Liebe Gemeinde,
Gnade, Gnade, Gnade strahl aus diesem Brief. Gestern haben wir auf die 3 Gelegenheiten verwiesen, wo diese Gnade strahlt, wie Paulus beschreibt: Vor der Schöpfung schon; dann mit Christi Geburt – da erschien die Herrlichkeit Gottes in Person; und bei der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit.
Das heutige „Gnade, Gnade, Gnade“ können wir koppeln an Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist. Hier beschreibt Paulus wie diese drei an die Arbeit springen, uns Menschen selig zu machen.
Gott der Vater liebt uns mit grenzenloser Liebe, zeigt seine Freundlichkeit; Er macht uns selig.
Gott der Sohn ist die Erscheinung der Liebe Gottes zu uns Menschen; ER tut das Werk der Erlösung, reinigt uns von allen Sünden und gibt den Geist.
Gott der Heilige Geist tut sein Werk an uns indem ER die Erneuerung im Denken bewirkt und, wie es dann weiter klar wird, zu guten Werken anregt.
Wo und wann ist DAS geschehen? Durch das Bad der Wiedergeburt, schreibt Paulus.
Wir feiern also heute einen doppelten Geburtstag.
Zunächst, wie wir gestern Abend gesagt haben (Titus 2:11ff): dass die Herrlichkeit Gottes erschienen ist in Jesus Christus an alle Menschen. Und zweitens: dass du und ich wiedergeboren sind durch das Wasserbad im Wort durch Erneuerung im Heiligen Geist.
Bleiben wir ein bisschen stehen bei ersten diesem Punkt.
War das genau am 25. Dezember im Jahre null? Für uns ist das genau Datum nicht so wichtig, mehr oder weniger. Aber die Tatsache und die Begründung ist für uns fundamental von Bedeutung. Die Tatsache ist: Gott sendet den Retter der Welt, geboren von Maria, mit dem Auftrag, den Weg der Menschen zu gehen in ihrer Sünde bis zum Kreuz und hin zur Vollendung. Es ist das Fest der Erleuchtung, Erkenntnis und der Hoffnung für alle.
Nochmal also: Warum feiern wir gerade diesen Geburtstag? Paulus gibt uns die Antwort: 4Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, 5machte er uns selig – nicht um der Werke willen, die wir in Gerechtigkeit getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit!
Luther verglich das Evangelium gelegentlich mit einer harten Nuss. Von außen ist sie braun und unattraktiv. Aber wenn du die Schale geknackt hast, kannst du den süßen Geschmack der Nuss genießen. Hier haben wir ein Wort, das wie eine harte Nuss geknackt werden muss.
Da haben wir das Wort “Freundlichkeit” und das Wort „Menschenliebe“. Was ist das?
„Freundlichkeit“ ist Entgegenkommen, Wohlwollen, mit Freude begegnen.
Und „Menschenliebe“ ist im ursprünglichen Griechisch “philanthropia“. Da hören wir sofort ein ähnliches Wort, das wir bereits kennen – philanthropisch oder human. Das Wörterbuch wird uns erklären, dass ein Philanthrop ist eine Person ist, die durch gute Taten für das Wohl der Menschheit arbeitet. Wir kennen viele Philanthropen in Südafrika, wie zum Beispiel Menschen, die im 19. Jahrhundert ihren Beitrag zur Abschaffung der Sklaverei beitrugen. Sie sagten: Es darf nicht so sein, dass eine Person so viel Kontrolle über eine andere ausübt, dass ihre Menschenrechte beeinträchtigt werden. Philanthropen sind Wohltäter, etwa wenn die Superreichen ihre Milliarden von Dollar verwendet, um Institutionen gegen Kinderlähmung einzurichten, oder für gute Forschungszweck oder Hospiz unterstützt werden, usw.
Ist Gott nun auch ein “Philanthrop”, dass er zum Wohl der Menschheit arbeiten würde? Sicherlich will Gott der Menschheit seine Freundlichkeit zeigen. Doch der Begriff muss noch viel weiter gehen, wenn wir von Gott sprechen. Wir würden auch sagen: Taktgefühl, Entgegenkommen oder Barmherzigkeit, eine milde Herangehensweise. Gott nähert sich uns…
Vielleicht nehme ich ein weiteres Beispiel: Das ist, wenn wir alle in einem Fahrstuhl (Aufzug) stehen. In einem Aufzug stehen die Menschen sehr nah beieinander – zu nahe. Sie sehen ihre Privatsphäre bedroht. Menschen schützen sich meist selbst, indem sie schweigen. Sie schauen nach oben oder unten, bewegen sich nicht, ihre Gesichter sind verhärtet. Jeder ist mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.
Ja ehrlich gesagt, wenn ich dort in der Mitte eingeklemmt stehe, weiß ich auch nicht, was ich tun soll. Und dann passiert es mal, dass jemand lächelt oder einen Witz erzählt – und sofort ist die ganze Atmosphäre anders. Jemand sagt ein freundliches Wort – und alle Gesichter sind erleichtert. Die Atmosphäre ist nicht mehr feindselig; ich muss mich nicht mehr schützen; ich weiß, ich bin in guter Gesellschaft; ich kann mich öffnen; ich gewinne Vertrauen zu meinen Mitmenschen. Das ist “Philanthropie” – menschenfreundlich.
