Predigt – Bist du heil? 19. Sonntag nach Trinitatis

Liebe Gemeinde,

das Thema dieses 19. Sonntages nach Trinitatis ist: Heilung an Leib und Seele. Dazu hörten wir das Evangelium aus Markus 2, wo Jesus einen Gelähmten heilt. Dieser Behinderte wurde von 4 Freunden zu Jesus gebracht; sie konnten jedoch nicht zu Jesus kommen wegen der Menschenmenge. Darum brachen das Dach auf und ließen den herunter vor Jesu Füße. Und dann lesen wir: Da Jesus IHREN Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: dir sind deine Sünden vergeben! Also, in diesem Fall: zuerst wurde seine Seele, sein inneres Wesen geheilt. Und danach, sozusagen als Beweis, dass ER, Jesus, wirklich die Macht hat, die Vergangenheit des Gelähmten zu heilen, danach spricht Jesus auch das Wort: Steh auf, nimm dein Bett und gehe Heim! Und der Mann stand auf, nimmt seine Matte und geht.

Für mich eine ergreifende Beschreibung von DEM, was wir als Gemeinde sind und erfahren. Wir sind einander anvertraut. Wir haben unter uns sogenannte „Starke“ im Glauben und wir haben „Schwache“. Wir haben körperlich gesunde und kranke Leiber. In diesem Fall, wie es Markus 2 beschreibt, wird der Glaube genannt, den die 4 Freunde hatten, den Jesus sieht. Dieser Glaube ist die feste Zuversicht in dem Heiland der Welt, Jesus Christus. Es ist ein Glaube, der schon sieht, was noch nicht ist.

Die 4 Freunde wussten nicht nur, wo wirkliche Hilfe zu finden ist, sondern sie tun auch was – sie bringen ihren Freund zu Jesus. Der Glaube an Jesus setzt Menschen in Bewegung, dass sie das Heil auch für andere suchen … und tatsächlich auch finden. Wir Menschen können zwar ein bisschen Willenskraft einsetzen, hier-und-dort ein wenig zu helfen. Aber wirklich heilen – nach Leib und Seele – das kann nur Gott.

Das ist unsere Aufgabe als Gemeinde, um einander zu Jesus zu bringen. ER spricht das heilende Wort aus. Das Wort wirkt. Und wir wissen, dass nach Gottes Wille, Heilung verschieden aussehen kann. Jede Person wird das Heil Gottes an sich erfahren, aber auf verschiedene Weise. Manchmal werden Leute erst mal zu Reue und Buße geführt. Manchmal müssen Dinge aus der Vergangenheit erst mal geklärt werden. Manchmal erfährt ein Mensch auch körperliche Heilung – und bei uns sind viele, die gesund wieder aus dem Krankenhaus zurückkehren. Aber manchmal werden Menschen nicht körperlich geheilt; dann kann es sein, dass Gott sein Heil auf andere Weise zeigen will. Auch durch Leiden und Schmerzen zeigt Gott seine Nähe. Ja sogar durch den Tod, wissen wir Christen, wird sich am Ende Gottes Auferstehungskraft einmal zeigen – wie es z.B. in Jeremia 31:3 heißt, wo Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Oder Paulus schreibt: 2. Kor 12:9 Gott hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf damit die Kraft Christi bei mir wohne. So überlassen wir es Gott, wie jeweils die Heilung aussehen mag.

Ich wiederhole: Unsere Aufgabe als Gemeinde ist, dass wir einander zu Jesus bringen. Und wir sprechen einander das gute Wort zu. Denn auch unsere Worte sind Taten, die das Leben vermitteln. Paulus hier im Epheserbrief betont, wie wir als Christen miteinander umgehen. In der Gemeinde geschieht das Heil. Wir werden heil.

Aber, und das ist ein großes ABER, aber das geschieht nur in der Verbindung mit dem Heiland. In der Einheit mit Christus sprechen du und ich uns gegenseitig Worte des Heils zu – und dann geschieht auch Heilung.

