Predigt – Gott ruft dich! 09. Sonntag nach Trinitatis 2026

Liebe Gemeinde,

ich darf einmal ganz laut in die Gemeinde rufen: „Hallo!“ Das war ein Ruf.

Gewöhnlich folgt nun eine Vorstellung: Ich bin Herr sowieso. Wir kennen uns. Gott sagt zu Jeremia: Ich kenne dich besser als du dich selbst kennst.

Nun folgt die Berufung: Du bist bestimmt für eine große Aufgabe. Du wirst die Welt verändern! Dann gibt’s ein bisschen hin-und-her und eine Wiederholung des Bestimmung.

Zum Schluss die Zurüstung, Befähigung, Begabung, um zu tun, was gefordert wird. Und in den folgenden Versen geht’s dann schon los. Da bekommt Jeremia seine erste Vision und seinen ersten Befehl.

Über 40 Jahre lang hatte der Prophet rundum Jerusalem gewirkt. Aber nicht nur das kleine Land Juda sollte von seinen Worten transformiert werden, sondern alle Völker ringsherum; ja die ganze damalige Weltgeschichte wurde geformt und neu geordnet durch seine Worte. Bis heute und bis ans Ende der Welt sind Gottes Worte wirksam, wie sie durch Jeremia und andere Propheten ausgesprochen wurden.

Als ich vor 6 Jahren diesen Jeremia-Text predigte, hatte ich den Begriff „Berufung“ besonders betont. Bitte erlaubt mir eine kleine Wiederholung, wie wir in unseren Gedanken diesen Begriff ordnen können:

Einteilung:

  1. Natürliche Berufung in der Welt
  2. allgemein bei allen, je nach der Schöpfung / Mann, Frau / Stand: seid fruchtbar & arbeitet
  3. je nach Begabungen – musikalisch, mathematisch, sportlich, Finanzen, Literatur, Medizin, usw.
  4. zeitliche Aufgaben – als Kind / Eltern, in einem Beruf sein oder wechseln, ein Amt, Projekte
  5. Geistliche Berufung im Reich Gottes
  6. allgemein bei Christen, je nach Wiedergeburt / Frucht des Geistes / wandelt würdig / für Himmel
  7. je nach Geistesgaben – es können natürliche Talente sein oder neue Begabungen vom Geist gewirkt
  8. zeitliche Berufungen – für bestimmte Aufgaben, Amt, Projekte in der Gemeinde

Mit diesem Allen in Gedanken wird ein Beruf ausgesucht.

Und was persönlich für eine Person gilt, gilt auch für eine Gemeinde – Standort, Begabungen, usw.

Uns geht es nun hauptsächlich, unsere geistliche Berufung zu erkennen und auszuleben. (1) Auch du wurdest gerufen und berufen. Da wurden die Worte über unser Leben ausgesprochen: Ich taufe dich im Namen Gottes des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes! Jetzt bist du vom Drei-Einigen Gott beschlagnahmt worden. Er hat dich in Besitz genommen; Er hat die letzte Verantwortung genommen für Zeit und Ewigkeit. Du gehörst zu Gott.

Und damit das klar wird, dass diese geistliche Berufung höher ist als die natürliche Berufung, fügen wir gerne das Wort aus Jesaja 43:1-4 hinzu zu der Taufhandlung: “So spricht der Herr, der dich geschaffen hat: siehe ich habe dich bei deinem Namen gerufen: du bist mein!” Damit ist die wichtigste Frage geklärt, nämlich nach Zugehörigkeit und Geborgenheit. Ich bin gewiss: Von nun an steht mein Leben unter Gottes Schutz und Segen. Natürlich (der natürlichen Berufung nach) gehöre ich auch meinen Eltern, der Kultur und Gemeinschaft. Aber sie können mir nicht das Leben garantieren. Gott nimmt absolute Verantwortung. Diesen Ruf hören wir immer wieder in jedem Gottesdienst, in jeder Andacht und besonders in jedem Bibel-lesen.

Negativ gesagt: wenn der Ruf Gottes nicht gehört wird, rufen andere Stimmen dich: der Staat sagt: du bist mein Kapital. Die Reklame und Wirtschaft sagen: du bist mein Konsument. Der Arbeitsgeber sagt: du bist mein Profit – darum habe ich dich angestellt. Oder, wenn du selbst der Chef bist, dann sagst du dir selbst: ich bin der Schmied meines eigenen Glückes. Alles Glück hängt von mir selbst ab, ob ich was aus meinem Leben mache oder nicht. Und das ist immer ein Risiko; ja die Bibel sagt uns gleich: das ist fatal. Wenn ich mich selbst zum Mittelpunkt mache, dann wird die Trennung zu Gott immer größer. Wenn ich selbst meinen eigenen Sinn im Leben machen muss, endet das in Sinnlosigkeit – oder wie das Buch Prediger beschreibt: Es ist alles ein Haschen nach Wind; es ist alles eitel; es bringt nichts.

