute Menschen an einem Sonntag tun und lassen, was ihnen Spaß macht, wurden damals Menschen getrieben, nur DAS zu tun, was am Sabbat erlaubt ist. Aufseher und Polizisten des Sabbattages waren die Pharisäer, Schriftgelehrten und die Rabbis. Sie sagten der Gesellschaft, was man tun, und was man lassen durfte, wie der Sabbat „geheiligt“ werden musste. Ihr Wort war Gesetz. Und wer das Gesetz übertritt, der wird zunächst bestraft, und, wenn da wiederholte Übertretungen vorkamen, aus der Synagoge, aus dem Gottesdienst ausgeschlossen. Und, wie wir in dem Fall Jesu sehen, in extremen Fall, sogar eliminiert. Denn so lesen wir gleich nach dieser Episode, hatte Jesus einen Menschen an einem Sabbattag geheilt (Markus 3:1-6) – was nach ihren eigenen Gesetzen nicht erlaubt war. Und dann verbinden sich die Pharisäer mit den Politikern, wie sie Jesus umbringen könnten.
Die Pharisäer meinten es ernst, denn sie wissen, was wir oft vergessen: Gott meint es ernst. Da sagt Gott doch ganz deutlich: „Haltet meinen Sabbat, denn er soll euch heilig sein. Wer ihn entheiligt, der soll des Todes sterben. Denn wer eine Arbeit am Sabbat tut, der soll ausgerottet werden aus seinem Volk.“ (2 Mose 31, 14)
Und das folgen die Pharisäer dann auch; sie sind die Polizisten und Gerichtsvollzieher des Gesetzes. Ist doch richtig, oder?
Da übertreten die Jünger auf vielerlei Weise ihre Sabbatgesetze: Die Jünger mit Jesus gehen mehr als 2000 Schritte – das war verboten. Sie gehen in das Kornfeld und raufen Ähren aus; also sie ernten – das war verboten. Sie reiben die Ähren in den Händen und pusten die Spreu weg – das war verboten. Sie bereiten Essen vor und verzehren es – das war verboten an einem Sabbattag. Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist?
Jesus könnte jetzt zurück gefragt haben: Aber wo steht das denn geschrieben? Welches Gesetz verbietet das?
So nebenbei, in 5. Mose 21 wird erlaubt, dass Fremde und Arme durch die Korn- und Weinfelder gehen und sich etwas pflücken dürfen. Aber sie sollen keine Sichel mitnehmen; sie sollen jetzt nicht für sich selbst ernten und verkauften. Als ich das las, dachte ich: das ist doch eine hilfreiche Richtlinie, wo wir doch auch hier mit Diebstahl zu tun haben, nicht wahr? Man muss jeden einzelnen Maiskolben hinterherlaufen; die ärmsten der Armen dürfen auch ein bisschen von den Segen profitieren, den Gott uns gönnt. Aber klar, wenn sie mit Bakkies und Säcke ankommen und sich selbst bereichern, muss das Gesetz eingreifen. Ernten, wo du nicht gearbeitet hast, ist verboten. Aber darum haben wir in der Gemeinde auch ein Mais-projekt, wo Mehl an den ärmsten der Armen verteilt wird, damit sie nicht krepieren brauchen, damit sie nicht unnötig in Versuchung geraten, stehlen zu müssen.
Hier nun, in unserem Evangelium, hungern die Jünger. Und Jesus erlaubt es. Aber die Pharisäer beschweren sich: Das geht nicht! Jesus verweist nun auf eine alttestamentliche Episode von König David. David war eine Autoritätsperson in der Geschichte Israels; Gott hatte ihn gesegnet.
Als der junge David einmal von Saul gejagt wurde, kamen David uns seine Männer eines Tages zum heiligen Zelt. David bat den Priester Abimelech um Essen. Da war nichts. Aber der Priester erlaubte es, dass die heiligen Schaubrote an David übergeben wurden. Diese Schaubrote gehörten wie der Räucheraltar, der 7-armige Leuchter und andere Geräte zum heiligen Zelt, wo auch die Bundeslade aufbewahrt wurde. Nach Gottes Ordnung, durften nur die Priester, die am Zelt ihren Dienst taten, diese alten Brote essen, die dann mit neuen Broten wöchentlich ersetzt wurden. Und Gott hatte David nicht gestraft.
Behaltet ihr Pharisäer das noch? Warum hat Gott David nicht verurteilt? Weil es eine Notsituation war. Weil das Leben über zeremoniellen Gesetzen geachtet wird. Also Jesus sagt nicht zu den Pharisäern: ihr spinnt mit euren menschlichen Gesetzen. Sondern Jesus sagt: es gibt Situationen, wo ein Prinzip höher geachtet werden muss als andere Vorschriften. Und diese Sachlage gilt hier: die Jünger krepieren vor Hunger; sie dürfen Ähren ausraufen und essen, damit auch ihr biologisches Leben erhalten bleiben kann.
