Gnade, Gnade, Gnade – so, liebe Gemeinde, sollt ihr die Botschaft von heute mitnehmen in die Häuser und wieder in den Alltag. Wie Johannes schreibt, von seiner Fülle haben wir genommen Gnade um Gnade. Nicht Ho, ho, ho des Weihnachtsmann – das soll wohl ein Lachen sein: Ha, ha, ha. Nein, ruft es aus: Gnade, Gnade, Gnade! So wie hier Paulus zwei Mal schreibt: Die Gnade / die Herrlichkeit Gottes ist erschienen. Vorher im ersten Kapitel hatte er zum ersten Mal schon geschrieben: die Gnade Gottes ist erschienen, aber davon erzähle ich euch gleich.
Zuerst beginne ich mit einem Vorfall, der doch amüsant war. In den vergangenen Adventswochen haben die Menschen bereits Dekorationen in die Kirche gebracht – vielen Dank! Letzten Sonntag waren die Jugendlichen hier damit beschäftigt, den Baum aufzustellen und zu verschönern – vielen Dank! Doch dann konnte niemand die Krippe finden. Joseph und Maria sind offenbar auf Reisen gegangen, haben aber nicht gesagt, wohin; die Hirten waren irgendwohin verschwunden, um ihre Schafe zu weiden; die Weisen aus dem Osten haben sich verirrt. Was nun? Wo sind sie?
Weihnachten ohne Josef und Maria und das Kind in der Krippe – es wäre jetzt nicht dasselbe, oder? Nun, die Welt feiert “Christmas” und “X-mas” und Nikolaus. Heute (und morgen) ist für viele nur einfach ein Feiertag mit guten Essen und Trinken. Anscheinend vermisst da draußen niemand das Jesuskind. Außerdem ist der 25. Dezember ein ursprünglich heidnisches Fest, bei dem das Lichterfest auf der Nordhalbkugel gefeiert wurde. Also, es funktioniert. Vergiss die Kinderbibelgeschichten, oder? Was wäre da für einen Unterschied; macht doch nichts, oder?
Und genau das weiß Paulus nur zu gut. In seinem Brief listete er die Tagesordnung auf: Bosheit, weltliche Begierden, Menschen verleumdeten einander und waren streitlustig. Im Großen und Ganzen waren die Menschen unklug, ungehorsam, auf dem falschen Weg, süchtig nach allerlei Begierden und Vergnügen, Bösem und Neid, und trainierten sich in Hass und Hassrede. Die Menschen dieser Welt gingen einfach so ihre Wege; sie sind, wie sie sind – damals, so auch heute.
Doch dann geschah etwas Drastisches. Nicht, dass jemand wirklich vorbereitet war oder es kommen sah: Gnade erschien allen Menschen. Jesus Christus erschien in Zeit und Raum. Und er war unvergleichlich mit allem, was je die Weltgeschichte getroffen hatte.
Allerdings muss ich mich korrigieren. Dreimal schreibt Paulus von der Gnade, die erscheint.
Das erste Mal sagt er in seinen einleitenden Worten (Titus 1,2v), dass die Herrlichkeit Gottes schon vor der Schöpfung der Welt erschien. Mit anderen Worten: Bevor Zeit und Raum erschaffen wurden, hatte Gott bereits ewiges Leben versprochen = das ist die Herrlichkeit Gottes. Ja, die Schöpfung als solche ist doch eine Reflektion der Herrlichkeit Gottes. Klarheit und Herrlichkeit sehen wir in Sternen, Sonne und Mond, durch Farbe und Blüte aller Pflanzen, Tiere und Menschen als Krone der Schöpfung.
Und schon vordem Zeit begann, versprach Gott allen Menschen ewiges Leben. Doch es war nicht offensichtlich, verdeckt von Sünde, Tod und Teufel. Sie war verborgen, sozusagen versteckt – vielleicht wie eine Geschenkbox verpackt, für uns Menschen nicht zugänglich.
Aber jetzt, mit dem Kommen Jesu Christi , wurde diese Geschenkbox geöffnet, offenbart, erkennbar und deutlich sichtbar. Und genau DAS feiern wir an diesem Weihnachtstag: Gottes Herrlichkeit ist erschienen!
