Das Geheimnis der Muschel

Es war beim Abschied des Missionars in Indonesien. Er verrichtete seinen letzten Gemeindedienst, dann stieß er mit seinem Boot von einer vor Sumatra gelegenen Insel ab. Viele seiner einheimischen Freunde und Schützlinge standen noch am Strand und winkten ihm zum Abschied. Sie dachten immer noch an die Frage des Missionars: “Welche Botschaft von euch kann ich nach Hause mitnehmen? Was wollt ihr mir mitgeben?”

Plötzlich löste sich eine Gestalt aus der Menge. Ein junger Mann beeilte sich, zum Boot zu waten. Dort drückte er dem Missionar etwas in die Hand. Es war eine Perlmuschel. Der Missionar spürte, dass dem jungen Mann dieses Abschiedsgeschenk sehr wichtig war. Ohne eine weitere Erklärung abzugeben, verschwand der junge Mann wieder. Der Missionar betrachtete die Perlmuschel in seiner Hand, und es dauerte nicht lange, bis ihm die Botschaft dieses Geschenkes verständlich war. Jeder indonesische Fischer weiß: Solche Perlmuscheln liegen auf dem Grund des Meeres, und ihre Schalen sind nie ganz geschlossen. Sandkörner gelangen durch die Strömung ins Innere der Muschel und drohen sie zu zerreiben. Die Muschel reagiert auf eine ganz besondere Weise: Sie umhüllt das Sandkorn, und eine wunderschöne Perle entsteht. Aus der Gefahr wird ein Wunder der Natur.

Doch was wollte der junge Mann dem Missionar damit sagen? Liebend gern würden wir sie abschütteln, die “Sandkörner” der Störungen und Sorgen, der Krankheiten und Krisen, der Stolpersteine und mühsamen Umwege in unserem Leben – doch sie können ganz schön hartnäckig sein, wollen nicht so einfach fortgeschwemmt werden. Ein koreanisches Sprichwort lautet: “Das kleinste Steinchen im Schuh macht mehr Verdruss als der größte Felsbrocken auf dem Weg.” Doch zurück zum Missionar aus Indonesien. Als er die Perlmuschel in seiner Hand hielt, verstand er: Nicht die Sandkörner bestimmen das Leben, sondern das, was die Muschel daraus macht. Sie umhüllt den Eindringling und gestaltet daraus eine Perle. Was uns die Muschel heute sagen will? Dass wir nicht über die Sandkörner des Lebens zu stolpern brauchen? Dass aus jedem Problem noch eine Chance werden kann, wenn wir richtig damit umgehen? Der eine zerbricht im Leid, der andere wächst und reift daran. Der Unterschied? Schicksal? Zufall? Oder doch der Umgang mit dem Leben?
Wie stehen Sie zu den Sandkörnern Ihres Lebens? Können diese zu Perlen werden? Das Leben ist lebenswert – das sagen nicht nur Psychologen und Therapeuten heute, das sagt die Bibel schon seit Tausenden von Jahren. Das Leben ist ein Geschenk Gottes, kostbar, einmalig. Genau so, wie Sie es anvertraut bekommen. Die Sandkörner darin? Lassen Sie sich nicht entmutigen! Sie können mit Gottes Hilfe zu wertvollen Perlen werden, die Ihrem Leben manches an Wert und Tiefe verleihen. Der Umgang damit ist entscheidend. Nehmen Sie Ihr Leben an, sagen Sie ja zu den Chancen und Herausforderungen! Und vertrauen Sie sich dem Gott Ihres Lebens an, der mit Ihnen Perlen bildet, wo andere nur Katastrophen sehen! Gott ist nichts zu schwer – er kann auch aus Ihrem Leben das Beste machen.