Liebe Gemeinde, ein „Bravo“ für die 12 Jünger (!), die nun ganz deutlich Apostel genannt werden. Also Jünger waren alle, die durch Glauben und Taufe zur Gemeinde gehörten. Und hier werden nun schon deutlich die Apostel betont. Ein Titel, den die christliche Kirche aber auch nicht weitergeführt hat. Außer Paulus, der sich noch mit diesem Titel bezeichnet, und noch von dem „Amt der Apostel“ schreibt, ist die Funktion der Apostel auf die ganze Gemeinde übergegangen: Wir glauben an die eine heilig, christliche und apostolische Kirche Jesu Christi. Es entwickelten sich andere Bezeichnungen wie Älteste, Hirten, Bischof und Diakonen, usw. Es entwickelten sich Strukturen und verschiedene Dienste. Aber das Wichtigste blieb schon immer das Wichtigste: Wortverkündigung und Gebet. Wir sagen heute: die Quelle des Heils, der Ursprung der Gemeinde ist und bleibt: Das Wort und damit verbundene Sakramente: Taufe und Abendmahl. Und das Gebet und der Gottesdienst als Quelle und Ausdruck des lebendigen Verhältnis mit dem lebendigen Gott. Diese Elemente haben Ewigkeitswert. Halleluja.
Warum sagte ich am Anfang: Ein „Bravo“ für die 12 Jünger? Nun, vor ein paar Wochen hatten wir die Speisung der 4000. Ihr erinnert euch noch? Vorher im Markusevangelium geschah das Wunder der Speisung der 5000. Hier in Apg.6 haben wir es wieder mit Hunger zu tun. Da erkennen wir eine deutliche Veränderung in der Haltung der Jünger: Als sie damals mit dem Hunger und der Not der Menschen konfrontiert wurden, waren sie zuerst sehr besorgt um ihre eigenen Volksgenossen und kommen zu Jesus: Was sollen wir tun? Und Jesus lehrt sie: gebt das Bisschen, dass ihr habt, in meiner Hand; und er gab ihnen Instruktionen, wie sie die Menschenmassen ordnen sollten. Sie teilten das Brot (und Fische) aus und sie hoben 12 Körbe voll auf von dem Brot, das übriggeblieben war. Als sie bei den Heiden waren, musste Jesus die Jünger anregen: Was tun wir? Und sie zucken mit den Schultern. Wiederum fordert Jesus sie auf: Was ihr habt, legt in meiner Hand. Und wieder ordneten sie das Volk und am Ende hoben sie 7 Körbe voll auf von dem Rest. (Markus 6 & 8)
Was tun die Jünger nun in Apg.6 ohne, dass Jesus dabei ist? Nun, sie wussten, was das Wichtigste ist: Wie Jesus es tat – auch sie verkündigten das Wort! Und die Menschen kamen und die Gemeinde wuchs. Jedoch irgendwann werden Menschen auch hungrig und muss auch der Leib versorgt werden. So erleben die Jünger schon mit der Verkündigung des Wortes zugleich ein Brotvermehrungswunder: Die erste Gemeinde gab großzügig und teilten ihre Sachen, und nicht einer unter ihnen litt Not. Die Jünger nahmen die Gaben in Empfang und verteilen es wieder. Aber irgendwann wuchs die Gemeinde über die Zahl von 4000 oder sogar 5000; vielleicht waren es schon 10.000. Die Arbeit war nicht mehr zu bewältigen. Halleluja!
Jetzt entstand eine Not, die wirklich eine Not war – einige Witwen wurden übersehen; einige in der Gemeinde beschwerten sich. Nein, sie rebellierten nicht gleich gegen die Apostel – das wäre gefährlich falsch. Sie traten nicht gleich aus der Gemeinde wieder aus mit der Anklage: Das ist doch nur ein scheinheiliger Haufen; sie tun ja selbst nicht, was sie predigen. Aber dennoch „murrten“ sie – ein interessantes griechisches Wort: „gogussmos“. Wir hören das Gemurmel: gosgos-meckern-me-me-getuschel.
Und dieses „Gemecker“ stand im starken Kontrast zu dem vorigen Kapitel in Apg. 5:41. Da wurden die Apostel gefangen genommen; die Obrigkeit hatte den Aposteln verboten, weiter im Namen Jesu zu reden und Wunder zu tun. Sie hatten die Apostel ausgepeitscht. Dann lesen wir: Die Apostel verließen den Hohen Rat und waren voller Freude, dass Gott sie gewürdigt hatte, für den Namen ihres Herrn so gedemütigt zu werden.