Wenn uns zu Weihnachten gesagt wird: Heute ist dir der Retter geboren, das ist Christus der Erlöser! – dann ändert sich alles. Gott schaut nicht nur schweigend vom Himmel herab und sieht, wie Menschen miteinander umgehen. Nein, er ist traurig und auch wütend. Sein Gericht könnte die ganze Menschheit mit einem Schlag vernichten. Aber Gott ist auch mitleidig, barmherzig. Er beschließt, ER wird die Situation retten.
Es stimmt: Wenn Gott seine Freundlichkeit zeigt, ändert sich die ganze Atmosphäre. Wenn Gott zu uns Menschen in menschlicher Gestalt kommt, dann weiß ich: Er wird jetzt mein Freund. Er ist nicht mehr (nur) der himmlische Richter, der über mein Handeln wie ein Polizist wacht, sondern er ist mir nun wohlgesinnt. Er kommt in meine Welt – egal wie chaotisch oder ordentlich sie sein mag. Ich brauch mich nicht selbst abgrenzen; ich kann IHM vertrauen. Er wird einer wie ich und akzeptiert mich bedingungslos. Jetzt kann ich wieder aufatmen. Jetzt kann ich wieder ein Mensch werden, wie Gott sich das gedacht hat. Jetzt gilt das Prinzip von Gnade und Freundlichkeit.
Zu Weihnachten verkündigen wir es: Gott kommt in der Gestalt des kleinen Jesuskindes, im Kind in der Krippe (und später als Mann am Kreuz). So offenbart sich Gott.
Nein, nicht als mächtiger General, der alle Feinde mit Waffengewalt vernichten wird. Auch nicht als harmloser Weihnachtsmann, der für alle nur Geschenke austeilt. Er kommt nicht als Präsident, der allen ein besseres Leben verspricht und es doch nicht erfüllen kann. Sondern Er kommt als Zelle, dann als Embryo, dann in Form eines Babys, dann als junger Mann, als Wanderprediger, als der Gekreuzigter, als der Auferstandene. Er wird für alle sichtbar durch die Verkündigung des Evangeliums in aller Welt. Und jeder kann sich Ihm nähern … wie damals einfache Hirten, weise Männer aus dem Osten, später Arme und Reiche, Aussätzige und Schriftgelehrte, Frauen und Kinder, Ausländer und Herrscher, usw. usf.
Heute denken wir an das Kind in der Krippe. Ein Baby ist hilflos, ist ausgeliefert. Ein Kind braucht Schutz und muss gefüttert werden. Für mich ist es eines der höchsten himmlischen Geschenke, dass meine liebe Frau und ich eigene Kinder haben dürfen – und vielleicht wurde mir erst durch meine eigene Erfahrung klar, was diese Güte Gottes bedeutet.
Hast du schon einmal ein Baby gehalten. Ja, Augen zugekniffen, blinzelt bisschen, quängelt. Und plötzlich lächelt das kleine Ding dich an? Welche Reaktion löst dieses zärtliche, sanfte Lächeln bei dir aus? Ist es nicht so, dass du sofort zurücklächelst? Ist das nicht ein Glücksgefühl? Ist es nicht das Lächeln Gottes, das dich durchdringt?
Ist das nicht ähnlich, was Weihnachten bedeutet: Gott lächelt uns wieder an! Mit aller himmlischen Güte sieht Er uns an und begegnet uns wieder auf menschenfreundlichsten Ebene, die man sich vorstellen kann. Du kannst Ihm so nahe kommen, wie du bist, und du kannst Ihn sehen, wie Er ist. Er ist ganz Mensch, ganz auf deiner Ebene, und doch gleichzeitig ganz heilig, ganz Gott.
Ja zugegeben: Ein Kind erfordert viel Mühe und Anstrengung von den Eltern; ein Baby macht Windeln schmutzig und weint nervend; ein Kind raubt kostbare Zeit und bereitet schlaflose Nächte – aber ein Lächeln … und alle Mühe ist vergessen. Um wie viel mehr sorgt sich Gott um uns Sünder, aber ein Lächeln von uns Sündern und der ganze Himmel freut sich mit!
Wir sind doch ein bisschen wie ein Baby in Windeln. Wir sind schutzlos ausgeliefert und wir machen Gott viel Mühe mit unseren Sünden. Es hat IHM zu Schluss das Leben seines Sohnes gekostet. Paulus erklärt deutlich, dass Gottes Güte nicht durch irgendetwas entstanden ist, das wir getan hätten, sondern allein aus seiner Liebe zu uns.
Du fragst, wie kam denn Gottes Freundlichkeit zu mir? War das Weihnachten? Nein, Paulus erklärt für dich persönlich: 5 Gott macht uns selig – durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist, 6 den er über uns reichlich ausgegossen hat durch Jesus Christus, unsern Heiland.