Umgekehrt gesagt: Ohne Christus passiert es, dass unser „alter Adam“ in den Vordergrund rückt. Unser eigenes „Ich“ sucht nur, was mir passt, was zu meinem Vorteil dient, was mir gefällt. Um unser eigenes Ego zu befriedigen, missbrauchen wir andere Menschen. Paulus sieht, dass sowas auch in der Gemeinde passiert: Da gibt es Lügen und Afterreden; da gibt es Zank und sogar Geschreie; da gibt es unnötigen Zorn und Lästerungen. Da beuten sich einige gegenseitig aus, suchen ihre eigene Ehre und übersehen die Not der anderen. Und so wird eine ganze Gemeinde krank. Sogar die Gesellschaft wird abgeschreckt von DEM, was so manche Gemeindeglieder tun.

Und da greift Paulus ein und sagt ganz deutlich: SO nicht! Sondern … Da beginnt Paulus in den ersten Paragraphen seines Briefes mit den Hinweis auf das wunderbare Heil in Christus. Bedenkt, wer und was ihr durch die Taufe und den Glauben in Christus geworden seid. Ihr seid die Auserwählten, die Gott geheiligt hat. Ihr seid der Leib Christi. Ihr seid Gottes Hausgenossen. Ihr seid berufen zum Auferstehungsleben. Und in Eph. 2:10 betont Paulus:  Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen. Anders übersetzt: In Christus Jesus sind wir Gottes Meisterstück. Er hat uns geschaffen, dass wir tun, was wirklich gut ist; gute Werke, die er für uns vorbereitet hat. Damit sollen wir unser Leben gestalten. 

Und nun in Eph. 4 hilft Paulus der Gemeinde, wie das praktisch aussehen kann. Er beginnt mit einen starken Kontrast: Da gibt es Menschen, die ohne Christus leben. Sie glauben Lügen. Sie sind selbstzentriert; sie sind verblendet; sie brechen einander ab; sie machen die Gesellschaft krank. Ihr aber, ihr seid Christen. Ihr denkt, wie Christus denkt.

22 Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Lebensstiel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. 23 Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn 24 und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.

Also nun soll auch der Wille eingesetzt werden, um das Gute zu tun. Vielleicht kann ich den Vergleich bringen, wie Gefangene im Gefängnis bestimmte Kleidung haben – sie haben alle einen orangen Overall. Daran erkennt man sofort, dass sie Strafgefangene sind; sie denken und handeln wie Kriminelle. Nun aber hat uns Christus befreit. Er hat uns befreit von Sünde, Tod und Teufel. Er hat uns einen neuen Geist gegeben. Er schenkt uns eine neue Glaubensgemeinschaft. Und Paulus appelliert: Zieht euren alten Overall aus, und zeiht gute Kleidung an, die euren neuen Status als Christen widerspiegeln. Zeigt nun auch, dass ihr wie befreite Menschen leben wollt.

Paulus nennt einige Vorbilder. Z.B. 25 Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Wir sind in Christus nicht mehr Konkurrenten, nicht mehr Feinde, sondern Freunde und Gemeinde, die einander dienen.

Noch ein Beispiel: 28 Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Also eben nicht mehr sich selbst unrechtmäßig bereichern, sondern miteinander teilen und gerne geben. Das ist ein völlig neues Denken; darin muss man sich üben.

Noch ein Beispiel: 29 Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe denen, die es hören. Hier haben wir neue Werte. Wir prüfen unsere Gedanken und Worte: Wird DAS, was ich sage, jemanden helfen, oder verletzten? Da gibt es noch viele andere Hinweise in der Schrift. Jesus sagt: nicht was der Mensch isst mit dem Mund, macht den Menschen unrein, sondern was aus dem Mund herauskommt, die Worte, DIE machen Menschen unrein. Mit Worten bauen wir auf oder brechen ab. Wir ermutigen einander, ermahnen, trösten, und (wie Paulus hier sagt) bringen einander Gnade. Auch das ist der gute Dienst, den wir in Christus tun.