Es geht um Menschenwürde. Der jüdische Rat hatte die Jünger entwürdigt; ihre Menschenrechte gedemütigt. Und die Jünger sagen sich: Wir haben unsere Würde von Gott bekommen; ihr könnt uns niemals diese Ehre Gottes nehmen. Ja, ihr bestätigt sogar, dass wir wirklich die Wahrheit verkündigen, indem ihr so hässlich reagiert und uns peitschen lasse … die gingen mit Freude weg und mit einem kaputten Rücken.
Im Kontrast dazu nun fühlten einige in der Gemeinde: ihr Würde wurde verletzt, weil einige Witwen bei der Brotverteilung (wahrscheinlich aus Versehen) übersehen wurden. Da mussten also diese einige neuen Jünger in der Gemeinde noch was lernen.
Und so machen es die Apostel, wie Jesus es damals bei der Speisung der 5000 tat: Bringt zu uns, was ihr habt. Wir werden es segnen, und ihr könnt austeilen. Also nochmal: Bravo an die Apostel. Man erkennt, wie der Geist Gottes in ihnen wirkt: voller Weisheit und Erkenntnis.
Die Apostel versammeln nun die Gemeinde, alle Jünger und sprachen zu ihnen (ich lese eine andere Übersetzung): “Es ist nicht richtig, dass wir die Verkündigung des Wortes Gottes vernachlässigen und uns um die Verteilung der Lebensmittel kümmern. Seht euch deshalb nach sieben Männern unter euch um, Brüder, denen wir diese Aufgabe übertragen können. Sie müssen einen guten Ruf haben und mit dem Heiligen Geist und mit Weisheit erfüllt sein. Wir selbst werden uns weiterhin dem Gebet und der Verkündigung widmen.”
Man achte darauf, was hier nicht steht. Hier steht nicht: „Die Apostel aber machten sich sofort daran, um bessere Strukturen zu finden; sie arbeiteten Tag und Nacht, dass auch niemand sich vernachlässigt fühlen möge und überall jeder zu seinem Recht kommen würde.“ Alternativ könnten die Jünger auch gebetet haben: Herr schenke noch ein größeres Brotvermehrungswunder. Oder sie könnten ärgerlich werden: Herr, vertilge diese Leute, die ständig meckern! Oder noch etwas, was heutzutage sehr populär ist: Wir mieten uns einige Berater (consultants) von außerhalb der Gemeinde – Manager von großen Firmen, die uns ein Seminar über Personal-Management geben können. Nein, sondern sie erinnerten die Gemeinde daran: Das Wichtigste muss das Wichtigste bleiben.
Das Wort muss verkündigt werden! Erlaubt mir, dass hier auch zitiere: 2. Tim 3:16f Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, damit ein Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.
Aus dem Wort wächst jede gute Arbeit in der Gemeinde. Selbstverständlich hören wir auch, was einige Firmen in dieser Welt zu sagen haben. Sie können wirklich hier und da hilfreiche Tipps geben (vergleiche: Architekt bei der Planung der Halle). Aber Menschen von außerhalb der Gemeinde kennen nicht die Dynamik des christlichen Glaubens; sie kennen nicht Ursprung, Sinn und Ziel der Gemeinde. Die meisten Spannungen innerhalb der Gemeinde sollen von der Gemeinde selbst gelöst werden. Dazu begabt der Heilige Geist Gemeindeglieder, damit wir von einander abhängig bleiben. Wir brauchen einander.
Als nächste, also, hat die Gemeinde 7 Männer auserwählt. Wiederum wird uns nicht gesagt, wie genau sie das gemacht haben – mit Stimmzettel, mit Handerhebung, Interviews oder das Los geworfen. Aber die Apostel haben doch die Kennzeichen genannt, die diese Aufgabe mit sich bringen soll: die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind.
Jede Aufgabe brauch bestimmte Begabungen, die der Heilige Geist schenkt. Aber es gibt auch eine ZU große Sorge, als ob alle Aufgaben in allen Bereichen angesprochen werden müssen – das ist auch nicht gut. Ich erinnere mich z.B. an einer Zeit in der kleinen Gemeinde in Pretoria, wo wir unbedingt einen Teenagerkreis haben wollten für unsere 3 oder 5 Teenager. Und es war niemand bereit, diese Arbeit zu tun; niemand hatte die Gabe. Ich selbst könnte es machen, denn zusammen mit meiner lieben Frau haben wir viele, viele Jahre Teenagerkreis mit Begeisterung getrieben. Aber ich selbst bin zum Entschluss gekommen: Nein, die Zeit ist nicht reif. Ich würde meine Aufgabe als Prediger und Pastor vernachlässigen. Wir haben damals als Gemeinde beschlossen: Die Zeit ist noch nicht reif. Wenn da keine Mitarbeiter sind, muss diese Arbeit nicht über Biegen-und-Brechen forciert werden. Ich habe mich damals auf die jungen Erwachsenen konzentriert. Heute bin ich so dankbar, dass dort in der Gemeinde blühender Kindergottesdienst ist, Teenager und Jugend floriert. Jede Not muss in ihrem Kontext beurteilt werden.