Hier sprechen wir von dem zweiten Geburtstag – deine Taufe, deine Wiedergeburt. Seht, Weihnachten im Allgemeinen löst bei uns zwar sentimentale, süße Gefühle hervor, aber dein wahres Weihnachten fand statt bei deiner Taufe. Da hat Gott dich mit seiner Freundlichkeit angelächelt, dir alle seine himmlischen Geschenke gegeben und dich erlöst von Sünde, Tod und Teufel. Der Verkündigung ist allgemein, wird von allen gehört. Aber deine Taufe ist persönlich, ist eins-zu-eins von Person zu Person, ganz menschlich doch zugleich ganz himmlisch.
Damit sind wir noch nicht fertig, denn, wie auch schon gestern Abend gesagt: damit hat Gott einen Zweck im Sinn gehabt. Er hat uns geschaffen, erneuert und geheiligt – hin zu guten Werken. Es soll ja nicht nur bei uns Weihnachten werden, sondern für die Welt, für alle Menschen.
Da sind leider die Anklagen gegen das Christentum: Ihr Christen predigt den Friedefürst – aber es ist ja kein Frieden in der Welt, oder? Ihr Christen sagt: der Heiland ist gekommen – aber die Natur, die Menschen sind immer noch kaputt. Ihr verkündigt Hoffnung – aber die Weltpolitik sieht hoffnungslos aus, oder?
Nein, antworten wir, antworten du und ich: Wo wir sind, da setzten wir uns ein für den Frieden. Nicht irgendeinen Frieden von nur äußerlichen Waffenstillstand, sondern Frieden im Herzen durch Versöhnung mit Gott; und daraus folg auch der Frieden zwischen Menschen. Wo wir Christen sind, da werden Menschen geheilt, da sind Hospitäler und „mobile clinic“ und Maisprojekte, und, und, und. Wo wir Christen sind, da werden Kranke gesegnet; da werden Sterbende begleitet, da leuchtet das Licht der Ewigkeit auf.
Später erklärt Jesus zum Beispiel seinen Jüngern: Wer dir einen Becher Wasser gibt, erhält die Belohnung eines Jüngers. Wer Gastfreundschaft praktiziert, hat bereits Engeln Unterschlupf gewährt. Wer ein Kind aufnimmt, nimmt Gott selbst auf. Oder welche Handlung auch immer getan wird – es geht darum, mit Gottes Liebe die Hand auszustrecken. Diejenigen, die das Evangelium leben, diejenigen, die es leben, werden auch die Herrlichkeit des Herrn bezeugen.
Also fragst du, wo dein Weihnachten ist? Da antwortet Paulus: Gott hat uns durch das Bad der Erneuerung und Erneuerung durch den Heiligen Geist gerettet. Er hat den Geist reichlich über uns ausgegossen durch Christus, unseren Herrn.” Ja, es ist derselbe Geist, der Christus am Werk war, der auch in dir und mir wirkt. Und indem wir an die Botschaft glauben, werden auch wir die Herrlichkeit Gottes erleben – bereits in dieser Welt, aber eines Tages, nachdem wir unverhüllt und klar gestorben sind.
Fragst du, wo Weihnachten ist für die Welt? Dann tu, was Christus befohlen hat. Glaube fest daran und vertraue darauf, dass Gott mit deinem Lächeln auch andere mit seiner himmlischen Gnade anlächelt. Dein Werk ist Gottes Werk in dieser Welt.
Und so wollen wir es auch als Gemeinde als Ganzes tun: Wir wollen Weihnachten für die Welt machen. Wir wollen Christus in die Welt bringen – zu unseren Familien, Arbeitsplätzen, zu unseren Freunden und zu Fremden.
Wir sind wie Maria, die nur ein einfaches, unbedeutendes kleines Mädchen in der berüchtigten Stadt Nazareth war. Für sie wählte der Herr die Trägerin des himmlischen Geschenks. Auch für dich und mich hat Gott gewählt, der Träger des Erlösers für die Welt zu sein.
Ist es einfach? Manchmal ja – tu einfach, was der Herr dir befiehlt. Manchmal werden wir jedoch auch wie Maria und Joseph in die Flucht getrieben. Manchmal fordert es viel Mühe und nervenaufreibenden Input. Lohnt es sich, Christ zu sein und Christus in die Welt zu tragen?
Jeder, der jemals das Lächeln eines Babys gesehen hat, weiß: Ja, solches Glück kann man nicht mit Geld kaufen. Ebenso wenn wir sehen, wie andere erlöst werden und Christus in einem Menschen Gestalt gewinnt – das ist eine unbeschreibliche, himmlische Freude.
Und „Freude“ ist die Melodie passend zu Weihnachten – weil auf IHN schauen, auf Christus, die Freundlichkeit Gottes in Person. Und eines Tages werden wir Ihn sehen, wie er wirklich ist. Ihm geben wir allen Lob, Ehre und Anbetung. Amen.
Und möge der Frieden Gottes, der allen Verstand übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, ja, euer ganzes Wesen erleuchten in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen.