Darum muss mir der Sinn des Lebens zugesprochen werden. Als Kind Gottes erkenne ich: Ich habe mich selbst nicht geschaffen, berufen oder Zweck und Ziel des Lebens gemacht, sondern es wird mir geschenkt. In dem Geschenk Gottes liegt die Gewissheit und die Freude: Mein Leben ist wertvoll.

Darum setzten besonders wir Christen uns auch ein für den Wert des Lebens – wie z.B. ungeborenes Leben, oder für das Leben der Kranken, Depressiven oder Behinderten, die sonst keine Anerkennung bekommen. Wo andere sagen: What a waste! – schmeiß weg, diejenigen die nichts mehr leisten, die nicht mehr reden können, die Krüppel und Aussätzigen – sie belasten unser Gesundheitssystem, sie rauben uns die Ressourcen, die Energie: lass sie sterben, Abtreiben, Euthanasie. Da sagt Gott: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest. Wir hören den Ruf Gottes für das Leben, und den Ruf Gottes für das ewige Leben.

(2) Nun sind wir bei dem nächsten Punkt. Ich sagte am Anfang: es gibt eine allgemeine Berufung, die für alle wiedergeborene Christen gilt. Und es gibt eine bestimmte Berufung, die für eine Einzelperson gilt. Und hier dienen uns die Propheten des Alten Testament als Beispiel. Bei Jeremia war es der Auftrag: Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen. Jeremia erschrak über dieses Wort: wie soll ich das tun; ich kann ja gar nicht reden. Aber Gott sichert ihm zu: ich werde meine Worte in deinen Mund legen. Ich bin bei dir und ich rede dich durch dich zur rechten Zeit am rechten Ort.

Eine bestimmte Aufgabe war auch in der Zeit als der Tempel gebaut wurde – da hatte Gott bestimmte Menschen als Handwerker und Künstler begabt. Es gibt immer wieder bestimmte Projekte, wofür Gott auch die nötigen Begabungen gibt.

Hast du vielleicht eine bestimmte Berufung für einen bestimmten Dienst für eine begrenzte Zeit? Es kann Kindergottesdienst sein, oder Armendienst, oder Organisation in der Gemeinde. Dafür muss man sensitiv sein für Gottes Ruf, im Gebet fleißig mit Gott reden und sensitiv für die Zeit in der Gott dich hineinruft.

Und wir als Gemeinde beten dafür, dass Gott doch noch mehr Pastoren in die vollzeitigen Dienst berufen möge. Dazu musst du dich an das Wort klammern, fleißig in der Bibel lesen und im Gebet üben. Und wenn dir die Türen aufgetan werden, wenn andere dich ermutigen: versuche es doch mal, oder wenn du schon unterwegs bist, dann bitte Gott, dir Klarheit zu schenken.

Wir haben das heutzutage so geregelt, dass der innere Ruf auch mit einem äußeren Ruf zusammengeht. Also bei einem inneren, persönlichen Ruf sagt sich die Person: ich werde Pastor. Und der äußerliche Ruf ist der Ruf von einer Gemeinde; sie beruft einen Pastor (demnächst ist es wieder bei uns die Gemeinde Greytown).

Und das war bei Jeremia anders: er musste predigen! – ob die Leute es hören wollten oder nicht. Und Jeremia musste seinen täglichen Unterhalt anders verdienen als die Priester am Tempel, die dafür vergütet wurden. Jeremia war also unabhängig von seinen Volksgenossen. Das musste sò sein, damit seine Botschaft authentisch blieb. Die bezahlten Propheten seiner Zeit haben ja genau das getan, was die Reichen ihnen vorgeschrieben hatten. Wenn ein bezahlter Prophet sagte: „Dir König wird es schlecht gehen, wenn du in den Krieg ziehst“ – dann wird der König ihn wohl abdanken; dazu hat der König keinen Spaß dran, sich Drohbotschaften anzuhören. Jeremia aber wird standhalten müssen. Er muss sich gewiss sein: Gott sendet ihn.