In jedem Buch der Bibel finden wir weitere solche aufbauenden, hilfreichen Hinweise. Wichtig jedoch ist, dass wir erkennen: dies sind nicht nur einfach nette Allerweltsweisheiten, sondern dieses sind die Werke Gottes, die durch uns geschehen, die wir mit Christus verbunden sind.

Wir werden aufgerufen, selbst weiter zu denken. z.B. Wie sieht unser Dienst Christi aus in der Kindererziehung? Wie sieht das Heil Gottes aus in der Familie? Wie setzen wir Gottes Werk in die Praxis bei Arbeit und Beruf? Wie ist das mit der Politik und den Machtspielen in dieser Welt? Wir Christen sind Salz der Erde und Licht der Welt – dann wird die Gegenwart eines Christen in der Politik doch gewiss zum Wohl des ganzen Volkes dienen, nicht wahr?

In der Gemeinde fragen wir: wie sieht das Heil aus im Kindergottesdienst? Wie kann das Heil ausgetragen werden in Gemeindeversammlungen? Wie ist das mit den Kranken und Bedürftigen in unserer Mitte? Sagen wir: da bist du ja selbst schuld dran, dass du krank bist oder verarmst? Oder sagen wir: Ich möchte einige Schritte mit dir gehen, dich begleiten, mit dir beten. Wir fragen: wie sagen wir uns das Heil zu in der Ehe? – Mann und Frau, dass wir uns als Gottesgeschenke ehren, respektieren, schätzen und aufbauen.

Es ist immer abenteuerlich, in der Gemeinde zu sein. Es gehen viele Dank- und Loblieder auf zum Himmel, dass wir anders sind als wie Leute sich in der Welt benehmen. Hier ist Christus in unserer Mitte mit seinem Wort, Abendmahl, seinem Segen und seinem Heil.

Ihr lieben Konfirmanden, die ihr heute vom formellen Unterricht entlassen werdet, ihr lieben Schwestern und Brüder in Christus, heute ist der Tag des Heils, wo wir unseren Bund in Christus erneuern. Heute machen wir uns wieder fest in IHM, den Drei-einigen Gott. Wir sagen Ja zu IHM, weil ER in der Taufe Ja gesagt hat zu uns. Und sein JA gilt bis in aller Ewigkeit. Der Glaube, der uns geschenkt wurde, setzt uns in Bewegung, um sein Heil in die Welt zu tragen, denn der Herr ist freundlich und seine Güte währet ewiglich und seine Wahrheit für und für. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.


Wochenspruch

Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. Jeremia 17, 14

Introitus – Nr. 60 (nach Psalm 34, 18)

Epistel

Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.

Epheser 4, 22 – 32

Hauptlied

Nun lasst uns Gott, dem Herren, Dank sagen 379

Evangelium

Nach einigen Tagen ging Jesus wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. Und es versammelten sich viele, so dass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen:Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Markus 2, 1 – 12


(Heilung an Seele und Leib)

liturgische Farbe: grün

Festzeit: Trinitatiszeit

Wochenspruch: Jer 17,14

Wochenpsalm: Ps 32

Eingangspsalm: Ps 19, Ps 36, Ps 67, Ps 84, Ps 113

Epistel: Eph 4,22-32

Evangelium: Mk 2,1-12

Predigttext: Mk 1,32-39

Wochenlied: 320


Erklärung zu den Perikopen:

Die biblischen Predigttexte sind aufgeteilt in die Perikopenreihen I bis VI. Jede Reihe gilt – beginnend mit dem 1. Advent – fortlaufend für ein ganzes Kirchenjahr (aktuelle Reihe = III). Die einzelnen Reihen haben verschiedene Schwerpunkte (Evangelien, Briefe usw.).


I(Evangelium): Mk 2,1-12

II: Eph 4,22-32

III: Mk 1,32-39

IV: Jak 5,13-16

V: Joh 5,1-16

VI: 2. Mose 34,4-10