Wir brauchen Weisheit. Die will Gott geben. Was tun wir in unserer Gemeinde, um die Not in unserer Umgebung anzusprechen? Da haben sich viele willige Mitarbeiter bereit erklärt. In unseren Gemeindeversammlungen werden jährige Namen an der Gemeinde vorgelegt, wo Männer und Frauen den Ruf Gottes hören und sich einsetzen. Welch ein Segen! Welch ein Vorrecht in der Gemeinde dienen zu dürfen.
Wir lesen hier von 7 Namen, die den Aposteln vorgelegt wurden. Diese wurden in ihr Amt gesegnet. Früher im Alten Testament wurde noch eine Salbung stattfand – so wie das Öl herunterfloss, so wurde jemand mit dem Heiligen Geist erfüllt. Nun entwickelte sich in der Kirchengeschichte das Auflegen von Händen – als Zeichen, dass dem Erwählten der Heilige Geist und die Aufgabe übertragen wird.
Vor einiger Zeit sprachen wir auch hier von Berufung. Wir hatten gesagt: Es gibt die allgemeine Berufung für alle Christen zum Heil, zum Glauben und zur Seligkeit. Dann gibt es die Berufung je nach Geistesgaben – wer die Gabe hat, soll die Aufgabe übernehmen. Und dann gibt es Berufungen für einen bestimmten Dienst für eine bestimmte Zeit.
Hier in Apg. 6 lesen wir von 7 Namen, die die Aufgabe der Organisation übernahmen. Einige jedoch werden später andere Dienste übernehmen. Von Stephanus lesen wir, dass er ein äußerst guter Redner war, der den christlichen Glauben gegenüber den Juden verteidigen konnte. Er wurde der erste Märtyrer, den sie dann steinigten. Und da war Philippus, der später als Evangelist eingesetzt wurde, der den Finanzminister aus Äthiopien zu Christus führte. So lernen wir, das eine Aufgabe wohlmöglich die nächste Aufgabe vorbereitet. Wer sich in den kleinen Dingen bewährt, kann durchaus für größere Dinge gerufen werden.
Für uns alle als Mitarbeiter in Gottes Reich gilt: wenn Gott die gerufen hat, dann tue deine Aufgabe mit Hingabe und in der Überzeugung, dass Gott dich dahin gestellt hat.
Seht – noch ein letzter Gedanke – da haben wir zwei Fragen, die immer wieder in der Gemeindearbeit gestellt werden müssen. Die eine Frage lautet: wie tun wir die Dinge richtig? Wie sind wir effektiv, tun unsere Arbeit optimal, liefern gute Qualität Arbeit.
Die andere Frage lautet: Tun wir auch die richtigen Dinge? Und die Apostel, wie auch jede Gemeindeleitung muss darauf bedacht sein, dass das Wichtigste das Wichtigste bleiben muss. Es hilft nicht, eine Arbeit anzupacken, die nicht relevant ist, die zwar nett sein könnte, aber nicht aus dem Glauben geschieht. Da schenkt uns Gott sein Versprechen: Wenn wir aus dem Wort leben und im Gebet in einem lebendigen Verhältnis mit IHM stehen, so wird ER uns die Weisheit schenken, die richten Aufgaben zu identifizieren. Und ER wird Menschen zurüsten mit seinem Heiligen Geist, um sein Werk zu tun.
Dieser Paragraph endet mit der ermutigenden Beschreibung: 7 Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Diesen Satz lesen wir wiederholt in der Apg. 12:24 Das Wort Gottes aber wuchs und mehrte sich. / Apg. 19:20 Also wuchs das Wort des HERRN mächtig und nahm überhand. So kamen auch Priester und später Heiden und alle möglichen anderen zum Glauben, weil die Gemeinde aus dem Wort lebte und es mit ihren Taten bezeugte. Diesen Heiligen Geist erbitten wir auch uns.
Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, bewahre und halte unsere Gedanken und Herzen in Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.
Wochenspruch
Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.
Matthäus 25, 40
Introitus – Nr. 54 (Matthäus 5, 7; Psalm 139, 23 – 24)
Hauptlied – Ich ruf zu dir, Herr Jesus Christ 400
Epistel
Ihr Lieben, lasst uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist die Liebe. Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen eingebornen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden. Ihr Lieben, hat uns Gott so geliebt, so sollen wir uns auch untereinander lieben. Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen.
1. Johannes 4, 7 – 12
Evangelium
Siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte Jesus und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit; als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn, und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!
Lukas 10, 25 – 37