An anderer Stelle verweist Jesus die Pharisäer noch einmal, dass sie es doch auch so machen. Wenn eine Kuh in einen Schloten fällt – an einem Sabbattag – werdet ihr sie rausholen? Natürlich ja, denn das Leben ist höher zu achten als menschliche Ordnungen.
Können wir also menschliche Ordnungen ignorieren? Gibt Jesus die Erlaubnis, dass jeder nach seinen eigenen Regeln handeln kann? Selbstverständlich nicht. Man wird doch annehmen, dass Regeln ihren Sinn haben, für Ordnung zu sorgen. Aber wo die Regeln das Leben verhindern, wo die Ordnungen Menschen kaputt machen – da gilt der Satz: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.
Und noch einen letzten Satz für Jesus hinzu: 28So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat. Hier erinnert Jesus an die höchste Autorität. Nicht Mose, nicht David, nicht die Pharisäer oder Könige noch Kaiser haben den höchsten Anspruch. Auch nicht einmal das Gesetz Gottes darf den Menschen in Beschlag nehmen, sondern: der Menschensohn ist Herr!
Das ist ein Titel aus Daniel 7 den Gott seinen Gesandten gibt, über die ganze Welt zu herrschen. Das ist Er selbst, Jesus. Er hat mit dem Vater die Welt erschaffen. Er hat den guten Sabbattag gemacht. ER ist auch der Herr über den Sabbattag. Damit mach Jesus sich gleich an Gott. So sollst auch du wissen, wer ist dein Herr und dein Gott. ER wird über dich richten, der du seine Gebote verdrehst oder ausführst, wie es dir gefällt oder wie es Gott gefällt.
Aber der Menschensohn ist nicht nur dein Richter, sondern auch dein Erlöser. Du sollst darauf vertrauen: ER, der Sohn Gottes selbst, schenkt dir, was du brauchst. Er hat dir nicht nur den Sabbattag geschenkt, sondern auch die Erfüllung des ganzen Gesetzes.
Das Gesetz fordert, aber das Evangelium schenkt. Das Gesetz sagt: du sollst den Feiertag heiligen. Aber Jesus sagt: ich heilige dich. In der Verbindung mit mir, Jesus, bekommst du das, was der Sabbattag von dir fordert. In mir, Jesus, ist die Einheit mit Gott. In mir bekommst du meinen heiligen Geist, der dich erneuert und regeneriert. In mir, Jesus, bist du ein neuer Menschen.
Du fängst an, neu zu denken. Du denkst nicht mehr, wie die Welt denkt. Merkwürdig, wie du auf einmal unruhig wirst, wenn du einen Gottesdienst verpasst. Sagt doch Jesus an anderer Stelle: Mat 6:33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Ich brauch nicht mehr Entertainment, um wahre Freude zu erleben; ich habe Jesus – und das ist genug. Habe ich IHN, dann kann ich auch mit bisschen Entertainment Spaß haben. Ich brauch mich nicht überarbeiten, denn ich vertraue IHM, dass ER mein Leben instand hält. Aber habe ich IHN, dann habe ich Lust zu arbeiten. Ich erwarte nicht mehr von der Arbeit Lebenserfüllung – die schenkt mir Jesus. Ich kann Abstand nehmen von der Arbeit; ich kann den Sonntag heiligen, denn ER schenkt mir seine Heiligung.
Gebe Gott uns Weisheit, die Situationen recht einzuschätzen und uns recht zu verhalten, wie es Gottes Wille entspricht und gut für uns ist.
Und der Friede Gottes, der höher ist als aller Verstand, bewahre und halte unsere Gedanken und Herzen in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
Wochenspruch
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott. Micha 6, 8
Introitus – Nr. 61 (Psalm 119, 89 – 90a; Psalm 148, 12 – 13)
Hauptlied
Wohl denen, die da wandeln 42
Epistel
Wir bitten und ermahnen euch in dem Herrn Jesus, da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut, – dass ihr darin immer vollkommener werdet. Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über das alles, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen Heiligen Geist in euch gibt.
1. Thessalonicher 4, 1 – 8
Evangelium
Pharisäer traten zu Jesus und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. [Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach. Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe. Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.]
Markus 10, 2 – 9 [10 – 16]
liturgische Farbe: grün
Festzeit: Trinitatiszeit
Wochenspruch: Mi 6,8
Wochenpsalm: Ps 119b
Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113
Epistel: 1. Thess 4,1-8
Evangelium: Mk 10,2-9 (10-16)
Predigttext: 1. Mose 8,18-22
Wochenlied: 295
Erklärung zu den Perikopen:
Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).
I(Evangelium): Mk 10,2-9 (10-16)
II: 1. Thess 4,1-8
III: 1. Mose 8,18-22
IV: 1. Kor 7,29-31
V: Mk 2,23-28
VI: 2. Kor 3,3-9