Alles beginnt mit dem Wort, dem Ruf Gottes, der dir eine Berufung schenkt. Hat eine Agende mit dir? Gewiss ja! Du bist ein auserwählter Mann, eine auserwählte Frau für Gott geheiligt. Vielleicht hast du nicht den gleichen Auftrag wie Jeremia, aber du stehst in seinem Dienst.

So sehe ich vor mir eine Gemeinde, eine Truppe, ein Regiment von über 300 Soldaten. Und zusammen mit den anderen Gemeinden und Auserwählten … meinst du Gott überlässt unser Land und Leute nur dem Zufall, nur der billigen Gier von Politikern und Populisten? Armut und Streit wird nicht durch geheime politische Programme gelöst, sondern durch Menschen, die sich in den Dienst Gottes nehmen lassen.

Wen soll ich senden? Fragt Gott einen nach den anderen. Jesaja steht auf und sagt: Herr, sende mich. Jeremia verkriecht sich und sagt: ich tauge nichts. Petrus sagt: gehe weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch. Paulus sagt: ich bin nicht würdig, weil ich Blutschuld an meinen Händen habe. Sie alle berührt der Herr mit seinem Wort, mit seiner Liebe, mit seiner Vergebung mit seinem Geist. Du sollst gehen, wohin ich dich auch sende!

Ich weiß nicht, wohin Gott dich senden wird – das musst du mit ihm klären . Eine Person wird ins Krankenhaus gesandt, eine Person auf dem Ackerfeld, eine Person geht in die Küche und noch jemand geht ins Parlament. Eine Person zieht um ins Ausland, und eine andere Person bleibt in den vier Wänden des Hauses, um zu beten. Aber deine Arbeit soll sinnvoll und heilend sein, denn ich der Herr bin mit dir.

Gott steht zu dir. Lass dich nicht aus der Fassung bringen durch das Geschrei von Menschen, durch Unglück oder innerliche Zweifel. Gott sagt: Ich bin am Werk und führe die Weltgeschichte zu dem Ziel, das ich Gott, ihr gesetzt habe.

Die großen Ziele der Weltgeschichte überlassen wir Gott, aber du bist Teil von dem Ganzen. Du, wuchere und arbeite mit den Gaben, die Gott dir anvertraut hast. Das gilt jeder Person in jedem Alter in jeder Situation, auch für uns als Gemeinde überlegen wir uns neu: wozu hat Gott uns hier hingestellt?

Wir lernen von Jeremia: So macht Gott das auch mit dir: Er sagt dir seine volle Liebe und Gegenwart zu; er nimmt dir die Angst und reinigt dich; Er rüstet dich zu für seinen Auftrag und schenkt dir eine sinnvolle Zukunft. Diesen Gott, der so mit uns handelt, wollen ehren, für ihn leben und ihm danken.

Zum Gebet möchte ich die anschließenden Worte lesen, die Jeremia dann empfangen hatte.

11 Und es geschah des Herrn Wort zu mir: Jeremia, was siehst du? Ich sprach: Ich sehe einen erwachenden Zweig. Und der Herr sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich will wachen über meinem Wort, dass ich’s tue.

Gebet: Herr, Gott des Himmels und der Erde. Wir sind gar nichts im großen Universum, aber du rufst einen jeden von uns heraus aus dem Nichts, und machst uns nicht nur zur Krönung der Schöpfung, sondern auch zu Heiligen, Priester und Könige. Wenn du rufst, so wollen wir antworten; wenn du uns zurüstest, so wollen wir gehen. Wo jemand noch zweifelt, sprich du zu uns ganz deutlich, behutsam und liebevoll. Manchmal auch hart und als Befehl. Wir wollen hören und gehorchen. Und wenn du mit uns gehst, dann ist es gut.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre und Herzen und Sinne, unsere Gedanken und Gefühle in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.

Wochenspruch
Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern.

Lukas 12, 48

Introitus – Nr. 50 (Psalm 143, 1 – 2a; Psalm 40, 9)

Epistel

Was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwenglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. Meine Brüder, ich schätze mich selbst noch nicht so ein, dass ich’s ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Philipper 3, 7 – 14

Hauptlied
Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun 456

Evangelium

Jesus sprach: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und zog fort. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wieder bekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Matthäus 25, 14 – 30


liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: Lk 12,48

Wochenpsalm: Ps 40

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: Phil 3,7-11 (12-14)

Evangelium: Mt 25,14-30

Predigttext: Mt 7,24-27

Wochenlied: 497


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.)


I(Evangelium): Mt 25,14-30

II: Phil 3,7-11 (12-14)

III: Mt 7,24-27

IV: Jer 1,4-10

V: Mt 13,44-46

VI: 1. Petr 4,7-11