Das Licht der Ewigkeit beginnt als schwaches Licht in der Krippe von Bethlehem zu leuchten – nur für wenige Menschen in der Umgebung sichtbar. Die Herrlichkeit erschien dann vielen Menschen des Landes Israel. Die Herrlichkeit brannte am hellsten bei Golgatha, Auferstehung und Himmelfahrt. Und die Herrlichkeit erscheint allen Menschen auf der ganzen Erde durch die Predigt seiner Jünger, die das Evangelium, die freudige Botschaft, allen Kulturen, Rassen und Völkern verbreiten. Wo auch immer Christus gepredigt wird, dort wird es Weihnachten. Halleluja! Und wo Christus die Herzen der Menschen verwandelt und erneuert, dort wird so eine Person Teil der Herrlichkeit Gottes, die wiederum andere erleuchten wird.
Und doch gibt es eine dritte Gelegenheit, in der die Herrlichkeit Gottes erscheint. Zugegeben, noch sind wir auf der Erde, in einer Welt voller Trauer, Korruption und Tod. Aber die Herrlichkeit, die bereits in den Herzen der Gläubigen begonnen hat, wird sich vollständig entfalten, wenn Christus in Herrlichkeit wiederkommt, sichtbar für alle Menschen. Darauf freuen wir uns: die gesegnete Hoffnung und die herrliche Erscheinung unseres großen Gottes und Erlösers, Jesus Christus.
Am Anfang fragte ich, ob wir denn das Krippenspiel, Josef und Maria, die Waisen und die Hirten brauchen? Meine Antwort ist „nein“ und „ja“.
Nein – in der Hinsicht, dass es um die Botschaft vom Christus geht. Es gibt nur EINEN Gott, ein Licht, eine Quelle des Lebens, wie Gott sich in Jesus offenbart hat. Christus‘ Leben, Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt ist die Erscheinung der Herrlichkeit Gottes in dieser Zeit und Welt.
Und dennoch: Ja, wir brauchen unbedingt Josef und Maria, die Magier aus dem Morgenland, und die Hirten. Sie waren die ersten Zeugen dieser Heilsbotschaft: Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr! Ja, wir brauchen noch viele, viele Zeugen, seine Botschaft in die Welt zu tragen.
Wir alle sind versammelt um das Kind in der Krippe und den Mann am Kreuz. Wir alle lassen die Herrlichkeit Gottes auf uns scheinen, und lassen dann wiederum die Herrlichkeit Gottes in die Welt erscheinen mit unseren Lobliedern, mit unserer Botschaft … und mit unseren guten Werken.
Und das ist der erstaunliche Erkenntnis, die uns Paulus hinzufügt: Diese Gnade, diese Herrlichkeit, die in Christus erschienen ist, die ist unser Lehrer geworden. Sie lehrt uns auch, ein diszipliniertes und gutes Leben zu führen. 12Sie erzieht uns dahin, dass wir uns von der Gottlosigkeit und den menschlichen Begierden lossagen. Dann können wir in dieser Welt als besonnene, gerechte und fromme Menschen unseren Glauben ausüben.
13Gleichzeitig warten wir auf die Erfüllung unserer Hoffnung, die uns glückselig macht
Das heißt, wir sind mit Weihnachten noch nicht am Ziel. Wir sind unterwegs. Von dem Kind in der Krippe gehen aus Bethlehem, gehen wir mit dem Mann aus Nazareth durch die Stätte und Länder, gehen wir nach Jerusalem nach Golgatha, gehen wir vom Kreuz zur Auferstehung und Himmelfahrt … Und dann erst erwartet uns die himmlische Herrlichkeit in der Ewigkeit. Das ist unsere Hoffnung als Christen: Weil Christi Herrlichkeit erschienen ist, darum wird auch uns die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und für immer leuchten. Ihm sei Lob und Ehre und Anbetung von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als aller Verstand, bewahre und halte unsere Herzen und Gedanken in Christus Jesus, unserem Herrn, hochgelobt für alle Zeit. Amen.
